Überleben mit 20 Euro und einem Gutschein

Anastasios Papadakis vergaß durch die Krankheit seiner Mutter bei der Arge einen Folgeantrag für seine Unterhaltsleistungen zu stellen. Nun musste er die letzten beiden Februar-Wochen mit 20 Euro und einem Lebensmittel-Gutschein überbrücken. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Alle Welt redet derzeit wieder über Hartz IV. Mehr denn je gilt hier der Grundsatz: „Fördern und fordern“. Was passieren kann, wenn ein Leistungsbezieher berechtigte Forderungen nicht ordnungsgemäß erfüllt, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Volmestadt. Durch einen folgenschweren Fehler ist der 45-jährige Anastasios Papadakis schwer gebeutelt: Im Kühlschrank herrscht gähnende Leere, die Stromrechung ist nicht bezahlt. Mit nur 20 Euro und Lebensmittelgutscheinen im Wert von 75 Euro sollte er im Februar über die Runden kommen. Der Verzweiflung nahe, sucht er dringend Hilfe.

Der Hartz IV-Empfänger Anastasios Papadakis, dessen restliche Familie längst nach Griechenland zurückgekehrt ist, flog am 27. Januar Hals über Kopf und mit geliehenem Geld nach Hellas, weil sich seine Mutter einer Herz-Operation unterziehen musste. 14 Tage wachte er an ihrem Bett auf der Intensivstation, bis es ihr besser ging. Am 10. Februar wieder daheim in Hagen, stellte der gelernte Gürtler (Metallbildner) fest, dass ihm die Arge im Februar kein Geld überwiesen hatte. Und das völlig zu recht, denn Papadakis hatte vergessen, dass er bis zum 31. Januar einen Folgeantrag bei der Arge hätte einreichen müssen.

Nun war die Not groß, denn unbezahlte Rechnungen drücken den 45-Jährigen mächtig. Der Alleinlebende, der nur noch einen Cousin an seiner Seite weiß, macht sich selbst große Vorwürfe, den Termin verpatzt zu haben. Bei der Arge flehte er um Gnade, Nachsicht und natürlich Geld, denn sein Anspruch belief sich durch die verspätete Antragstellung nur noch auf einen Teil des Regelsatzes und auf zwei Drittel der Mietzahlung. Er präsentierte sein Flugticket und erklärte die Situation, die zum verspäteten Antrag geführt hatte. Doch es war nichts zu machen. „Wir haben keinen Handlungsspielraum“, erklärt Torsten Opel, der Pressesprecher der Arge, „wir müssen so handeln.“

Gutschein

So kam es, dass Anastasios Papadakis am 18. Februar lediglich 20,23 Euro ausbezahlt bekam. Und aus Kulanz erhielt er noch einen Lebensmittelgutschein über 75 Euro.

Seit Juli 2010 Hartz-IV-Empfänger, blickt der gebürtige Grieche auf etwa 20 Arbeitsjahre zurück. Und das sei schließlich eine ziemlich lange Zeit, die er hier geschuftet habe, meint der Hohenlimburger. Er kann nicht fassen, dass er mit den „paar Kröten“ über die Runden kommen soll, habe er noch bei Freunden in Griechenland das deutsche Sozialsystem über Gebühr gelobt. „Die Arge soll doch helfen und uns nicht fertig machen“, ist Anastasios Papadakis vom Sinn dieser Institution überzeugt.

Nur ein Jahr

„In Griechenland bekommt man ein Jahr lang 400 Euro Unterstützung“, erläutert Papadakis, „danach gibt es gar nichts mehr. Wer dann keine Beziehungen hat, geht unter. Meiner Familie geht es nicht gut, weil sie keinen Freund haben, der ihnen einen Job besorgen kann“, berichtet der Hartz-IV-Empfänger. „Da geht es mir trotz allem noch deutlich besser“, weiß der Mann seine deutsche Heimat zu schätzen.

Um aus dem finanziellen Schlammassel heraus zu kommen, wünscht sich der 45-Jährige dringend wieder eine geregelte Arbeit. Bewerbungen sind schon geschrieben. Vielleicht wird dann alles endlich gut…