Tilo: Woher nehmen?

Freund Peter ist Koch. Neulich wollte er Tilo eine schmackhafte Linsensuppe kochen. Aber im Schrank lag nur eine Packung Graupen. Vorbei war’s mit dem geplanten leckeren Hülsenfrüchte-Süppchen.
Zugegeben, der Vergleich hinkt. Aber so ähnlich wie unserem Koch geht es momentan vielen Arbeitgebern. Sie würden gerne mit neuen Leuten planen, aber der Arbeitsmarkt ist ziemlich leergefegt. In manchen Teilen der Republik herrscht gar Vollbeschäftigung. Und die, die zur Verfügung stehen, sind oft wenig geeignet.
Womit wir beim Wahlkampf sind. Nein, nein, nicht bei dem langweiligen Duell zwischen Merkel und Schulz am Sonntag, wo – um mit Koch Peter zu sprechen – einen das Gefühl beschlich, die Wahl zwischen Kartoffelstampf und Kartoffelpüree zu haben. Nee, wir kommen zu den vollmundigen Wahlkampfsprüchen. Da werden uns von fast allen Parteien feine Dinge versprochen, zum Beispiel „mehr Sicherheit“, „mehr Justiz“, „mehr Schulbildung“, „mehr Kitas“, „bessere Straßen“, „weniger Bürokratie, zum Beispiel beim Wohnungsneubau“, „schnellere Abschiebungen“ und Ähnliches.
Tilo vernimmt’s und wundert sich. All‘ das, was uns hier versprochen wird, hat auch mit Arbeitskräften zu tun. Mit neuen Lehrern, mit neuen Richtern, mit neuen Erziehern und vielen anderen neuen Fachkräften. Unterm Strich müssten – sozusagen im Handumdrehen – Massen an weiteren Beamten und Angestellten gefunden werden. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Oder um ganz praktisch mit Peter zu sprechen: „Ohne Linsen kann ich keine Linsensuppe kochen.“
„Mehr Sicherheit“ beispielsweise bedeutet, tausende Neueinstellungen bei der Polizei vornehmen zu müssen. Nun ist dieser Job aber für viele Menschen alles andere als attraktiv. Hinzu kommt, dass auch nicht jeder Bewerber geeignet ist – schließlich kann man weder Dumpfbacken gebrauchen, noch Neonazis. Dass es hier obendrein an genügend Ausbildungs- und Schulungsmöglichkeiten mangelt, sei auch nicht verschwiegen.
Typisch ist FDP-Alleinunterhalter Christian Lindner, er lässt uns wissen: „Die Sicherheit muss besser als das Verbrechen organisiert sein.“ Gut gebrüllt, Herr Lindner. Woher er indes die „besseren Organisatoren“ nehmen möchte, verrät uns der Mann nicht. Natürlich nicht. Warum auch? Es ist ja nur Wahlkampf.Tilo