Verschüttete Kunst

1942 fand der Eppenhauser Rudolf Schulte diesen einen Meter großen Männerkopf am Hexenteich. Er ist sich ziemlich sicher, dass er von Milly Steger stammt. In den 50er Jahren wurde der Hexenteich mit Müll verfüllt. (Foto: privat)

Hagen. (anna) Der 78-jährige Rudolf Schulte aus Hanroth in Rheinland-Pfalz ist als gebürtiger Eppenhauser ein Kenner der Umgebung von Hohenhof und Stirnband. Das war der Wirkungsbereich von Karl-Ernst Osthaus und der Bildhauerin Milly Steger – und genau dort wuchs Rudolf Schulte auf. „Als Piefke schon habe ich am Garten von Milly Steger gespielt“; erinnert sich Schulte. 1943 haben wir Kinder eine Steinplastik im Wald nahe dem Hexenteich gefunden und bewundert. Es war ein Männerkopf, der etwa einen Meter hoch und aus Kalkfelsen gemeißelt war. Die Position im Wald war relativ unzugänglich, so dass nur wenige Leute dieses Kunstwerk jemals gesehen haben dürften. Ich vermutete, dass der Kopf von der Bildhauerin Milly Steger stammt, da ihr Wohnsitz am Stirnband nur einige hundert Meter entfernt von der Fundstelle lag. Die Entstehungszeit des Kopfes müsste zwischen 1910 und 1918 liegen, da Milly Steger genau in dieser Zeit am Stirnband wohnte“, weiß Schulte.

„1950 wurde der Hexenteich, ein ehemaliger Kalksteinbruch mit der nahebei stehenden Steinbüste als Müllhalde zweckentfremdet und langsam verschüttet. Es wurde aber vorher noch ein Foto des Kopfes gemacht“, weiß der 78-Jährige. „Diese alte, längst vergessene Foto hat Schulte nun wiedergefunden und dem wochenkurier zur Verfügung gestellt. „Ob es sich lohnt, den Kopf wieder auszubuddeln, weiß ich nicht“, erklärt Rudolf Schulte, der den Standort der einen Meter großen Statur noch gut im Kopf hat. „Die Kosten sind sicher hoch.“

Rudolf Schulte wurde in Eppenhausen groß, bevor er 1968 Hagen aus beruflichen Gründen verließ. Jetzt fand er das Foto eines Kopfes wieder, den er gern der Bildhauerin Milly Steger zuordnen würde. (Foto: privat)

Erinnerungen an die Kindheit

Rudolf Schulte hat Hagen nach dem Ingenieurstudium und der Anstellung als Betriebsleiter bei Hoesch in Hohenlimburg 1968 verlassen, um als Aluminium-Spezialist in der Schweiz und später auch in den USA zu arbeiten. Heute lebt der 78-Jährige als Rentner im Westerwald. Ab und an besucht er seine Heimatstadt noch, aber leider nur den Rembergfriedhof, andere Ziele hat Rudolf Schulte hier nicht mehr. Als ihm das Foto des Kopfes wieder vor Augen kam, tauchten auch die Erinnerungen seiner Kindheit wieder in ihm auf.

Rudolf Schulte vermutet, dass der Steinkopf wirklich von der Hagener Bildhauerin Milly Steger stammen könnte. Die Bildhauerin wurde von dem Kunstmäzen Karl-Ernst Osthaus nach Hagen geholt und bewohnte dort eine Villa am Stirnband nahe dem Hohenhof (3. Haus links von der Haßleyer Straße aus gesehen). Vorn rechts an ihrer Villa hatte sie eine übergroße Frauenstatue als Karyatide (Gebälk-oder Lastenträgerin) geschaffen.

Figur mit individuellen Gesichtszügen

Ihr Wohnhaus lag nur einige hundert Meter vom Hohenhof und dem Hexenteich entfernt. Die Skulptur am Hexenteich hat individuelle Gesichtszüge und wurde offensichtlich einem lebenden Menschen nachgebildet. Der Hexenteich am Donnerkuhler Weg war ein alter, mit Wasser gefüllter Kalksteinbruch. Es war ein 50 Meter tiefes Loch, etwa 30 Meter im Durchmesser und hatte allseits steil abfallende Wände. Dieser alte Steinbruch wurde ab 1950 als Müllkippe der Stadt Hagen benutzt und zugeschüttet, mit ihm auch der unmittelbar daneben stehende Steinkopf.

„Als das Foto entstand, wurde schon Müll abgeladen und der Kopf war bereits mit alter Farbe beschmiert worden“, erinnert sich Schulte. „Auch die lange Liegezeit und die Vegetation hatten ihm arg zugesetzt. Die Position, neben dem Weg in etwa fünf Meter Tiefe, könnte ich auch heute noch ziemlich genau bestimmen“, ist sich Rudolf Schulte sicher. Schulte ist unter Email: schuhan33@t-online.de erreichbar.