Versöhnlicher Saisonabschluss trotz Playoff-Aus

Große Begeisterung für eine überragende Saison – Eine Stadt. Ein Team. Eine Liebe“ hat sich hier bewahrheitet. (Foto: Jörg Laube)

Hagen. Als der letzte Vorhang fiel, gab es donnernden Applaus. Phoenix Hagen ist nach einem 75:92 (37:54) gegen die Brose Baskets aus Bamberg im Viertelfinale der Beko-BBL-Playoffs ausgeschieden. Mit 3:1 gewannen die Bamberger die Serie und treffen im Halbfinale nun auf den FC Bayern München. Die 3.145 Zuschauer in der ausverkauften Enervie-Arena aber dankten ihrem Team dennoch mit großer Begeisterung für eine überragende Saison.

Ein nicht enden wollender Applaus auf den Rängen für diese tolle Mannschaft, das gab es nicht nur in diesem letzten Playoff-Spiel für die Feuervögel. (Foto: Jörg Laube)

Klare Verhältnisse

Zugegeben: Es blieb an diesem Abend auch genug Zeit, um sich auf den Abschied vorzubereiten. Denn bereits im ersten Viertel sorgte der Titelverteidiger aus Oberfranken für klare Verhältnisse und setzte sich auf 34:11 ab. Die Bamberger spielten ihre ganze Routine aus und konnten mit den nervenaufreibenden Ereignissen der Serie deutlich besser umgehen als die Feuervögel. Sie ließen den Ball schnell zirkulieren, nutzten geschickt ihre Größenvorteile aus und konnten erstmals auch die Fastbreaks und das schnelle Spiel der Hagener unterbinden. Phoenix hatte hingegen viel mit sich selbst zu tun. Reihenweise leichte Fehler nahmen der Mannschaft von Ingo Freyer jeden Rhythmus. Ballgewinne wurden umgehend zu Ballverlusten. Und auch bei den Rebounds und bei den so wichtigen freien Bällen wirkten die Bamberger gedankenschneller.

Mit der Bürde des großen Rückstands kämpften die Hagener ab dem zweiten Viertel tapfer um den Anschluss. Über Freiwürfe kamen die Gastgeber jetzt auch offensiv besser zur Geltung. Immer wieder attackierte Phoenix den Korb – auch, weil die Bamberger die Dreierlinie gut verteidigten. Die Feuervögel hatten die Nervosität abgeschüttelt, kamen nun zu den erhofften Ballgewinnen und verkürzten durch einen Sprungwurf von Dino Gregory bis auf 29:40 (15.). Doch Bamberg blieb cool, punktete immer zum richtigen Zeitpunkt und unterband jeden echten Run der Hagener frühzeitig. Das lag auch daran, dass Phoenix sich jeden Punkt ausgesprochen hart erarbeiten musste, so wie Ole Wendt bei seinem Korbleger zum 35:46 (18.).

Ford herausragend

Bamberg hatte mehr Würfe, dominierte den Rebound und hatte in Sharrod Ford (19 Punkte zur Halbzeit) den herausragenden Spieler auf seiner Seite. Beim Stande von 37:54 wurden die Seiten gewechselt. Bamberg blieb auch nach dem Wechsel souverän. Nach David Bells Korbleger zum 47:62 (24.) hätten die Gastgeber durchaus weiter verkürzen können. Doch während die Baskets weiter strikt ihren Plan einhielten und ihren Stiefel herunterspielten, wurden die Hagener Krieger langsam müde. Ohne den gesperrten Mark Dorris mussten Ole Wendt, David Bell und Davin White Schwerstarbeit verrichten – und pumpten mit zunehmender Spielzeit am Ende einer langen Saison schwer. Es blieben dennoch einige Highlights, so wie der spektakuläre Block von Fabian Bleck gegen Sharrod Ford.

Die Viertel zwei bis vier gestaltete Phoenix Hagen ausgeglichen und gewann diese unter dem Strich sogar mit sechs Punkten. Aber die Hypothek des ersten Viertels war einfach zu groß. Und so war der Krampf, unter dem Davin White nach seinem Korbleger zum 64:80 litt, an diesem Abend symbolträchtig: Phoenix hatte in dieser Saison, in dieser Serie, in diesem Spiel alles, aber auch wirklich alles gegeben. Soweit die Füße trugen, kämpften sich die Hagener bis ins vierte Spiel des Viertelfinales, ärgerten den Meister gewaltig – und mussten am Ende doch dessen Überlegenheit anerkennen.

Die enthusiastischen Hagener Fans hatten ein feines Gespür für die Situation. Sie feierten ihre Mannschaft über das ganze letzte Viertel und lange nach Spielschluss. Und so war viel mehr Stolz, ja vielleicht auch ein wenig Erleichterung, als Enttäuschung zu spüren. Danke, Jungs – für eine unglaublich intensive, geile Saison! Phoenix Hagen wird heute anders wahrgenommen, als noch vor gut sieben Monaten. Damals, als alles begann, und zwar mit einer Heimniederlage gegen Gießen…

Trainerstimmen

Ingo Freyer: „Es ist schade, dass das Spiel so angefangen hat. Wir waren sehr motiviert, aber hatten gleich viele leichte Fehler und Ballverluste. Es ist schwer, einem so hohen Rückstand aus dem ersten Viertel immer hinterherzulaufen. Der Rest war dann ausgeglichen, aber das hat eben nicht ausgereicht. Über die ganze Serie gesehen, bin ich sehr zufrieden. Wir haben immer an uns geglaubt, und das gegen einen dreifachen Champion. Dass wir das zweite Heimspiel erreicht haben, war toll für die ganze Stadt.“

Chris Fleming: „Glückwunsch an Hagen für eine herausragende Saison. Sie waren das große Überraschungsteam. Hier herrschte eine unglaubliche Playoff-Stimmung. Wir haben in Spiel zwei den Moment verpasst, um in die Partie zu kommen. Dadurch sind wir in der Serie in Probleme geraten. Hagen hat immer an sich geglaubt, das war stark. Der Unterschied heute war unser besseres Guard-Play und dass wir es geschafft haben, erstmals in der Serie ein Defensivspiel zu erreichen. Ich bin stolz auf meine Jungs. Jetzt freuen wir uns aufs Halbfinale.“

Einen versöhnlichen Saisonabschluss nach den Turbulenzen in Bamberg und ein dickes Kompliment Richtung Hagen gab es auch noch von der Beko BBL direkt. Dirk Kaiser (Leitung Kommunikation und Medien) gegenüber dem wochenkurier: „Phoenix hat eine phantastische Saison gespielt. Darauf können der Klub, aber auch die Fans richtig stolz sein“. Und das ist Hagen auch!