Trotz zu pflegender Personen: Ohne Sorgen eigene Termine wahrnehmen

Um die pflegenden Angehörigen zu entlasten

Um die pflegenden Angehörigen zu entlasten, stehen zusätzliche Mittel der Pflegeversicherung zur Verfügung.
(Foto: Peter Zweigler/be.p)

Hagen. Herr M. hat Pflegegrad 2 und wohnt mit seiner Frau im eigenen Haus. 316 Euro bekommt Herr M. monatlich als Pflegegeld. Seine Frau, die selbst bereits in Rente ist, betreut ihn. Sie bereitet die Malzeiten zu, hilft ihm beim Essen, beim Aus- und Ankleiden, bei der Körperpflege, gibt ihm seine Tabletten.
Schwierig wird es, wenn sie selbst Termine, etwa beim Arzt, hat. Wer kümmert sich in dieser Zeit um ihren Mann? Und – wovon soll das Familie M. bezahlen?
„Herr M. sollte für solche Fälle die so genannte Verhinderungspflege beantragen“, empfiehlt Sylke Wetstein von der bundesweiten Compass Pflegeberatung. „Dafür stehen bis zu 1.612 Euro für sechs Wochen im Jahr zur Verfügung. Der Betrag darf sogar um weitere 806 Euro auf 2.418 Euro erhöht werden, wenn der Pflegebedürftige die Gelder für die Kurzzeitpflege nicht nutzt. Diese Mittel sind als zusätzliche Leistung zum Pflegegeld vorgesehen.“
In welcher Höhe das Pflegegeld an Herrn M. gezahlt wird, hängt davon ab, wie lange seine Frau als eigentliche Pflegeperson abwesend ist: Sind es unter acht Stunden am Tag, wird das volle Pflegegeld weitergezahlt. Sind es jedoch mehr als acht Stunden, gibt es für diesen Tag das halbe Pflegegeld.
Übernimmt ein ambulanter Dienst die Versorgung des Pflegebedürftigen nur hin und wieder, wird er auf Antrag mit den Geldern aus dem „Topf“ der Verhinderungspflege bezahlt. Wenn die Mittel aufgebraucht sind, können für den Dienst die so genanten Sachleistungen bei häuslicher Pflege in Anspruch genommen werden.
Pro Monat stehen bei Pflegegrad 2 bis zu 689 Euro zur Verfügung. „Dabei ist zu beachten, dass dann das Pflegegeld prozentual gekürzt wird“, so Wetstein. So gibt es beispielsweise das halbe Pflegegeld, wenn 50 Prozent der Sachleistungsmittel für den ambulanten Dienst ausgegeben werden.
Über das genaue Antragsprocedere und die Abrechnungsmodalitäten sollte man sich von seiner Pflegeberatung ausführlich beraten lassen. Weitere kostenfreie Informationen erhalten gesetzlich und privat Versicherte unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 / 1018800.
Der Anspruch auf Pflegegeld, Sachleistungen und Verhinderungspflege besteht übrigens erst ab Pflegegrad 2. Für den Pflegegrad 1 gibt es das nicht.
(be.p/Uwe Strachovsky)