Tilo: Twitter – wofür?

In Tilos altem Freundeskreis gab es lange Zeit eine Frau – nennen wir sie Klara –, die immer wieder tolle Schwänke aus ihrem Leben erzählte. Das Problem: Die meisten Urlaubs-, Alltags- und Familienfeierstorys waren großenteils frisch, fromm, fröhlich, frei erfunden. Klammheimlich nannten wir Klara eines Tages nur noch „Münchhausen“ und reduzierten beizeiten die Begegnungen mit ihr auf das erforderliche Mindestmaß.
Seit dem vergangenen Wochenende weiß Tilo: Die Sauerländerin hat gar nicht gelogen, sondern nur „alternative Wahrheiten“ erzählt. So wie Trump und sein neuer Sprecher Sean Spicer.
2017 hat kaum angefangen –und schon scheinen mit Spicer und seinen alternativen Wahrheiten sowohl der Komiker als auch das Wort des Jahres gefunden zu sein.
Ohne Zweifel, der Herr Trump setzt Maßstäbe. Nicht nur bei der Art und Weise, wie er mit Lügen und Steuererklärungen umgeht, sondern auch, wie er seine Antrittsrede gehalten hat. Dass er „Amerika“ in den Mittelpunkt rückt, ist ihm nicht vorzuwerfen, das ist sein neuer Job. Wie er aber in seiner allerersten offiziellen Rede seine Vorgänger und Konkurrenten beschimpft hat, war schon einzigartig.
Trump, das wissen wir längst, ist ein seltsam nationalistischer Rechtsausleger – so wie Putin in Russland oder Marine Le Pen in Frankreich oder Frauke Petry in Deutschland. AfD-Chefin Frauke Petry darf sich im Übrigen für die tolle transatlantische Werbung bedanken, lautet doch ihr Motto eh schon länger „Alternative Wahrheiten für Deutschland“.
Der US-Münchhausen alias Präsident Trump verkündet seine sehr persönlichen Wahrheiten bekanntlich am liebsten per Twitter. Thomas Baumgärtel, der renommierte deutsche Künstler (das ist der „Bananen-Sprayer“, der bis zum vergangenen Sonntag eine sehenswerte Ausstellung im Hagener Osthaus-Museum präsentieren durfte), wollte es dem 45. US-Vorturner gleichtun und ebenfalls Twitter nutzen – für eine lustige „Trump-Karikatur“. Durfte er aber nicht. Verboten. Man sieht, Twitter hat Trump im vorauseilendem Gehorsam verstanden: „America first!“
Frage: Welcher Deutsche braucht Twitter eigentlich noch?
Tilo

Anmerkung der Onlineredaktion: Und sollten Sie doch zu den Deutschen gehören, die Twitter noch brauchen – wir beliefern Sie auch dort regelmäßig mit Aktuellem aus der Region. Und zwar so objektiv, wie es uns möglich ist … 😉