Tilo: Kein Respekt

Hans P. ist ein Bürger aus dem Hagener Osten und ein unermüdlicher Kämpfer gegen die Vermüllung in unserer Stadt. Kaum ein Tag vergeht ohne seinen entsprechenden Anruf beim HEB, beim Ordnungsamt, bei der Unteren Wasserbehörde oder anderen Rathäuslern. Mal bringen ihn Speisereste rund um eine Bus­haltestelle auf die Palme, mal die Hinterlassenschaften wilder Camper an der Lenne, mal sind es vergammelnde städtische Grundstücke, die ihn „keksen“ – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.
Wenn es nach ihm ginge, würden die Strafen für „Nacht- und Nebel-Entsorger“, „Müll-Frev­ler“ und andere „Abfall-Chaoten“ drastisch erhöht. Er kann auch nicht verstehen, warum so viele Menschen ihre Kippen achtlos in die Botanik schnippen, selbst wenn sie unmittelbar an einem Mülleimer stehen. Und auch die vielen Hundebesitzer, die den Dreck ihrer Vierfüßer mitten auf dem Bürgersteig liegen lassen, sind ihm ein Dorn im Auge.
Summa summarum vermisst er den Respekt vor der Umwelt und anderen Menschen. Eine Einschätzung, die sicherlich viele Hagener teilen. Zum Beispiel die Nord-Hagenerin Elisabeth W.
Als sie eines Morgens aus dem Fenster schaute, ließ ein Mann seinen Vierbeiner gerade ein Häufchen vor ihrer Haustür machen. Dessen nicht genug, griff er die braune Masse mit einem Plastikbeutel auf und warf das Ganze in Elisabeths Privatabfalltonne, die gerade frisch geleert worden war. Die Dame war außer sich und stellte den Halter zur Rede. Doch der konterte nur ganz cool: „Was regen Sie sich so auf? Schließlich zahl‘ ich Hundesteuer!“ Dann zog er mit Fiffi Leine.
Was das eine mit dem anderen zu tun hatte, konnte die 60-Jährige nicht erkennen. Nur das Wut-Rot vor ihren Augen. Und so rief sie bei der Polizei an, in der Hoffnung, etwas gegen den Fremdmüller ausrichten zu können. Fehlanzeige. Dafür sei man nicht zuständig, klärte man Elisabeth auf. Auch das Ordnungsamt konnte nicht weiterhelfen.
Da stellt sich die dringende Frage, was können die Dame und viele ähnlich Betroffene in solchen Fällen tatsächlich Wirksames tun? Im Grunde genommen nicht viel. Man kann sich a) einen Anwalt nehmen und eine Unterlassungsklage gegen den Hundebesitzer anstrengen. Oder b) – falls der Behälter auf dem Privatgrundstück steht und missbraucht wird ¬, eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs stellen.
In beiden Fällen ist von vorneherein klar: Der Aufwand wird den Nutzen weit übersteigen. Bei Mitmenschen, die ihren Müll illegal entsorgen – egal ob in einer nachbarlichen Privattonne, am Papiercontainer oder im Wald –, hat offensichtlich die Erziehung versagt, wenn‘s denn eine solche überhaupt je gab.
Und wer sich mit diesen Fremdferkeln anlegt, bekommt dummerweise meist mehr Ärger als sein gutes Recht und erreicht höchstwahrscheinlich doch keinen Sinneswandel für die Zukunft.
Im Grund hilft nur eins: Vorkehrungen treffen und seine Mülltonne abschließen. Aber das Schloss bitte nicht selber anbringen! Sonst kann es ein neues, ungewolltes Müllproblem geben, falls am Abfuhrtag die Tonne verriegelt Nett! ist: Der HEB muss sie gefüllt zurücklassen…
Bei Interesse also einfach den Entsorgungsbetrieb anrufen –, der bietet einen speziellen Schlösserdienst an. Das ist schön. Dennoch ist es schade, dass man manchen Müll-Idio­ten keinen anderen Riegel vorschieben kann.Tilo