„Vertriebener“ Haubentaucher

Hagen. (anna, 12.05.10) Der Haubentaucher – Vogel des Jahres 2001 – ist der Charaktervogel des Hengsteysees. Spaziergänger und Freizeitsportler bewundern ab dem Spätwinter sein auffälliges Balzspiel, welches aus Kopfschütteln, Scheinputzen, Pinguintanz, Pflanzenpräsentation oder Katzenstellung mit ausgebreiteten Flügeln besteht.

Ab Mai legt das Weibchen meist vier weißliche Eier in ein Nest aus Wasserpflanzen. Am Hengsteysee bevorzugen die Vögel Teichrosenblätter, um sich ein schönes Bett zu bauen. Nach vier Wochen Brutzeit werden die Jungen in den Flügeltaschen oder auf dem Rücken der Altvögel getragen und 10 Wochen lang noch gefüttert.

Die Existenz des Haubentauchers hängt wesentlich von einem ungestörten Lebensraum ab. Leider wurde die Brut in den letzten Jahren oft von Wassersportlern gestört, auch die Teichrosenfelder sind nach dem Ausbaggern des Sees vor einigen Jahren nicht mehr so vorhanden wie in früheren Jahren. Dazu kommt, dass die schwimmenden Nester durch den stark schwankenden Wasserstand des Sees infolge der Stromgewinnung oft durchbrechen, die Bruterfolge bleiben aus.

Um das Überleben dieses schönen Vogels zu sichern, wurden bereits in den 70er Jahren durch Anton Schücking und H.-J. Thiel vom Verein für Vogelschutz Hagen-Herdecke künstliche Schwimminseln angelegt. Dies war für NRW einmalig. Zuletzt wurden die Nistinseln von einer Gruppe von Schülern des Theodor-Heuss-Gymnasiums 2001 unter der Leitung von Dr. Meinolf Henning vom Nabu erneuert.

Aber Wasser und Wellengang sorgen dafür, dass die Inseln nicht ewig halten, sondern nach acht bis zehn Jahren erneuert werden müssen. Hierbei wurde im letzten Jahr auch eine neue Bauweise der Inseln mit Auftriebskörpern gewählt. Dank der Beteiligung von Nabu, Biologischer Station, der Unteren Landschaftsbehörde und dem Ruhrverband war es möglich, diese Arbeit zu bewerkstelligen.

Doch trotz menschlicher Hilfe schauten die Haubentaucher am Hengsteysee im letzten Jahr in die Röhre. Die Umweltschützer hatten nicht bedacht, dass die Brutzeit der schwarzen Blässrallen viel früher beginnt als die der Haubenbtaucher. Die kleineren, aber wesentlich aggressiveren Vögel belegten alle Schwimminseln, die im letzten Jahr zu Wasser gelassen wurden, so dass der Haubentaucher wieder auf instabile Seerosenfelder ausweichen musste.

In diesem Jahr sollen diese Schwimminseln etwas später ausgebracht werden, damit der Haubentaucher eine Chance auf ein stabiles Nest bekommt.