Tilo: Warnblinker

Polizist Michael Hoffmann gehört normalerweise nicht unbedingt zu den prominentesten Beamten in unserer Stadt. In diesen Tagen werden aber Millionen von deutschen Autofahrern sein Gesicht gesehen haben – in der aktuellen ADAC-Zeitschrift. Darin hat der Hagener „Direktionsleiter Verkehr“ ein Interview gegeben: Er beklagt sich, dass auf unseren Straßen immer mehr Blinkmuffel unterwegs seien.
Wo der Polizist recht hat, da hat er recht. Leider hat Direktor Hoffmann in seiner berechtigten Schimpfkanonade eine „Falsch-Blink-Spezies“ vergessen – die dreisten Sieben-Minuten-Parker in zweiter Reihe mit Warnblinker.
Anzutreffen sind sie vielerorts – Tilo sieht sie besonders häufig an zwei Stellen: Auf dem Rechtsabbiegestreifen zum Parkhaus am Beginn der Fußgängerzone an der Körnerstraße sowie an der Einmündung der Bahnhof- in die Karl-Marx-Straße, wo eigentlich ein Verbotsschild unmissverständlich darauf hinweist, dass hier das Halten untersagt ist.
Neulich standen hier gleich drei Autos mitten auf der Straße, davon zwei hintereinander quasi direkt unter dem Halteverbotsschild. Der dritte Wagen stand gegenüber und versperrte somit beinahe die Zufahrt in die Bahnhofstraße – alle anderen Verkehrsteilnehmer mussten sich irgendwie vorbeiquetschen. Klar, was kümmern einen andere Leute, wenn man „mal eben“ in einer Großbank seinen kleinen Geschäften nachgehen muss.
Bei den zwei Hintereinander-­Parkern ein sich ähnelndes Bild: In beiden Fällen waren die Beifahrer ins nahe Geschäftsgebäude entschwunden, die Chauffeure telefonierten unterdessen und bei den Autos liefen die Motoren und natürlich die Warnblinker – so als sei hier ein Unfall passiert.
Passanten-Aufforderungen, die Motoren und Blinker auszuschalten, wurden geflissentlich ignoriert. Der erste Wagen stand über sieben Minuten in quasi zweiter Reihe, der zweite „nur“ fünf.
Dabei heißt es unmissverständlich in der Straßenverkehrsordnung: Der Warnblinker ist ein Gefahrenanzeiger. Er darf nur benutzt werden, um vor konkreten Gefahren zu warnen. Wer den Blinker einsetzt so wie beschrieben, ist sich bewusst, dass er sich falsch verhält. Das kann als missbräuchliche Benutzung des Warnblinkers gedeutet werden und kostet dann fünf Euro zusätzliche Strafe.
Hoffmann hat zwar verstärkte Kontrollen angekündigt, aber was machen seine Beamten aus der nahen Polizeiwache an der Bahnhofstraße? Sie fahren in der Regel flott und fröhlich an den Warnblinkern vorbei –und was sagt dazu der Chef?
Tilo