„Unsere Wirtschaft ist im Aufwärtstrend“

Hagen. (anna) Der ungebremste Ölpreisverfall, niedrige Zinsen und ein schwacher Euro kommen der heimischen Industrie zugute. Die starke Binnenkonjunktur sorgt für gute Umsätze bei den Dienstleistern und die zuletzt wieder gestiegene Konsumfreude der Verbraucher macht sich positiv im Handel bemerkbar.

„Die Unternehmen starten mit gedämpftem Optimismus ins Jahr“, fassten Dr. h. c. Hans-Peter Rapp-Frick (l.), Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, und Rudolf Wittig (r.), Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, die aktuelle SIHK-Konjunkturumfrage zusammen. (Foto: Anna Linne)
„Die Unternehmen starten mit gedämpftem Optimismus ins Jahr“, fassten Dr. h. c. Hans-Peter Rapp-Frick (l.), Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen, und Rudolf Wittig (r.), Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, die aktuelle SIHK-Konjunkturumfrage zusammen. (Foto: Anna Linne)

„Nach der konjunkturellen Herbstdelle des vergangenen Jahres hat sich das Geschäftsklima in der Wirtschaft zum Jahreswechsel 2016 deutlich erholt. Die Geschäfte gehen gut, die Auftragslage ist überwiegend stabil, der Jobmotor läuft weiter rund und die Erwartungen sind von Optimismus geprägt“, fasste SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) bei 201 Unternehmen mit fast 30.000 Beschäftigten zusammen.

„Branchenübergreifend schätzen immerhin 89 Prozent der Befragten ihre aktuelle Situation mit gut oder befriedigend ein und fast 83 Prozent rechnen mit besseren oder gleichbleibend guten Geschäften im weiteren Jahresverlauf. Aber die europäischen und weltweiten Krisen sowie die zunehmenden Probleme mit dem ungebremsten Flüchtlingsstrom werfen doch ihre Schatten auf die Gesamtstimmung“, so Rapp-Frick.

Seit dem Spätsommer 2015 stieg die Stimmung insbesondere in der Industrie, im Großhandel sowie bei den Autozulieferern und unternehmensbezogenen Dienstleistern, während Bau, Einzelhandel, Verkehr, Kreditgewerbe und sonstige Dienstleister bei den Erwartungen deutlich zurückhaltender sind. Sowohl die Geschäftslage, als auch die Erwartungen der Unternehmen haben sich laut Rapp-Frick erfreulicherweise verbessert. Mehr als jeder dritte Befragte bezeichnet seine Geschäftslage als gut, jeder Vierte rechnet mit einer weiteren Verbesserung in den kommenden zwölf Monaten.

Risiken und Zweifel bleiben

Die weltpolitischen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derzeit zwar unsicher bis ungünstig, sie können jedoch durch niedrige Rohstoffpreise und Energiekosten kompensiert werden, „wobei ein schwacher Euro zumindest kurzfristig nicht schadet“. Trotz der Turbulenzen der chinesischen Wirtschaft bleibt die Weltwirtschaft 2016 durch eine wieder erstarkte US-Wirtschaft und niedrige Ölpreise auf Wachstumskurs. Mit einem erfreulichen Wachstum von 1,7 Prozent im Jahr 2015 und einer Prognose von ein bis zwei Prozent für 2016/2017 schiebt Deutschland weiterhin Europas Konjunktur an, die auch in den mediterranen Ländern leichte Erholungstendenzen zeigt.

Allerdings lassen nach Auffassung des Kammer-Chefs die aktuell kaum überschaubare Situation in China, ein nur geringes Wachstum in Europa, die anhaltende Russland-Krise und die allgemeine weltpolitische Krisenlage wenig Spielraum für verlässliche Prognosen. Denn: „Sollten in den islamischen Krisenstaaten durchgreifende Verbesserungen eintreten, ist eine wesentlich positivere Entwicklung möglich, da in einigen Regionen starke Investitionsrückstände bestehen.“

Gravierende Unterschiede

Offensichtlich gibt es in der Industrie derzeit aber gravierende Unterschiede. Krisen, Sanktionen und Wechselkursveränderungen beeinflussen die Nachfrage in einigen Branchen und Unternehmen negativ.

Nach der Industriestatistik befinden sich im Jahresvergleich der Maschinenbau, die Metallerzeugung und die Kunststoffindustrie im Abwärtstrend. Die Hersteller von Metallerzeugnissen haben ihr Umsatzniveau behauptet. Hingegen sorgten der niedrige Eurokurs sowie günstige Energie- und Rohstoffpreise überwiegend für starken Rückenwind, welcher den Fahrzeugbau-Zulieferanten, der Elektroindustrie und – gestützt auf dem hohen Flüchtlingszustrom – der Verbrauchsgüterindustrie zu Umsatzzuwächsen verholfen hat. Insgesamt gibt sich die Industrie für 2016 weiter optimistisch.

Die aktuelle Lage bewerten 89 Prozent der Industriekapitäne als zufriedenstellend und gut. Auch die Erwartungen liegen erneut überwiegend im positiven Bereich; 25 Prozent rechnen mit einer weiteren Verbesserung der Lage, im Herbst 2015 waren es nur 15 Prozent.