Tilo: Problem-Orte

Gestern war der „Tag der Deutschen Einheit“. Junge, Junge, gab’s da wieder ein paar nette Reden. Dabei war manchen Politikern gar nicht zum „nett sein“ zumute – insbesondere in Anbetracht der AfD-Wahlergebnisse in Sachsen. Schließlich erhielten die Rechtspopulisten in manchen Kreisen jede zweite Stimme. Nur „Rauten-Mutti“ war in den Tagen nach der Wahl nicht sonderlich entnervt. Angela Merkel war zwar die eigentliche Verliererin, erklärte sich aber dennoch frohlockend zur Gewinnerin. Kaum einer forderte ihren Rücktritt – obwohl eine solche Forderung nach diesem Desaster eigentlich normal gewesen wäre.
Natürlich wurde rund um den „Tag der Deutschen Einheit“ wieder einmal davor gewarnt, ein „Sachsen-Bashing“ zu starten, also das Volk der Sachsen an den Pranger zu stellen. Leichter gesagt als getan. Denn in großen Teilen der alten Bundesländer wird vielen Menschen zwischen Plauen und Görlitz schon seit längerem – zum Beispiel auch wegen „Pegida“ – keine große Sympathie mehr entgegengebracht. Tilos alter Kumpel Stephan beispielsweise regt längst in jeder Stammtischrunde an, die Sachsen sollten es doch am besten den Katalanen nachmachen und einen eigenen Staat gründen – mit Frauke Petry als Ministerpräsidentin. Dann hätten wir in der Bundesrepublik gleich zwei Probleme weniger, witzelt er.
Aber lassen wir das, schauen wir lieber nach Hagen statt nach Zwickau. In unseren Breitengraden gibt es schließlich Probleme genug.
An der Volme geht’s am morgigen Donnerstag, 5. Oktober, bestimmt ebenfalls hoch her – der Rat der Stadt Hagen tritt ab 15 Uhr zusammen. Hier existiert „Jamaika“ bekanntlich schon seit der letzten Wahl – ergänzt um „Hagen Aktiv“. Koalition und Opposition haben eine umfangreiche Tagesordnung vor der Brust – mittendrin: das Thema „Brandt-Brache“. Wir erinnern uns: Vor vielen, vielen Monden wurde das ehemals größte Zwiebackwerk Europas geschlossen, die Produktion „wanderte“ bekanntlich in ein neues Bundesland, nämlich nach Thüringen. Seitdem erhebt sich rechts und links der Enneper Straße eine riesige Ruine. Einem Teilbereich – dem nördlichen Gebiet – will ein Investor aus dem rheinischen Siegburg jetzt möglichst bald neues Leben einhauchen.
Laut Beschlussvorlage soll sich der Mann verpflichten, innerhalb der nächsten 36 Monate – also innerhalb von drei Jahren – ein Fachmarktzentrum, ein Bürogebäude (inklusive denkmalgeschützter Werkstatthalle), ein Gesundheitszentrum, jede Menge Parkplätze und eine umgestaltete Enneper Straße aus dem Boden zu stampfen. Gleichzeitig soll er sich aber auch verpflichten, bereits im Dezember 2019 – also in zwei Jahren – die Eröffnung zu feiern.
Drei Jahre? Zwei Jahre? Egal, wen kümmert die kleine Differenz angesichts der vielen Jahre, die an diesem Problem-Ort eh schon ins „Planungs-Land“ gegangen sind.
Tilo