Überfallen und entlassen

Seit elf Jahren fährt der 52-jährige Detlev Kupiec Taxi. Am ersten Dezemberwochenende wurde er in seinem Auto überfallen. Obendrein wurde ihm gekündigt. Damit kann sich der Hasper absolut nicht abfinden. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Der 52-jährige Taxifahrer Detlev Kupiec hat momentan viel Freizeit – er ist bis Weihnachten krank geschrieben, obwohl er einen ganz gesunden Eindruck macht. Seine Krankschreibung bezieht sich mehr auf seinen  seelischen Zustand, denn der 52-Jährige wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag, 4. Dezember, in seinem Taxi überfallen und beraubt. Ein Ereignis, das nicht spurlos an einem Menschen vorüber geht.

Traumatisiert sei er und behandlungsbedürftig – das attestierten Arzt und Opferschutzorganisationen. Sein Arbeitgeber hingegen hat ihm gekündigt – und das erzürnt den Hasper, der seit elf Jahren als Chauffeur tätig ist, maßlos.

Rückblick

Nach der Schule erlernt Kupiec den Beruf des Industriekaufmannes bei der Varta. Dann werden seine Eltern schwer krank und der Sohn übernimmt nach eigenem Bekunden die Pflege. Erst mit 41 Jahren steht er dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung und beginnt Taxi zu fahren – möglichst nachts, weil das mehr einbringt.

Am 4. Dezember um 3.25 Uhr fährt Detlev Kupiec, der seit dem 1. Oktober für einen neuen Taxiunternehmer arbeitet, eine Gaststätte am Märkischen Ring an und lädt dort ein Pärchen ein. Der 21-jährige junge Mann und die 17-jährige Schülerin lassen sich zur Straße Am Waldesrand fahren. „Dort steigt das Mädchen aus“, berichtet der Taxifahrer. „Den jungen Mann musste ich dann nur ein Haus weiter kutschieren, was mir schon sehr merkwürdig vorkam. Er hätte durchaus mit dem Mädchen aussteigen können. Er lotste mich an eine dunkle Stelle und forderte unter Androhung von Gewalt mein Geld“, beschreibt Detlev Kupiec die schreckliche Situation. 320 Euro händigt er dem Gangster aus.

Unter Schock

Detlev Kupiec ist geschockt, drückt aber geistesgegenwärtig den Funkknopf, über den die Taxizentrale den Fahrer orten kann. Dann verfolgt er den Dieb. Er sieht noch, dass die Komplizin gewartet hat und dass die Beiden sich in Richtung Innenstadt bewegen. Letztlich verliert er die Verbrecher aber aus den Augen. Detlev Kupiec schlottern die Knie, er merkt erst jetzt, wie sehr ihn der Vorfall mitgenommen hat.

Die Zentrale hat inzwischen die Polizei informiert. Der Chef hingegen sei nicht erreichbar gewesen. Die Polizei untersucht das Taxi und rät dem Überfallenen, „sich erst einmal die Ruhe anzutun“. Am Montag darauf geht er zum Hausarzt, der ihn sofort bis zum Weihnachtsfest krank schreibt. Der Opferschutzbeauftragte der Polizei und der Weiße Ring kümmern sich anschließend um den Mann.

Ebenfalls am Montag, 6. Dezember, ist Kupiec in der Innenstadt unterwegs, als er plötzlich seine beiden Peiniger entdeckt. Sofort heftet er sich an die Fersen des kriminellen Paars und informiert über Handy die Polizei. Als die Beamten eintreffen, können sie das Gangster-Duo verhaften. Der 21-jährige Mann ist für die Polizei kein Unbekannter, die Schülerin wird den Eltern übergeben. „So ein Glück im Unglück hatte ich noch nie“, meint Detlev Kupiec, der froh ist, dass man das Pärchen so schnell geschnappt hat.

Wie ein Schlag

Und noch während er sich noch über sein schnelles Handeln freut, trifft ihn die Meldung seines Arbeitgebers wie ein Schlag. Ihm wird fristlos gekündigt, aus betrieblichen Gründen.

Der Überfallene ist fassungslos. Ihn erwartet ein trauriges Weihnachtsfest. Detlev Kupiec kann nicht glauben, wieder auf der Straße zu stehen. Und er klagt an: „Ich habe von meinem Arbeitgeber keine einzige Abrechnung bekommen und ebenfalls keine Entgeltbescheinigung, die ich dringend fürs Arbeitsamt brauchte, weil von dort mein geringes Gehalt aufgebessert wird. Vielen Kollegen geht es ähnlich, sie haben nur ein paar hundert Euro, fahren aber 70 oder 80 Stunden in der Woche.“

Jetzt hat der Überfallene auch noch erfahren, dass für ihn keine Sozialabgaben gezahlt wurden. Das sei ein Fall fürs Gericht, meint Detlev Kupiec, der umgehend einen Rechtsanwalt einschalten will.