VdK leistet nach wie vor wichtige Arbeit

Der knapp 90-jährige Hasper Wilhelm Stricker (v.) ist ein VdK-Urgestein. Jetzt haben Ursula Wege (r.) und Ehemann Roland Wege (l.) die Führung des Sozialverbandes übernommen. (Foto: Anna Linne)

Hagen. (anna) Der fast 90-jährige Hasper Wilhelm Stricker ist ein echtes VdK-Urgestein. 27 Jahre lang war der gelernte Zimmermann Vorsitzender in Orts-, Kreis- und Landesverbänden des VdK („Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“), um sich heute noch als Ehrenvorsitzender feiern zu lassen. Im Zweiten Weltkrieg verlor er beide Beine. Wilhelm Stricker erfuhr daher am eigenen Leib, wie wichtig dieser Verband, für den er so lange tätig war, immer gewesen ist.

Jetzt, da es kaum noch Kriegsversehrte gibt, hat der Verein neue Aufgaben übernommen… – dazu später mehr.

Was ist der VdK?

Der „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands“ wurde kurz nach Kriegsende gegründet, seit 1994 trägt er offiziell den Namen Sozialverband VdK Deutschland. Bereits in den Jahren 1945 und 1946 haben sich die ersten Verbandsgliederungen gebildet. In Städten und Gemeinden gründeten sich Selbsthilfegruppen, die die Interessen von Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen gegenüber der Verwaltung vertraten. In Haspe wurde mit Erlaubnis der Besatzungsmächte am 15. März 1947 der VdK-Ortsverband Haspe-Wehringhausen gegründet. Im Jahre 1952 übernahm der gebürtig aus Hinterpommern stammende Wilhelm Stricker den Vorsitz des heute 500 Mitglieder zählenden Ortsvereins Haspe und führte ihn über lange Jahre.

„Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Bestrebungen, die Kriegsbeschädigten sowie die Kriegshinterbliebenen (Kriegerwitwen und Kriegerwaisen) zu unterstützen und eine Organisation aufzubauen, die ihre Interessen vertreten sollte,“ weiß Stricker. Ältere Menschen, die die Kriegsopferversorgung vom Ersten Weltkrieg kannten, wandten sich nun an die jüngere Generation, um ein neues Konzept zu erarbeiten, das den Opfern helfen sollte. „Der Zweite Weltkrieg hatte in allen Lebensbereichen ein bisher nicht vorstellbares Chaos hinterlassen, in dem sich die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen unter erschwerten Umständen zurecht zu finden hatten“, berichtet Stricker. „Zehntausende von Kriegsopfern sahen als Einzelperson keine Möglichkeit, ihre Ansprüche auf Versorgung mit Nachdruck zu vertreten. Immer waren es ehrenamtliche Helfer, die den VdK nach vorne brachten.“

Schreckliche Weihnachten

Stricker selbst hat Unglaubliches erlebt – hauptsächlich zu Weihnachten. Die ersten schrecklichen Weihnachtstage verbrachte er 1941 in Leningrad. Dort musste er bei minus 54 Grad und 1,80 Meter hohem Schnee überleben. Als er Weihnachten 1942 dem Kessel von Stalingrad entkam, verlor er beide Beine unter entsetzlichen Schmerzen. Ein Jahr darauf setzte man ihn Weihnachten beinlos, also ohne Prothesen, in Königsberg einfach ab. Eine Erinnerung, die ihn heute noch quält. In Hagen heiratete Stricker 1951 und zeugte drei Söhne. Fünf Enkelsöhne und ein Urenkel sind das vorläufige „Ergebnis der Familienplanung“ des heute fast 90-Jährigen.

VdK heute

Mit der neuen 1. VdK-Vorsitzenden Ursula Wege (60) und ihrem Mann, VdK-Schriftführer Lothar Wege (79), verbinden Wilhelm Stricker freundschaftliche Kontakte. „Mit gut 500 Mitgliedern ist der Ortsverband Haspe-Wehringhausen einer der größeren Verbände in unserem Kreisverband“, erklärt Ursula Wege, die seit 2003 dem VdK angehört und sich für ihre Amtszeit viel vorgenommen hat. Sie will vor allem das Vereinsleben rege und interessant gestalten.

„Trotz der großen Mitgliederzahl ist es sehr schwierig, neue Mitglieder für die ehrenamtliche Arbeit im Ortsverband zu gewinnen. Viele gute Ideen für die Mitgliederbetreuung bleiben daher bloß angedacht, weil Helfer fehlen, um alles in die Tat umzusetzen.“ Ursula Wege und die Mitglieder ihres Vorstandes freuen sich daher über jeden, der mitarbeiten möchte.

Doch was genau macht der VdK heute? „Wir helfen Behinderten und Kranken bei der Umsetzung ihrer Rechte“, erklärt Ursula Wege. „Wir bieten bei Mitgliedschaft kostenlose Rechtsberatung durch kompetente Anwälte zur Durchsetzung der Interessen bei Schwerstbehinderung oder Arbeitsunfähigkeit oder Rentenangelegenheiten. Dabei begleiten unsere Rechtsanwälte die Mitglieder bis vors Sozialgericht. Hier ist der VdK sehr erfolgreich.“

Beratung

Die Rechtsberatung findet im Verwaltungsgebäude der Stadt Hagen, Berliner Platz 22 (neben dem Hauptbahnhof), Eingang „Technische Verwaltung“, Raum A 002 (Erdgeschoss) jeden Montag von 14 bis 16.30 Uhr statt. Jeden Donnerstag zwischen 14 und 15 Uhr werden Betroffene durch ehrenamtliche Helfer betreut.

Ursula Wege ist jetzt für die Mitgliederbetreuung zuständig. Meist sind es Senioren, für die sie sorgen muss, denn junge Menschen bleiben nach erfolgreicher Hilfe dem Verein wieder fern. Sie organisiert Freizeiten, Fahrten, Vorträge und gemütliche Kaffeetrinken. Telefonisch ist Ursula Wege unter 02331 / 403-875 erreichbar.