Theater-Festival zum Geburtstag

Ohne ihn wäre dem Kinder- und Jugendtheater frühzeitig die Luft ausgegangen: Werner Hahn, „Vater“ und Motor des „Lutz“. (Foto: Norbert Fendler)

Hagen. (tau) Eine Risiko-Schwangerschaft, eine schwere Geburt und keine allzu großen Aussichten auf Überleben: Die Anfänge des „Lutz“ waren voller Stolpersteine. Wären da nicht viele Optimisten gewesen, die mit Geld und unermüdlichem Engagement dem Kinder- und Jugendtheater einen Platz in der heimischen Kulturlandschaft verschafften. Ein Ort, der heute nicht mehr wegzudenken ist…

Untrennbar mit dem „Lutz“ verbunden ist der Name Werner Hahn. Als „Vater“, Motor, Kämpfer und Künstler hat er mit Visionskraft, Mut und nicht zuletzt mit viel Geduld in zahlreichen Inszenierungen und Projekten jungen Leuten die Tür zur Bühne geöffnet. Und damit genau das erreicht, was Intendant Norbert Hilchenbach als Ziel für das „Lutz“ beschreibt: Den Zuschauer von morgen zu finden und „heranzuziehen“, ihn für Theaterbesuche ebenso wie fürs Theaterspielen zu begeistern.

Neben dem Kunstgedanken gewann der sozio-kulturelle Aspekt eine immer stärkere Bedeutung für das „Lutz“, das seinen Namen dem „Hausautor“ Lutz Hübner verdankt. Anfangs noch normales Jugendtheater, wurde die junge Bühne über die Jahre zum kritischen Spiegel der Stadtentwicklung. Menschen aus den Randbezirken der Gesellschaft bekamen die Chance, sich zu erleben und im Rampenlicht zu präsentieren. Arbeitslose, Migranten, Behinderte – „gerade die Begegnungen mit ihnen gehören zu den schönsten Erinnerungen der letzten zehn Jahre,“ lächelt Werner Hahn.

In dieser Kulturverantwortung für die Stadt fühlten und fühlen sich denn auch Sponsoren wie die Rotarier, Lions-Clubs, der Theaterförderverein oder die Bürgerstiftung, dessen Vorsitzender Dr. Klaus Fehske auch für die Zukunft betont: „Wir wollen diese Integrationsarbeit unterstützen!“

Festival zum 10. Geburtstag

Jetzt feiert das Lutz seinen 10. Geburtstag. Und dazu dürfen sich Freunde und Förderer auf ein spannendes Festival freuen.

Den Anfang macht am 8. März ein Tag über, für und mit Menschen mit Behinderungen. So wird die preisgekrönte Filmdokumentation „Beinahe die Zauberflöte“ gezeigt, es gibt einen Vortrag samt Podiumsdiskussion zur UN-Behindertenrechtskonvention, und den Abschluss bildet das Stück „Eines schönen Tages“.

Das Stück „Ehrensache“, nach Motiven eines Mordfalls in Holthausen, sorgte mit einem bundesweiten Rechtsstreit und Aufführungsverbot für den größten Wirbel in der zehnjährigen „Lutz“-Zeit. (Foto: Theater Hagen)

„Ehrensache“, in Anlehnung an einen Mädchenmord in Holthausen 2004, steht ebenfalls auf dem Programm. Das Stück sorgte für bundesweiten Rechtsstreit und unterlag lange Zeit einem Aufführungsverbot in Hagen. Die „theaterperepherie Frankfurt“ zeigt nun am 9. und 10. März ihre Version auf der „Lutz“-Bühne.

Das schöne wie schwierige Leben eines Schauspielers ist Thema des Abends „Dicke Bretter, dünnes Eis“. In Wort und Musik darüber berichten werden die Ex-„Lutzianer“ Dominik Hahn und Sabin Tambrea – beide mittlerweile auf Bühnen jenseits der Volmestadt erfolgreich.

Ein besonderes Schmankerl für treue Zuschauer sind „Lutz’ sämtliche Werke leicht gekürzt“. Am 16. März gibt es ein Wiedersehen mit den ehemaligen Jung-Darstellern, die zu einer amüsanten Reise durch alle bislang gezeigten Stücke einladen. Publikums-Beteiligung nicht ausgeschlossen…

„Das Herz eines Boxers“ eröffnete 2001 das Hagener Kinder- und Jugendtheater und stand dann ganze sechs Jahre lang auf dem Spielplan. Grund genug, es zum Geburtstags-Festival zu zeigen. Am 18. März ist das „Theater der Jungen Welt Leipzig“ mit diesem Erfolgsstück zu Gast.

Erst Premiere, dann Party

Mit einer Welturaufführung startet der große Party-Abend am 19. März. Sarah Nemitz und Lutz Hübner werden erstmals aus ihrem bislang unveröffentlichten Werk „You & Me“ lesen. Im Mittelpunkt stehen Gedanken zu einer in die Jahre gekommenen Ehe…

Und im Anschluss darf dann bei freiem Eintritt ausgiebig im „Lutz“ Geburtstag gefeiert werden!

Zum Jubiläum ist eine Festivalkarte mit ermäßigtem Eintrittspreis erhältlich. Anfang März erscheint außerdem ein Jubiläums-Buch mit Beiträgen unter anderem zur „Rechtsangelegenheit ,Ehrensache’“, einer Rückschau, Erfahrungsberichten sowie zahlreichen Fotos. Ermöglicht wurde diese Dokumentation durch eine großzügige Spende der Bürgerstiftung; erhältlich ist sie im Theater.

Die genaue Programmübersicht des „Lutz“-Festivals findet sich im speziellen Flyer, der ab sofort an allen öffentlichen Stellen sowie im Theater Hagen ausliegt. Weitere Infos und Karten unter Telefon 0 23 31 / 2 07 32 18.