Trotz Konjunkturhoch: Pessimisten nehmen zu

Hagen. Knapp zweihundert Unternehmen mit über 29.000 Beschäftigten aus dem Märkischen und dem Ennepe-­Ruhr-Kreis sowie der Stadt Hagen haben sich an der 138. SIHK-Konjunkturumfrage beteiligt.

Auf den ersten Blick sieht die Geschäftslage glänzend aus. Die Region brummt, die Kaufkraft wächst. Die Unternehmen sind hervorragend ausgelastet, die Auftragsbücher gut gefüllt. Das wäre Grund zum Feiern, wenn nicht die Umfrage auch Bedrohliches offenbarte. Obwohl die Unternehmen die derzeitige Lage äußerst positiv beurteilen (plus vier Prozent), verdüstern sich gleichzeitig ihre Erwartungen für die nächsten Monate ausgesprochen deutlich. Das hat mehrere Gründe, wie SIHK-Präsident Ralf Stoffels und Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse darstellten.

Erwartungen stark getrübt

„Erstmals seit zehn Jahren öffnet sich die Schere zwischen der aktuellen Geschäftslage, die weiter steigt, und den zukünftigen Erwartungen, die sinken“, sagt SIHK-Präsident Ralf Stoffels.
Die größten Risiken sehen zwei von drei Unternehmen im sich zuspitzenden Fachkräftemangel, in steigenden Ener­gie- und Rohstoffpreise und in eingetrübten Aussichten im Exportgeschäft.

„Eine Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen befürchten 46 Prozent der Unternehmen. Protektionistische Tendenzen auf den Weltmärkten, die Außenhandelspolitik der USA und ein möglicherweise ungeordneter Brexit spielen in unserer stark im internationalen Geschäft engagierten Region, die auf freie Grenzen und freien Handel setzt, dabei eine maßgebliche Rolle“, betont Stoffels.

Industrie auf hohem Niveau

Die Leitbranche Industrie befindet sich nach wie vor in einer hervorragenden Verfassung. Die Kapazitätsauslastung liegt bei 87 Prozent und ist im Vergleich zum Jahresbeginn um einen Prozentpunkt gestiegen. „94 Prozent der Unternehmen beschreiben ihre derzeitige Lage als zufriedenstellend oder gut. Aber nur noch 20 Prozent gehen von einer besseren Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten aus Das sind acht Prozent weniger im Vergleich zum Jahresbeginn“, so SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat.

Hochkonjunktur am Bau

Günstiges Finanzierungsumfeld, steigende Baugenehmigungen: Die Stimmung im Baugewerbe hat sich im Jahresverlauf auf 132 Punkten stabilisiert. Laut der KfW dürften im laufenden Jahr knapp 300.000 neue Wohnungen fertiggestellt werden. „Es wird von einer hohen Nachfrage in allen Bausparten berichtet. Viele Betriebe sind voll ausgelastet und haben Schwierigkeiten, dringend gesuchte Fachkräfte zu finden“, berichtet SIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Ralf Geruschkat weiter.

Großhandel beflügelt, Einzelhandel bedrückt

Im Handel setzt sich der konjunkturelle Aufschwung unvermindert fort. „Aber während sich die Stimmung der Großhandelsunternehmen weiter aufhellt angesichts der hervorragenden Geschäftslage, sind die Einzelhändler auch aufgrund des heißen Sommers bei der Bewertung ihrer derzeitigen Lage deutlich verhaltener und blicken spürbar pessimistischer in die Zukunft“, fasst der SIHK-Hauptgeschäftsführer die Ergebnisse zusammen.

Arbeitsmarkt brummt

Vor allem die Industrie braucht Fachkräfte. Der Anteil der Industrieunternehmen, die mit einer höheren Beschäftigtenzahl rechnen, ist seit Jahresbeginn um zehn Punkte auf nun 32 Prozent gestiegen. Die Lage spitzt sich dramatisch zu: Über die Hälfte der Unternehmen (53 Prozent) kann offene Stellen längerfristig nicht besetzen. 57 Prozent der befragten Unternehmen berichten davon, offene Stellen gar nicht besetzen zu können, weil den Bewerbern die nötige Qualifikation fehlt oder auch weil schlichtweg keine Bewerbungen eingehen.

Der komplette 138. Konjunkturbericht findet sich online unter www.sihk.de, Dok.-Nr. 2791.