Udo Röhrig sagt Ade

Haspe. (lz) Mit Schirm, Charme und einem großen Herz für den Ulk hat es Udo Röhrig geschafft, in Haspe zu einer Institution zu werden. Jetzt geht – nach knapp 16 Jahren – seine Kirmesbauer-Ära zu Ende, genauer: am 4. Juni wird Schluss sein. Eine Zeit, auf die er, wenn er an seinen letzten Auftritt denkt, mit einem lachenden, aber eben auch einem weinenden Auge zurückblickt.

Hat sein Amt als Kirmesbauer jetzt an Michael Kröner (l.) abgegeben: Haspes Urgestein Udo Röhrig (Mitte). Rechts: Der (noch) amtierende Iämpeströter Markus Frank. (Foto: Lara Zeitel)
Hat sein Amt als Kirmesbauer jetzt an Michael Kröner (l.) abgegeben: Haspes Urgestein Udo Röhrig (Mitte). Rechts: Der (noch) amtierende Iämpeströter Markus Frank. (Foto: Lara Zeitel)

Die Anfänge

Begonnen hatte alles bereits in Kindertagen. „Als mich der damalige Hasper Kirmesbauer während des Zugs als kleinen Jungen auf den Arm nahm, war das für mich das Größte“, schwärmt Udo Röhrig. „Und ich wusste von da an, was ich einmal werden wollte.“

Seit 1861 gibt es den Ulk und die Hasper Kirmes. Udo Röhrig hat die Tradition gerne fortgesetzt. „Wir müssen selbst mitmachen“, erinnert er sich heute noch gut an seine Worte aus jungen Jahren zurück.

Gesagt, getan: 1995 gründete er zusammen mit Freunden den ersten eigenen Kirmesclub. „Ich fand, dass unsere Generation gefordert war, etwas für den Erhalt des Kirmeszugs zu tun“, berichtet er.

Im Januar 2000 wurde er auf der Jahreshauptversammlung das erste Mal zum Kirmesbauer vorgeschlagen. Fünfzehn Mal wählte ihn der Vorstand – wieder und wieder. Entgegen der Wahl des Wolkenschiebers, der nach der Wahl sein Leben lang im Wolkenschieber-Amt bleibt, muss sich der Kirmesbauer nämlich jedes Jahr aufs Neue beweisen.

Kirmesbauer von Kopf bis Fuß

Neu eingekleidet von Kopf bis Fuß tritt er 2000 auf dem Kirmes-Kommers im St.-Bonifatius-Heim das erste Mal sein Amt an. „Eigentlich hatte ich mir ja so vieles überlegt, was ich sagen wollte“, erzählt er. „Doch wenn man all diese Leute vor sich stehen hat, bewegen einen so viele Dinge.“ Mit dem Amt des Kirmesbauers geht für Udo Röhrig ein langgehegter Kindheitstraum in Erfüllung.

In seinen langen Schuhen mit den Bommeln und dem Regenschirm gilt er auch über die Hasper Straßen hinaus als Symbolfigur für den Kirmeszug.

Rund 6.400 Rosen verteilte Udo Röhrig in seinen beinahe 16 Jahren. Eine Geste, die er selbst zur Tradition gemacht hat.

Von Haspe bis nach New York

Kilometer um Kilometer lief er sogar auf den Straßen in New York bei der deutsch-amerikanischen Steuben-Parade in Manhattan mit.

Lang gemacht hat sich der charismatische Kirmesbauer in all den Jahren trotz der langen Traditionsläufer nie. „Es hat sich fast ein wenig so angefühlt, als wären diese Schuhe und einfach all das wie für mich gemacht“, lacht er.

Im Zeichen der Zeit

Ob sich viel verändert hat über die Jahre? „Jede Jugend hat ihre Musik“, antwortet Udo Röhrig schon fast philosophisch, bevor er erklärt, dass besonders Facebook und die „Generation Smartphone“ auch das Leben des Kirmesbauers verändert haben. Kirmeszüge werden heute live übertragen, es werden Selfies gemacht statt Gruppenfotos, die den Moment nicht nur digital festhalten.

„Miteinander zu feiern ist eine Tradition, von der ich mir wünsche, dass sie weiterlebt!“, sagt er. In diesem Jahr werden 155 Jahre Hasper Kirmes gefeiert. Udo Röhrig hofft, dass die Kirmes mindestens noch einmal so lange existieren wird.

Er selbst wird sich nach seiner Amtsabgabe am 4. Juni den Kirmeszug so lang es geht von seinem „Rentner-Posten“ aus anschauen und selbstverständlich weiterhin teilnehmen.

Wünsche an den Neuen

Was er dem neuen, Michael Kröner, mit auf den Weg gibt?

„Der Kirmesbauer sollte immer auch ein Kirmesbauer zum Anfassen sein… Einer, der nah an den Menschen ist und sie mitreißt. Dem neuen Kirmesbauer wünsche ich daher, dass er genauso herzlich von den Haspern empfangen wird, wie ich es damals wurde, und dass er von ihnen genauso getragen wird, wie es mir fast 16 Jahre lang zuteil wurde.“