Telefonaktion: Unfallursache Smartphone

EN-Kreis. (Red.) Drei Sekunden, um „mal eben“ eine SMS zu lesen. Drei Sekunden, in denen man bei Tempo 120 eine Strecke von 108 Metern im Blindflug absolviert – die Länge eines Fußballfelds. Drei Sekunden, die bei einem Bremsmanöver den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten können.

Autofahren nur Nebensache?

Selbst bei Tempo 50 in der Stadt bedeuten drei Sekunden 45 Meter Strecke – genug, um einen Fußgänger oder Radfahrer zu übersehen. Dass der Ablenkung durch das Smartphone Menschen zum Opfer fallen, liegt für Lars Hannawald, Geschäftsführer der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden, nahe: „Nach langem stetigen Rückgang steigt die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland seit Kurzem wieder an“.

Verkehrspsychologe Dr. Jörg Kubitzki geht von etwa 1,3 Milliarden Handyverstößen pro Jahr aus – bei rund 43 Milliarden Pkw-Fahrten.

Längst geht es nicht mehr nur ums Telefonieren hinterm Steuer. Fast ein Drittel nutzt Funktionen wie SMS, mobiles Internet oder Apps, die eine visuelle Ablenkung vom Straßenverkehr mit sich bringen. Der Grund: Autofahren sei zu 90 Prozent automatisierte Routine, so der Psychologe Prof. Rüdiger Trimpop von der Universität Jena. Da sei jede Ablenkung für den Fahrer eine erwünschte Abwechslung.

Dass Fahrer ihrer primären Aufgabe – dem Führen ihres Fahrzeugs – dabei nur eingeschränkt gerecht werden können, liegt auf der Hand. Dennoch lesen, tippen und wischen sie auf ihren Bildschirmen, nicht zuletzt, weil das Risiko äußerst gering ist, erwischt zu werden.

Was ist erlaubt, was ist verboten?

Die Rechtslage hinkt der technologischen Entwicklung hinterher. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordert deshalb, die bestehenden Gesetze zu überarbeiten.
Was ist eigentlich erlaubt – und was verboten? Darf die Polizei mein Smartphone konfiszieren, wenn ich einen Unfall hatte? Wie hoch ist das Risiko tatsächlich, wenn ich mein Smartphone nutze? Genügt es nicht, die Geschwindigkeit zu reduzieren, um das Risiko zu senken? Kann das Smartphone dabei helfen, sich nicht ablenken zu lassen?

Antworten geben die Experten beim Wochenkurier-Leser-Telefon am Donnerstag, 16. Juni 2016, von 15 bis 19 Uhr, gebührenfrei unter folgenden Servicenummern:

  • 0800 / 2 811 811 – 1
    Kay Schulte; Stellv. Referatsleiter Unfallprävention – Wege und Dienstwege, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR), Berlin
  • 0800 / 2 811 811 – 2
    Prof. Dr. Mark Vollrath; Leiter des Lehrstuhls für Ingenieur- und Verkehrspsychologie an der Technischen Universität Braunschweig
  • 0800 / 2 811 811 – 3
    Dr. Jörg Kubitzki; Verkehrspsychologe, Allianz Zentrum für Technik (AZT), Ismaning