Unterwegs zwischen den Leitplanken

werden die Fahrzeuge der Autobahnpolizei in blau-silber unterwegs sein. (Foto: Eileen Elsner)

von Eileen Elsner

Hagen. Leitplanke links, Leitplanke rechts. Rund um die Uhr im Einsatz, unterwegs auf dem grauen Band der Autobahn. Dabei ein Auge immer im Rückspiegel, denn die Gefahr kommt meist von hinten. Raser, die ihren Wagen kaum noch unter Kontrolle haben. Die Beamten der Autobahnpolizei Hagen kontrollieren mit ihren Streifenwagen über hundert Kilometer Fahrbahn.

Spätestens seit der beliebten Action-Serie „Alarm für Cobra 11“ muss die Autobahnpolizei mit vielen Klischees kämpfen, was ihren Arbeitsalltag betrifft. Wilde Verfolgungsjagden mit dem Polizeiporsche, ständig explodierende Lkw und Beamte, die rund um die Uhr im Einsatz sind, haben mit dem realen Polizeialltag nicht viel zu tun. Trotzdem ist das Leben eines Autobahnpolizisten alles andere als langweilig.

Vielfältige Aufgaben

Wolfgang Nolte ist Erster Polizeihauptkommissar (EPHK), verantwortlich für den Wachdienst Lüdenscheid sowie Wachleiter der Autobahnpolizeiwache Hagen, die sich in der Garenfelder Ruhrtalstraße befindet. 37 Mitarbeiter sind bei der zur Polizei Dortmund gehörenden Autobahnpolizeiwache Hagen im Außendienst tätig, zusätzlich zwei weitere Zivilangestellte im Innendienst. Eingeteilt wird das Ganze in drei Dienstgruppen: A, B und C.

Wolfgang Nolte ist bereits seit 1981 bei der Autobahnpolizei, kam also noch in den Genuss Polizeiporsche fahren zu dürfen und schätzt sein vielfältiges und abwechslungsreiches Aufgabengebiet sehr. Vor allem der Unterschied zu einer Wache in der Stadt mache sich bemerkbar. Das Verhältnis zum Bürger ist einfach ein anderes“, so Nolte, da sich die Verkehrsteilnehmer nicht auf der Autobahn zu Hause fühlen, also keinen Heimvorteil haben, ist oftmals eine zugänglichere und vernünftigere Kommunikation und Kooperation möglich.“

Weit gefächert sind die täglichen Einsätze: Da müssen Staus überwacht, Unfälle aufgenommen oder Verkehrsstörungen rasch beseitigt werden. Ausgemachte „Übeltäter“ werden verfolgt und sanktioniert.

Spezielle Ausrüstung

Um die Umsetzung all dieser Aufgaben garantieren zu können, verfügt die Autobahnpolizei über eine sehr spezielle Ausrüstung. In jedem Streifenwagen befindet sich verkehrspolizeiliches Gerät, kurz auch VP genannt“, erklärt Nolte im korrekten Amtsdeutsch. Verschiedene Absperr- und Warnmaterialen, eine Leichendecke sowie eine Schutzmaske, die beispielsweise bei Feuer eingesetzt wird, gehören dazu. Weiterhin verfügt der zurzeit noch in grün-weiß gehaltene Opel über ein abschließbares Fach für die Maschinenpistolen“, zählt Wolfgang Nolte auf.

Erster Polizeihauptkomissar Wolfgang Nolte vor einem noch in grün-weiß gehaltenen Streifenwagen. Schon bald Jeder Streifenwagen verfügt über eine spezielle Ausrüstung, im Fachjargon “verkehrspolizeiliches Gerät“ oder auch kurz “VP“ genannt. (Foto: Eileen Elsner)

Das Tragen einer kugelsicheren Weste ist für die Beamten Pflicht. Außerdem unverzichtbar: das Funkgerät. Über die Eingabe festgelegter Codes können die Beamten der Leitstelle ihren aktuellen Status mitteilen. So wird ersichtlich, ob die Polizisten sich gerade im Einsatz oder vielleicht sogar in einer Notsituation befinden, nicht abrufbar sind oder Unterstützung benötigen. Neben den typischen Streifenwagen verfügt die Autobahnpolizei auch über Zivilfahrzeuge. Eine Auswahl an verschiedenen Nummernschildern, teilweise aus anderen Städten, ermöglicht die gut getarnte Fahrt durch das „Revier Autobahn“. Der Verkehrssünder erkennt die Zivilpolizei somit zu spät – und zwar erst dann, wenn das Schild mit der roten Leuchtschrift „Polizei“ oder Bitte Folgen“ aus dem Rückspiegel oder an der Heckscheibe aufleuchtet.

Klischee: Verfolgungsjagd

Die temporeichen und oftmals stundenlang andauernden Verfolgungsjagden, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, sind eher selten im echten Leben. Denn auch für solche Situationen sind die Beamten gewappnet und gut ausgerüstet: Mit einer speziellen Stopp-Leiste ist es möglich einen Flüchtigen anzuhalten, egal ob dieser nun Pkw oder auch Lkw fährt. Es gibt dafür extra zwei verschiedene Ausführungen dieser Leisten“, erklärt der Wachleiter. Hat man die Richtung, in welche der Flüchtige unterwegs ist, abgesperrt, kann man einige der Leisten platzieren. Fährt der Flüchtige hinüber, werden die Reifen durch eine spezielle Art von Hülsen zerstört. Nach wenigen Metern wird den Reifen die Luft ausgehen.

Beruf: Polizist

Ein Polizist weiß nie, was ihn erwartet. Das schätzt auch Polizeihauptkommissar Martin Braune an seinem Beruf. Seit 1980 ist er bereits Polizist, seit 1990 ebenfalls bei der Autobahnpolizei. Nun ist er als Dienstgruppenleiter für den Personaleinsatz in einer der drei Dienstgruppen an der Autobahnwache Hagen verantwortlich. Mit dem Polizeiberuf ist Braune groß geworden – bereits sein Großvater und auch sein Vater waren beide Polizisten. Zur Autobahnpolizei ist er aber vor allem durch sein Interesse am Schwerverkehr gekommen. Selbstverständlich gibt es auch viele unschöne Einsätze, die unseren Alltag begleiten,“ so Braune. Es kann vorkommen, dass ein Selbstmörder die Autobahnbrücke nutzt, um auf diese Art seinem Leben ein Ende zu setzen. Außerdem gibt es Kriminalität nicht nur in der Stadt, sondern auch auf der Autobahn.“ Dennoch scheint der Beruf des Polizisten bei vielen jungen Menschen ganz oben auf der Liste der Traumberufe zu stehen. Das Ansehen der Polizei hat sich in den letzten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg erheblich verbessert. Wie in jedem Beruf findet auch bei uns die sogenannte Bestenauslese statt,“ erklärt Braune. Zur Ausbildung gehört mittlerweile ein sechs-semestriges Bachelor-Studium an einer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung. Sieben Hochschulstandorte gibt es in Nordrhein-Westfalen, einer davon ist Hagen. Körperliche und psychische Tauglichkeit sind eine Grundvoraussetzung. Gegen Ende des Studiums können sich die Kommissaranwärter schließlich für eine bestimmte Einheit bewerben. Eine Möglichkeit wäre dann die Autobahnpolizei.