Um Haus und Most

Wolfgang Schirmer hat sich mit der Gründung der Theatergruppe vor fünf Jahren einen Herzenswunsch erfüllt.(Foto: Anja Schade)

Hohenlimburg. (AnS) Sie stehen gerne auf der Bühne, sind spielfreudig, humorvoll und die meisten Mitglieder der Theatergruppe Alter-nativ“ sind jenseits der 60. Ihr Name ist Programm: Wir wollen anders sein als andere“, erklären sie.

Mit der Gründung dieser Theatergruppe ist ein Herzenswunsch von Wolfgang Schirmer in Erfüllung gegangen. Schon in seinem Job als Hauptschullehrer leitete er eine Theater-AG, stand selbst in Iserlohn hobbymäßig auf der Bühne. An die Anfänge erinnert sich der mittlerweile 67-Jährige genau: Nach meiner Pensionierung habe ich einen Aufruf gestartet und bewusst Leute gesucht, die wie ich Lust am Theaterspiel und bereits das aktive Berufsleben hinter sich haben. Menschen, die auf der Couch sitzen, nichts tun oder nicht wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen“, erklärt der Hohenlimburger, gibt es viel zu viele.“

Zwölf Schauspielbegeisterte, acht Frauen und fünf Männer, fanden sich. Mittlerweile sind auch Jüngere dazugestoßen. Die Älteste ist 73 Jahre alt. Unser Küken, unser ehemaliger Karnevalsprinz Sebastian I., ist 27 Jahre jung,“ schmunzelt Wolfgang Schirmer und freut sich über die jugendliche Verstärkung, die den Altersdurchschnitt stark senkt. Denn Stücke zu finden, die nur für Seniorendarsteller geschrieben sind, ist äußerst schwierig. Zwei meiner ehemaligen Schüler sind Mitte 40, die müssen immer als Liebespaar herhalten.“

Lustige Kost

Wolfgang Schirmer sucht als Regisseur die Stücke aus, bearbeitet sie: Wir versuchen immer, ein bisschen Lokalkolorit auf die Bühne zu bringen.“ Ziel ist stets unseren Zuschauern zwei angenehme Stunden zu bereiten, in denen sie ihre Alltagssorgen vergessen können.“ Die lustig-leichte Kost findet bereits seit fünf Jahren ihr begeistertes Publikum. Wir können und wollen keine anspruchsvolle Literatur bieten. Wir gucken uns ganz bewusst Stücke basierend auf Wortwitz aus, in der Mimik und Gestik eher eine untergeordnete Rolle spielen. Schließlich sind wir Laienschauspieler.“ Der Professionalität tut das keinen Abbruch. Im Laufe der Zeit“, ist Wolfgang Schirmer stolz, “haben sich meine Darsteller ganz schön weiterentwickelt und an Selbstsicherheit gewonnen. Und der Erfolg gibt uns Recht.“

Der ehemalige Lehrer steht selbst nicht auf der Bühne. Ich würde mich sonst zu stark auf meine Rolle konzentrieren und die Geschehnisse um mich herum nicht mitbekommen“, lacht er. Er beobachtet lieber und leitet die Geschehnisse, Lampenfieber hat er trotzdem: „Immer!“

Familie eingespannt

Alter-nativ“ probt einmal in der Woche, am vergangenen Woche standen Überstunden an. In Stresssituationen merkt man dann, wie groß der Zusammenhalt der Truppe ist“, weiß Schirmer, dessen Gruppe sich auch privat außerhalb der Bühne gern trifft.

Kostüme kommen aus den eigenen Reihen, um die Requisite kümmert sich Ute Vieth, die ihre gesamte Familie einspannt. Die Tochter gestaltet die Flyer, der Sohn kümmert sich um die Technik, der Ehemann baut das Bühnenbild, viele Dekorationen kommen aus dem privaten Fundus – aus Keller und Kleiderschrank. In diesem Jahr findet man eine bayerische Bauernstube, ausgestattet mit Kachelofen, Kuhglocken und entsprechenden Wandbildern. Die Ansprüche steigen von Jahr zu Jahr, deshalb wurden mittlerweile eigene Kulissen gebaut, Scheinwerfer unterstützen die Darstellungen lichttechnisch.

Um Haus und Most

Ort des Geschehens ist der Petrus-Canisius-Saal im Hohenlimburger Pfarrer-Lang-Weg. Der Gemeindepfarrer hat uns den Raum zur Verfügung gestellt.“ Das Objekt bekam die Theatergruppe allerdings nur unter einer Bedingung, erinnert sich der Alter-nativ“-Leiter schmunzelnd. Der Pfarrer wollte selber auch mitspielen.“ Er durfte und ist ebenso mit Leidenschaft dabei wie der ehemalige Zahnarzt von Wolfgang Schirmer.

In diesem Jahr sollen mit dem Lustspiel von Walter G. Pfaus „Um Haus und Most“ erneut die Lachdrüsen strapaziert werden. Das Stück handelt von dem hoch verschuldeten „Brummer-Hof“. Doch Bauer Xaver (Jürgen Asmuth) will seinen Hof eigentlich nicht verkaufen. Aber seine Schwester Carola (Anneliese Westebbe) schmiedet einen Plan. Schließlich möchte sie ihr Erbteil sicher stellen und überzeugt auch die Bäuerin Anna (Marga Paweletz) und deren Tochter Regine (Ute Vieth), mit neuen Interessenten zu verhandeln. Vorstellungen finden am morgigen Sonntag, 27. März, um 16 Uhr, am kommenden Freitag, 1. April, um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 3. April, um 16 Uhr im Petrus-Canisius-Saal, Pfarrer-Lang-Weg in Hohenlimburg statt.

Karten sind erhältlich bei Lotto-Totto Schellhas, Grünrockstraße 7, telefonisch bei Elisabeth Harnau, Telefon 02334/ 1742 oder im Katholischen Pfarramt, Telefon 02334 / 2882. Ein Teil der Einnahmen kommt übrigens wie auch schon in den letzten Jahren einem sozial-lokalen Zweck zugute.

Stück Nummer sechs

Danach ist davor: „Die Luft ist nach den vielen Auftritten meist zunächst raus.“ Aber nicht lange, weiß der Hobby-Regisseur: Nach wenigen Wochen probefreier Zeit kribbelt es wieder bei Alter-nativ“ und dann sind wir heiß auf’s Theater“. Und das nächste Stück, das sechste in sechs Jahren, ist natürlich bereits in Planung…