Tilo: Optimistisch

Hurra, wir können feiern. Am kommenden Samstag jährt sich zum 60. Mal die Unterzeichnung der Römischen Verträge – das stellt die eigentliche Geburtsstunde der Europäischen Union dar.

Am Anfang waren es die sechs Staaten Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich und Italien, die eine Wirtschaftsgemeinschaft installierten, seinerzeit kurz EWG genannt. Später kamen insgesamt 22 weitere Staaten dazu – von Dänemark, Irland und Großbritannien (1973) bis Kroatien (2013).
Mit ihren 28 Staaten bildet die Union eine geballte Wirtschaftsmacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist so hoch wie das von China, höher als das der USA und gut fünfmal so hoch wie das von Russland. Dummerweise werden ab April 2019 ein paar Milliarden Euro am BIP fehlen, weil England in wenigen Tagen seinen Austritt aus der EU erklären wird und sich dann spätestens in zwei Jahren endgültig verabschiedet haben muss.
Spannend bleibt die Frage nach Schottland und Nord­irland – insbesondere die „Nord-Briten“ aus Edinburgh möchten möglichst bald selbst entscheiden, ob sie im Vereinigten Königreich und in der EU verbleiben oder eher nicht.
Die Brexit-Engländer sind leider nicht die einzigen, die an der EU „knabbern“. Auch anderswo gibt es allerlei Bestrebungen, dem 60-jährigen Jubilar direkt oder indirekt den Garaus zu machen. Da sitzen Wladimir Putin, „Pinocchio“ Trump und jede Menge rechtslastige Nationalisten – etwa in Frankreich (Le Pen) oder Ungarn – gemeinsam in einem „Zerstörer-Schiff“.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, was die Bertelsmann-Stiftung aktuell bei einer Untersuchung in sechs Ländern (Deutschland, Österreich, Polen, Tschechei, Slowakei und Ungarn) herausgefunden hat. Die Stiftung hat in den vergangenen Wochen junge Menschen nach ihrer Meinung zur EU befragt – und ei siehe da, die Jugend dieser sechs Staaten weiß die EU überaus zu schätzen. Frieden und Freiheit – diese Zwillinge sind die beiden Hauptpunkte, die die 15- bis 24-jährigen Jungbürger mit der Union verbinden. Na, das hört sich doch gut an.
Wenn jetzt die EU noch in einigen Punkten eine Verjüngungskur bekäme – etwa im Hinblick auf eine Verteidigungsgemeinschaft –, könnten wir recht optimistisch in Europas Zukunft schauen, Trump, Putin & Co. zum Trotz.
Tilo