Veranstaltungsmarathon: 80 Jahre Pogromnacht

(v.l.) Lola Lecoutour (Ausstellungs-Kuratorin), Dietmar Schneider und Slavica Stoltenhoff (beide „Kooperative K“), Hagay Feldheim (Jüdische Kultusgemeinde) und Dr. Günter Müller (Historiker und Autor) geben die letzten Details bekannt zum Veranstaltungsmarathon anlässlich „80 Jahre Pogromnacht“ in Hagen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Hagen. (ce) Ob die wuchtigen blauen Metallcontainer, ein gelbes Klavier auf Rädern, Banner oder Lichtinstallationen: An diesen Punkten des Erinnerns in der Hagener Innenstadt kommt in den nächsten Tagen garantiert niemand gedankenlos vorbei.
Zum 80. Mal jährt sich am Freitag, 9. November die Pogromnacht, in der 1938 in ganz Deutschland die Synagogen in Flammen aufgingen. Sie war der vorläufige Höhepunkt einer sich seit 1933 ständig steigernden Diskriminierung und Entrechtung der heimischen Juden durch deutsche Bürger.

Gewalttaten

Auch in Hagen wurden Gewalttaten gegen jüdischen Menschen und Einrichtungen verübt. So wurde in dieser „Reichspogromnacht“ der Hagener Metzger und Gastwirt Simon Cohn misshandelt und starb an seinen schweren Verletzungen. Die Wohnung und Geschäftsräume der Cohns, Am Hohen Graben 2, wurden verwüstet, das Klavier aus dem Fenster in die Volme geworfen.
Der Gedenktag in Hagen findet in diesem Jahr ein neues, niederschwelliges, die ganze Stadt berührendes, unübersehbares Format. Den Auftakt bildet die zentrale Gedenkveranstaltung am Freitag, 9. November, um 10.30 Uhr an der Synagoge. Um 16 Uhr soll hier mit Chormusik und Gebet der Sabbat eingeläutet werden.

Vier Exkursionen ins jüdische Leben

Vier Exkursionen durch das alltägliche jüdische Leben in Hagen vor den Repressalien durch die Nationalsozialisten und vor dem alles verändernden Krieg hat Dr. Günter Müller erarbeitet und Flyer dazu erstellt. Sie fußen auf seinem Buch „Emanzipation, Integration, Identität. Die jüdische Gemeinschaft in Hagen im 19. und 20. Jahrhundert“, das vor einem halben Jahr im Klartext-Verlag erschienen ist. Drei Themenspaziergänge leitet der Autor unterstützt durch Eva Feldheim von der jüdischen Kultursgemeinde Hagen im November anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht 1938 selbst. „Rund um die Synagoge“ geht es am Montag, 12. November, ab 15 Uhr. „Auf der Hagener Einkaufsmeile“ entlang der Mittelstraße und Elberfelder Straße spazieren die Teilnehmer am Dienstag, 13. November, um 15 Uhr. Treffpunkt ist jeweils die Synagoge in der Potthofstraße.
Am Mittwoch, 14. November, ab 14 Uhr bietet Dr. Günter Müller eine Führung über den jüdischen Friedhof in Eilpe an der Hohlestraße an (Buslinie 516 und 519). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Es entstehen keine Kosten. Der vierte Themenrundgang entlang der Frankfurter Straße und der Hochstraße kann mithilfe des Flyers „Exkursion 2“ individuell unternommen werden. Die Führungen sollen im Frühjahr wiederholt werden.
Jugendtheaterstück

„Weichen stellen“

„Weichen stellen“ heißt ein Theaterstück, das im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum Gedenken an die Pogromnacht am Donnerstag, 15. November, um 18.30 Uhr und am Sonntag, 18. November, um 16.30 Uhr in der Synagoge an der Potthofstraße aufgeführt wird.
Es wurde entwickelt von Jugendlichen im Projektclub des Theaters Hagen unter der Leitung der Theaterpädagogin Miriam Walter. Das Stück handelt vom Schicksal jüdischer Kinder und Jugendlicher, die im Jahr 1939 nur durch den mutigen, beherzten Einsatz von Helfern in Deutschland und England vor der Verfolgung durch die Nazis gerettet werden konnten.
Innerhalb von 24 Stunden mussten sie reisefertig sein und sich verabschieden von ihrem alten Leben und ihrer Familie, um auf der britischen Insel einer ungewissen Zukunft entgegen zu gehen. Der Eintritt ist frei. Um Platzreservierung wird aber gebeten per E-Mail an miriam.walter@stadt-hagen.de.

Miterleben & Mitschaffen

Eine „Kunstinitiative zum (Ge)denken“ hat die Kooperative K unter dem Titel „Das Klavier in der Volme“ für die Tage vom 9. bis zum 17. November erarbeitet. Kooperationspartner sind die jüdische Gemeinde Hagen, der Jugendring Hagen, das Theater Hagen, Rahel-Varnhagen-Kolleg, der Geschichtsverein Hagen, das Kulturzentrum Pelmke und die Stadtkanzlei der Stadt Hagen.
Unter www.Das-Klavier-in-der-Volme.com finden sich alle Termine und Daten des riesigen Gedenk-Projektes mit zahlreichen Aktionen, Events, Happenings, Installationen und Künstler-Auftritten. Ein gelb gestrichenes Klavier im Gedenken an das der Familie Cohn etwa wird an unterschiedlichen Standorten im Stadtgebiet zum Einsatz kommen und darf bespielt werden.
Der Info-Point an der Synagoge als zentrale Anlaufstelle und Informationsquelle öffnet täglich von 16 bis 22 Uhr.
Kreuz und quer verteilt in der Hagener Innenstadt stehen schon jetzt schon große blaue Metall-Container. In ihnen werden unter dem Titel „Verfrachtet in die Vergangenheit“ Geschichten und Schicksale jüdischer Frauen, Männer, Kinder und Familien aus Hagen erfahrbar. Video- und Audio-Dokumentationen und Zeitzeugenberichte sorgen für ein unmittelbares Erleben.