Tilos Kommentar: Brückensteuern

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr: In Deutschland sind zahllose
Brücken so kaputt, dass sie entweder dringend repariert oder bald gänzlich
gesperrt werden müssen. Aus Hessen beispielsweise verlautet, dort sei jede
zehnte Brücke inzwischen völlig marode. In Nordrhein-Westfalen sieht das nicht
besser aus. Eine für den LKW-Verkehr gesperrte Brücke im Verlauf der A1 bei
Leverkusen ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs. Über kleinere Brücken,
über die kein Verkehr mehr rollen darf ­– wie etwa in Münster – spricht kaum
ein Mensch.
Auch von vielen Hagener Brücken ist bekannt, dass sie in naher Zukunft zu
Problemwegen werden können. Darunter sind mehrere Bauwerke, die für den Verkehr
in der Volmestadt von zentraler Bedeutung sind. Die Eckeseyer Brücke gehört
hierzu ebenso wie die Fuhrparkbrücke. Man stelle sich vor, beide Übergänge
müssten zum ungefähr gleichen Zeitpunkt für den LKW-Verkehr oder sogar für den
gesamten Verkehr gesperrt werden – ja dann Prost Mahlzeit! Den Verantwortlichen
rund um Stadtbaurat Grothe sind die Probleme durchaus bewusst, nur ist es für
sie schwer, zu handeln. Denn Reparaturen oder gar Neubauten sind nicht „mal eben
aus dem Ärmel zu zaubern“. Die Planungen hierfür überfordern viele Kommunen –
und außerdem kostet das alles viel Geld, das bislang nicht eingeplant ist.

Den Vorwurf, den man den Verantwortlichen in Bund, Land und Kommunen –
auch an der Volme – durchaus machen darf: Diese Probleme waren vorhersehbar. Die
meisten jetzt maroden Brücken stammen aus den 1960er/70er Jahren. Damals wurden
oft nicht nur minderwertige Baustoffe eingesetzt, sondern auch ganz andere
Belastungen prophezeit. Im Normalfall ging man damals von Lastzügen aus mit
einem zulässigen Gesamtgewicht von 28 Tonnen. Doch längst sind diese 28 Tonnen
eher die Seltenheit – normal sind heute Lastzüge mit mehr als 40 Tonnen. Ein
40-Tonner beansprucht eine Brücke natürlich ganz anders als ein 28-Tonner.
Experten rechnen vor, dass ein einziger 40-Tonner-Lastzug das Material ähnlich
stark in Mitleidenschaft ziehe wie 40.000 PKW.
Hinzu kommt, dass durch Deutschland immer mehr Waren transportiert werden
müssen. Woran wir allesamt ein gerüttelt Maß an Mitschuld tragen. Man denke nur
an unsere ausufernde „Bestellerei“ im Internet.
Wahrscheinlich bräuchten wir keine Solidarsteuer mehr für den Osten und
stattdessen eher eine Sondersteuer für Brücken. Ein anderer Vorschlag: Wir
verzehnfachen die LKW-Mautgebühren und erhöhen deutlich die
Paketzustellungskosten. Aber das will wahrscheinlich niemand hören.
Tilo