Vereinbarkeit von Pflege und Beruf im EN-Kreis

EN-Kreis. (Red.) 2012 startete im Ennepe-Ruhr-Kreis die Kampagne „arbeiten-pflegen-leben“. Das Ziel: Unternehmen der Region zu gewinnen, die ihre Beschäftigten bei einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Pflege engagiert unterstützen.

Die Kampagne war eine der ersten Initiativen in NRW, die das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Pflege aufgegriffen und Unternehmen wie Beschäftigte in der Region gezielt angesprochen hat.
Die Idee entstand unter anderem auch auf Initiative von Betroffenen selbst: berufstätige Eltern, die zugleich pflegende „Kinder“ ihrer alten Eltern waren und deren Probleme kaum Gehör fanden.
Mehrfachbelastung
Wenn ein Familienmitglied krank bzw. pflegebedürftig wird, steht für die Familie die Versorgung an erster Stelle. Die Gründe dafür sind verständlich: ein Gefühl der Verpflichtung, eine erwartete Selbstverständlichkeit oder auch der Wunsch des Angehörigen, in vertrauter Umgebung bleiben zu können.
Ist die pflegende Person zusätzlich noch berufstätig, verdoppelt sich die Verantwortung und die Belastung. Diese Mehrfachbelastung bedeutet für pflegende Angehörige oft finanzielle, gesundheitliche und psychische Probleme.
Netzwerke helfen
Entlastung für die Betroffenen können hier vor allem familiäre und private Netze bringen. Wo sie nicht existieren – zum Beispiel bei allein stehenden Pflegenden – ist der Alltag oft sehr stark belastet. Sie müssen nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse einschränken, sondern auch ihre sozialen Kontakte. Umso wichtiger ist es für die Betroffenen, am Arbeitsplatz Verständnis und Wertschätzung ihres häuslichen Engagements zu erfahren.
Die meisten berufstätigen Pflegenden legen sehr viel Wert darauf, weiterhin einer anspruchsvollen beruflichen Aufgabe nachzugehen, auch als Ausgleich zur Pflege.
„Lösungen zu finden kann nicht allein Aufgabe der Unternehmen sein oder indivi­duell den einzelnen Betroffenen überlassen werden. Mit der Kampagne wollten wir deutlich machen: Vereinbarkeit von
Beruf und Pflege ist keine reine private Angelegenheit“, beschreibt Christa Beermann, Demografiebeauftragte des Ennepe-Ruhr-Kreises, das Anliegen der Kampagne.
Anders als die zunehmend thematisierte Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf ist das Thema Pflege in den Unternehmen noch keineswegs selbstverständlich. Aber bei den konkreten betrieblichen Lösungen gibt es eine Reihe von Überschneidungen, etwa flexible Arbeitszeiten oder Telearbeit. Vereinbarungsfreundliche Arbeitsorganisation muss also nicht neu erfunden werden.
Ausgezeichnet
Fast 30 Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen wie Industrie, Verwaltung, Bildung, Pflege, medizinische Versorgung, Wohnungsbau, Finanzen und Energie beteiligen sich mittlerweile.
Die Kampagne gewann 2015 als „Modell und Vorbild für die ganze Region“ den ersten Preis im Ideenwettbewerb „Demografischer Wandel als Fortschrittsmotor“, wurde als „gute Idee“ durch ­familie-in-nrw.de ausgezeichnet und im Rahmen der Landesinitiative „Netzwerk W(iedereinstieg)“ gefördert. Praxisnahe Informationsmaterialien stehen auf www.­arbeiten-pflegen-leben.de zum Herunterladen bereit.
Kontakt
Für weitere Infos steht ­Christa Beermann unter Tel. 02336 / 932223 und E-Mail C.Beermann@­­­­en-kreis.de zur Verfügung.