Tilo: Gäste – wo?

Es ist zwar verlockend, sich wöchentlich über Donald „Pinocchio“ Trump und seine vertwitterten „Fake News“ lustig zu machen, aber es gibt aktuell Wichtigeres in Mitteleuropa und im Hagener Raum als amerikanische Präsidentenwitzfiguren.

Erfreuen wir uns beispielsweise lieber an der deutschen Handelsbilanz. Allein im Dezember hat unser Land über 20 Milliarden Euro mehr mit seinen Exporten verdient, als die Importe kosteten. Damit steht Deutschland mit Riesenabstand an der Spitze. Auf Platz zwei steht das unter einer verschärften Bankenkrise leidende Italien (über fünf Milliarden im Plus), gefolgt von Frankreich (mit knapp fünf Milliarden im Plus).
Ganz anders sieht es hingegen im EU-Osten aus, etwa in Rumänien, Tschechien, Polen und bei Schlusslicht Griechenland – jeweils mit Minusbeträgen in Höhe zwischen einer halben und einer vollen Milliarde.
Die gute deutsche Bilanz schlägt sich nicht allein im Handel nieder, sondern zum Beispiel auch im Tourismus. Dass die wunderschönen Landschaften zwischen Ostsee und Allgäu ebenso verlockend sind wie etwa die weltoffenen Metropolen, spannenden Welterbestätten oder traumhaften Wanderwege, ist längst kein Geheimnis mehr.
Von diesem Trend profitieren auch wesentliche Teile Nord­rhein-Westfalens und des Ruhrgebiets. Allerdings gibt es Ausnahmen. Und zu diesen Ausnahmen gehört leider aktuell auch Hagen. Im Jahr 2016 verzeichnete Gesamt-NRW rund 22,1 Millionen Gäste mit 49,6 Millionen Übernachtungen in 5.010 Beherbergungsbetrieben mit mindestens zehn Gästebetten und auf Campingplätzen – was einem Plus von zwei Prozent im Vergleich zu 2015 gleichkommt.
Schaut man auf die Situation bei uns vor Ort, ergibt sich folgendes Bild: Der EN-Kreis kommt auf 193.384 Gäste (plus 8,9 Prozent) mit 523.942 Übernachtungen (plus 4,3 Prozent), wobei insbesondere Herdecke, Witten, Hattingen (allesamt am Ruhrtalweg gelegen) sowie Gevelsberg im Plus liegen.
Und Hagen? Gehört zu den klaren Verlierern: 96.540 Gäste bedeuten ein Minus von fast 4 Prozent und 262.526 Übernachtungen ein Minus von 1,7 Prozent. Im Wettbewerb der kreisfreien NRW-Städte schnitt nur Bottrop noch schlechter ab: mit 13,7 Prozent im Minus bei den Gästen.
Aber vielleicht sind es ja gar nicht die Touristen, die an der Volme fehlen, sondern die Geschäftsleute – weil der Stadt Hagen ein großes Unternehmen nach dem anderen abhanden kommt.
Und was macht die Politik? Will mit „Zukunftsschmiede“ und „Regionale 2022“ für frischen Wind sorgen. Klingt irgendwie hilflos.
Tilo