Unternehmer sammeln Gaben

Diese beiden kuscheligen Gesellen freuen sich wie viele anderen Spielsachen auf liebe Besitzer, die sie unter den Heimkindern sicher finden werden. Gestiftet von 14 Hagener Freunden, können die 360 Geschenke am 22. Dezember von den Heimkindern und ihren Erziehern abgeholt werden. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Es traf sie wie ein Schlag, als die 70-jährige Annemarie M. erfuhr, dass Hagens Heimkinder in diesem Jahr keine Weihnachtsgeschenke aus dem Steuersäckel bekommen sollen. Bisher hatte die Stadt Hagen pro Kind 40 Euro springen lassen, damit unterm Tannenbaum keine Tränen kullern. Die alte Dame war entsetzt über diesen Sparansatz der Stadt, der mal wieder, wie sie meinte, die Falschen träfe. Annemarie M. sprach sofort mit ihren Sohn André über das – nach ihrer Auffassung – unsägliche Verhalten der Stadt. Und der Sohn hatte eine Idee…, aber dazu später mehr.

360 Hagener Kinder leben in unserer Stadt in Heimen und Pflegefamilien. In den meisten Fällen wurden sie von den Mitarbeitern des Fachbereichs Jugend und Soziales aus ihren Familien geholt, da dort Gewalt, Alkohol oder Drogen, Chaos und Vernachlässigung das Zusammenleben bestimmen.

Bislang bekam jedes dieser Kinder ein kleines Geschenk auf Staatskosten zu Weihnachten. Möglich machte das eine freiwillige Weihnachtsbeihilfe in Höhe von 40 Euro pro Kind. Die Betreuer in Heimen und Pflegefamilien bemühten sich mit dem geringen Etat, die Wünsche ihrer Schutzbefohlenen zu erfüllen. Schon Wochen vor Weihnachten hatten die Kinder immer ihre Träume liebevoll auf Wunschzettel notiert und um deren Erfüllung gehofft. In diesem Jahr sollen sie das erste Mal leer ausgehen.

„Die Heimunterbringung ist eine gesetzliche Pflichtleistung, die ,Weihnachtsbeihilfe’ eine freiwillige Leistung“, erklärt die Stadt Hagen. Und da sie sich in finanzieller Schieflage befände, dürfe sie die freiwillige Leistung nicht mehr übernehmen.

Geld gesammelt

Der Gedanke an die bevorstehende trostlose Weihnacht in Hagener Heimen ließ Unternehmer André M. nicht mehr los. „Wenn die Stadt so hart ist, müssen wir Bürger eben in die Bresche springen“, meint der Selbstständige, der anonym bleiben möchte. „Das ist eine Sache für uns Hagener Jungs, da müssen wir einfach helfen.“

Gesagt, getan: André M. begeisterte in kürzester Zeit insgesamt 14 Freunde und Geschäftspartner von seiner Idee, den Heimkindern ein Weihnachtsgeschenk zu ermöglichen. Schließlich kam ein vierstelliger Betrag zusammen, der von dem Spendeninitiator jetzt in 360 Geschenke umgesetzt werden soll. Bisher hat André M. schon über 70 Puppen und genauso viele Teddybären besorgen können. Folgen sollen noch mehr Puppen, Teddys, Fußbälle und andere typische Jungengeschenke. „Keiner soll an Heiligabend leer ausgehen“, wünscht sich André M. sehnlichst. Und er ist sicher, dass der von ihm gesammelte Betrag für alle Kinder ausreichen wird.

Geschenkübergabe am 22. Dezember

Puppen, Teddys, Fußbälle und alle anderen Geschenke werden von André M. am Mittwoch, 22. Dezember, am frühen Morgen in den Werksräumen seines Freundes Stefan Föglein von Autoglas Föglein in der Rembergstraße 70 aufgebaut und können an diesem Tag von Heimleitern, Erziehern und Kindern abgeholt werden. „Denn die Heimverantwortlichen wissen sicher ganz genau, wie viele und welche Geschenke sie für ihre Einrichtung brauchen“, ist sich André M. sicher.

„Über die Politik schimpfen kann jeder“, meint André M. , „sicherlich ist es besser, manche Sachen selbst in die Hand zu nehmen und für Abhilfe zu sorgen. Die Spender, die alle anonym bleiben wollen, haben jetzt die Gewissheit, dass zumindest ein paar Kinder zu Weihnachten glücklich sind. So können sie ihr eigenes Weihnachtsfest ganz anders genießen.“