Vaterrolle von heute: Seminar für Papas

Hagen/Iserlohn. Das ist neu: An der Fachhochschule Südwestfalen gab es jetzt erstmals einen Workshop für Väter. Oder für werdende Väter. Oder für Männer, die sich zumindest konkret damit beschäftigen, in näherer Zukunft werdender Vater zu werden. Und das Angebot wurde richtig gut angenommen. Referent Volker Baisch weiß auch, warum.

Der moderne Vater von heute ist am besten alles gleichzeitig. Er soll Geld nach Hause bringen, ein toller Partner sein und sich neben dem Haushalt jetzt auch noch vorbildlich um den Nachwuchs kümmern. Wenn er sich dann auch noch selbst verwirklicht, sportlich und politisch interessiert ist, dann kommt er den gesellschaftlichen Idealvorstellungen schon ziemlich nahe. Keine Frage, gerade als junger Vater kann man sich da schnell überfordert fühlen.

„Problematisch dabei ist, dass sich Männer in der Regel nicht so über ihre Vaterrolle austauschen und vernetzen, wie Mütter dies tun“, sagt Volker Baisch. Baisch, selbst zweifacher Vater und als Geschäftsführer der Väter gGmbH ein anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet, leitete jetzt einen Workshop für Väter und solche, die es werden wollen, an der Fachhochschule Südwestfalen. Die Initiative dazu kam vom Familienbüro der Hochschule, das damit einen ersten Impuls zum Austausch und zur Vernetzung setzen wollte.

Und das Angebot wurde gut angenommen. „13 Teilnehmer, damit sind wir sehr zufrieden. Das zeigt auch den Bedarf“, sagt Bettina Kretzschmar vom Familienbüro. Aber worüber reden 13 Männer in fast allen denkbaren Vater-, Bald-Vater oder Vielleicht-irgendwann-mal-Vater-Rollen? 13 Männer, die sich vorher vielleicht nur flüchtig oder gar nicht kannten und in völlig unterschiedlichen Bereichen an der Fachhochschule tätig sind. „Wichtig ist, dass sie überhaupt miteinander reden“, sagt Volker Baisch. Details aus den Gesprächen sind ihm nicht zu entlocken. „Das bleibt unter uns“. Er verrät nur, dass die Teilnehmer sich duzen.

Viel auskunftsfreudiger ist Volker Baisch, wenn man im Allgemeinen bleibt. In der Vaterrolle gebe es weder richtig noch falsch. Der richtige Zeitpunkt, die Rollenverteilung in der Erziehung, die Frage, wer wann wie lange wieder arbeiten geht, all das käme eben auf die individuellen Voraussetzungen an. „Und genau diese individuellen Voraussetzungen haben wir ganz konkret im Seminar besprochen“, sagt Volker Baisch.

Geänderte Vaterrolle

Ganz sicher ist sich Baisch, dass sich die Vaterrolle massiv geändert hat und sich weiter ändern wird. Und das gelte sowohl in Familie als auch im Beruf. „Männer haben mehr Lust, dicht an ihrem Kind zu sein und präsentieren sich auch öffentlich gern als Vater.“ Und die Väter der Fachhochschule Südwestfalen? „Die waren begeistert vom Workshop und nehmen viele neue Impulse mit“, ist Bettina Kretzschmar überzeugt.

Das Familienbüro plant für die Zukunft im Rahmen einer Väterkampagne weitere Informations- und Vernetzungsangebote für Väter, um auch Männer bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser zu unterstützen und mehr Partnerschaftlichkeit zu ermöglichen.