"Unsere Heimat soll die Klutert bleiben!"

Hagen. (ME) Um den Klutertberg zwischen Wehringhausen und der Hestert kreisen viele Geschichten. Etwa die, dass hier eine Höhle existiert, durch die man bis nach Milspe gelangt. Oder die, dass man hier Korallen finden kann. Oder auch die, dass der Sportplatz mitten auf dem Berg bald der Vergangenheit angehöre…

Wahr ist, dass es hier tatsächlich eine Höhle gibt – allerdings ist sie nur wenige Meter lang. Wahr ist auch die Korallen-Geschichte – aber es geht natürlich um versteinerte Korallen, rund 350 Millionen Jahre alt. Unwahr ist hingegen, dass die Stadt Hagen endgültig das Ende der Sportplatz-Ära eingeläutet hat.

Am Anfang war der Sparkommissar

Vor einigen Jahren sorgte in der Volmestadt ein „Mentor“ für Unruhe – ein Mann, der vom Regierungspräsidenten geschickt worden war und der in Hagen allerlei Einsparmöglichkeiten ausloten sollte. Zusammen mit seinem Team hat jener Mentor 2009 im seinerzeitigen „1. Sparpaket“ auch mehrere Sportplätze in Frage gestellt – entweder wegen eines zu hohen Reparaturaufwandes oder aufgrund der Idee, das Gelände zu Geld machen zu wollen, zum Beispiel für Häuslebauer. Dabei geriet auch die Klutert ins Visier von Mentor Stefan Bajohr.

Doch schon 2010 hat die Bezirksvertretung Haspe (BV) verdeutlicht, dass sich der Klutert-Sportplatz für eine Vermarktung gar nicht eigne. Doch seitdem geistert das Thema „Ende der Sportplatz-Ära auf der Klutert“ immer wieder durch Haspe und Wehringhausen. So noch in der letzten Sitzung der BV Haspe, als Sportamtsleiter Horst Wisniewski darauf verwies, dass dieses Sportgelände derzeit nicht grundsaniert werden kann. Weil kein Geld da ist.

Wir brauchen nicht viel Geld

„Wir brauchen gar keine teure Grundsanierung“, sagt hierzu Jorge Diaz. Der 44-Jährige ist seit zwei Jahren Vorsitzender der Fußballabteilung von Fortuna Hagen. Und Fortuna wiederum ist jener Verein, der seit „ewigen Zeiten“ seine sportliche Heimat auf der Klutert hat. Diaz ist ein waschechter „Fortuna-Junge“. Bereits als Steppke kickte er für die Fortunen auf der Klutert. Später dann war er auch für andere Vereine am Ball – doch seine eigentliche Heimat blieb stets die Klutert.

„Bei uns kann jeder kicken – ob, weiß, braun, schwarz oder bunt,“ sagt Jorge Diaz und unterstreicht damit den Multikulti-Charakter seines Clubs. Fortuna durfte sich schon früher seiner guten Jugendarbeit wegen rühmen – der legendäre Karl Gies war einst der Motor dieser Entwicklung. Gies, der 74-jährig am 2. Weihnachtstag 2011 verstarb, betreute eine Zeitlang sage und schreibe 24 Nachwuchsmannschaften. Das war damals einzigartig im heimischen Fußballkreis.

Ehrlicher Fußball auf der Klutert

Die meisten Ämter legte Gies 2006 nieder. Danach wurde es etwas stiller um die Fortuna. Heute wird die Jugendarbeit wieder ganz im Sinne von Karl Gies fortgesetzt, immerhin mit sieben Jugendteams, was keine schlechte Quote ist. Hinzu gesellen sich noch zwei Alte-Herren- und drei Senioren-Mannschaften. Mit zwölf Teams gehört man zu den größeren Vereinen in der Region – und dies, obwohl mit dem Klutert-Sportplatz kein „dolles“ Aushängeschild zur Verfügung steht. Schließlich verfügt man „nur“ über einen Ascheplatz. „Aber das reicht uns,“ sagt Jugendtrainer Sebastian Fresen. Das hält außerdem die Kosten niedrig.

„Was uns auszeichnet“, beschreibt Jorge Diaz den besonderen Charakter seines Vereins, „ist die familiäre Verbundenheit. Und das enorme ehrenamtliche Engagement.“ Auf der Klutert werde „ehrlicher Fußball“ geboten – mit viel Herz, aber wenig Geld. Hier stünden Breitensport, Spaß, niedrige Beiträge und eine gute Jugendförderung im Mittelpunkt – und nicht hohe Honorare. Wie sehr dies belohnt wird, zeigt der Zulauf der letzten Jahre – der sich unter anderem auch auf den Trainerstab auswirkt. Allein in den letzten Monaten konnten fünf Jugendbetreuer zu Lizenz-Trainern ausgebildet werden. Eine beachtliche Anzahl!

„Natürlich ist uns klar, dass einige Renovierungsarbeiten in naher Zukunft notwendig sind,“ sagt Fußball-Chef Jorge Diaz, „aber das wollen wir – natürlich in Absprache mit der Stadt – hauptsächlich in Eigeninitiative bewerkstelligen.“

Verankert in Wehringhausen

Die Fortuna – inzwischen stolze 105 Jahre alt – ist vornehmlich in Wehringhausen verankert. Die meisten Jugend-Kicker stammen aus diesem Stadtteil. „Unser Lebensmittelpunkt ist nicht der Hasper Hüttenplatz, sondern der Wilhelmsplatz,“ betont Diaz. Das Vereinsheim befindet sich neben dem Sportplatz auf der Klutert. Hier – vom Wilhelmsplatz aus fußläufig zu erreichen – spielen sich fast alle Aktivitäten ab. Sogar bei den jährlichen Osterfeuern sind 600 Besucher keine Seltenheit.

„Wenn der ein oder andere Politiker meint, die Fortuna sei ein Hasper Verein, so ist das falsch gedacht. Deshalb macht es auch keinen Sinn darüber nachzudenken, uns mit einem anderen Sportplatz – etwa in Westerbauer – beglücken zu wollen. Unsere Heimat ist die Klutert, hier fühlen wir uns wohl, hier findet unser Vereinsleben statt, hier kicken viele junge Leute mit großer Lust und Laune. Das ist gut so! Und so sollte es auch bleiben – das jedenfalls wünschen wir uns!“, so Jorge Diaz.