Unermüdlicher Streiter für Frieden und Freiheit

Hagen. (ME) Hermann Landefeld war ein bedeutender Zeitzeuge, kannte die spätere RAF-Terroristin Ulrike Meinhof ebenso wie beispielsweise Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll. Ferner war er ein weithin bekannter Grafiker und unbeugsamer Kämpfer für den Frieden.

Dennoch war der im Jahr 2014 verstorbene Landefeld in seiner Heimatstadt Hagen lange nahezu ungewürdigt geblieben. Erst vor fünf Jahren – damals feierte er seinen 85. Geburtstag – wurde endlich ein kleines Büchlein über ihn geschrieben. Und einige Monate zuvor gab es eine Ausstellung im „Roten Haus“, Neumarktstraße.

Ab dem kommenden Samstag, 9. Juli 2016, erinnert Petra Holtmann an ihn. Die Verlegerin (Ardenkuverlag) zeigt in ihren Büroräumen, Eduard-Müller-Straße 2, unter der Überschrift „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ eine Werkschau zum 90. Geburtstag. Zur Eröffnung spricht um 18 Uhr der frühere Kulturdezernent Claus-Uwe Derichs.

Kalter Krieg

1958, im Kalten Krieg, näherte sich der Ost-West-Konflikt einem neuen Höhepunkt. In der Hauptstadt Bonn standen sich zwei Lager anfänglich schier unversöhnlich gegenüber – auf der einen Seite die Regierung unter Kanzler Konrad Adenauer (CDU) und Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß (CSU), auf der anderen die SPD und die Gewerkschaften. Während Adenauer und Strauß die atomare Aufrüstung der Bundeswehr anstrebten, setzten die Sozialdemokraten eher auf Diplomatie.

Der Riss, der durch den Bundestag ging, spaltete in ähnlicher Weise auch das deutsche Volk. Insbesondere zahlreiche Künstler engagierten sich gegen weitere Aufrüstungspläne, ihr Motto in jener Zeit: „Kampf dem Atomtod!“

Landefeld mittendrin

Für die seinerzeit stark beachtete politische Zeitschrift „Konkret“ hat Hermann Landefeld lange gearbeitet - dabei lernte er zum Beispiel Ulrike Meinhof kennen, die ab 1960 als Chefredakteurin amtierte. (Repro: Ardenku-Verlag)
Für die seinerzeit stark beachtete politische Zeitschrift „Konkret“ hat Hermann Landefeld lange gearbeitet – dabei lernte er zum Beispiel Ulrike Meinhof kennen, die ab 1960 als Chefredakteurin amtierte. (Repro: Ardenku-Verlag)

Mittendrin in der damaligen Künstler-Protestszene: ein junger Hagener, Hermann Landefeld, damals 32 Jahre alt. Ihn prägen schreckliche Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg und aus Gefangenenlagern. Nach dem Krieg war es vor allem die Zeichenkunst, die ihm half, das Erlebte zu verdrängen.

Der große Emil Schumacher nahm den jungen Mann bald unter seine Fittiche, vermittelte ihn 1950 nach Wuppertal, wo Hermann Landefeld bis 1954 die Werkkunstschule besuchte und wo ihn der ehedem renommierte Kunstlehrer Jupp Ernst unterrichtete. Nach der Ausbildung in den Fächern „freie und angewandte Malerei und Graphik“ betätigte er sich zunehmend – seit 1961 zusammen mit seiner Frau – als selbstständiger Werbegrafiker.

Politische Botschaften

Seine Grafiken und Holzschnitte sind stark von der konstruktivistischen Kunst der 1920er Jahre geprägt. Ferner schimmern in vielen Bildern Einflüsse der Pop Art durch.

Doch die stilistische Frage spielt eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt steht vielmehr das Bemühen, leicht verständliche, vornehmlich politische Botschaften zu präsentieren – womit er damals in den großen Museen und Ausstellungen kaum „landen“ konnte, weil hier fast ausschließlich die abstrakte Kunst ihre großen Erfolge feierte.

Auch die 1958 von diversen Künstlern zusammengestellte Wanderschau „Künstler gegen den Atomtod“ lässt sich kaum in Museen darbieten. Gewerkschaftshäuser und ähnliche Einrichtungen dienen stattdessen als Ausstellungsstätten.

Landefeld ist gleich mit mehreren Werken vertreten – so mit einem Linolschnitt, der den „Frommen mit einer Rakete“ zeigt, die Bildunterschrift lehnt sich an einen Matthäus-Vers aus der Bibel an: „Sehet euch vor – vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“

Von Wehner bis „Konkret“

Politiker – wie etwa der langjährige SPD-Vordenker Herbert Wehner – werden auf Landefeld aufmerksam, ebenso Zeitschriftenverleger. Beim damals berühmt-berüchtigten linken Polit-Magazin „Konkret“ gewinnt der Hagener 1958 den Graphik-Wettbewerb. Mit der Folge, dass er fortan (bis 1962) für diese Zeitschrift als freier Mitarbeiter tätig werden kann. Für Konkret arbeiteten auch zum Beispiel der Polit-Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger sowie später die nachmalige RAF-Terroristin Ulrike Meinhof.

Landefeld sagte zwar von sich selbst, „ich bin kein Missionar“, war aber immer ein überzeugter Streiter für Frieden und Freiheit. Dass er sich bis ins hohe Alter treu geblieben ist, sieht man auch seinen letzten Arbeiten an: Setzte er sich doch farbenfroh wie eh und je mit aktuellen Schauplätzen auseinander – so z.B. im Bild „Endlager“. Es entstand im Zusammenhang mit dem GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima.

Mehr über Landefeld können die Hagener am Samstag, 9. Juli, erfahren – wenn die Werkschau im Ardenkuverlag von Uwe Derichs eröffnet wird.