Viel Musik im Wonnemonat

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen 1914“ abermals fort – mit einem Blick in den Mai.

Autor dieses Beitrags ist abermals Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach. Er schreibt:

Ohne Angst

Eine provozierende Unterhaltung gab es am 4. Mai. Am Abend dieses Tages hielt der Gartenarchitekt Leberecht Migge aus Hamburg-Blankenese im Museum Folkwang (heutiges Osthaus-Museum) einen Vortrag über moderne öffentliche Gärten der Städte. Migge – der im Auftrag von Karl Ernst Osthaus auch in Hagen tätig war – gehörte einer Richtung an, die den damaligen öffentlichen städtischen Gärten, auch Stadtparks genannt, ablehnend gegenüberstand und an deren Stelle etwas Neues, Zweckentsprechenderes schaffen wollte. Migge und seine Anhänger traten für öffentliche Gärten ein, in denen sich jedermann – anders als in den streng überwachten Stadtparks – frei bewegen, sich auch ohne Angst vor dem Wächter auf dem grünen Rasen ausstrecken durfte, wenn er Lust darauf hatte, und wo alle, besonders aber die junge Generation, sich nach Herzenslust auch austoben konnte.

Statt z.B. langweiliger Blumenbeete sollten in den öffentlichen städtischen Gärten Spielgelände angelegt werden. Zum Schluss wies der Redner darauf hin, dass auch die Stadt Hagen Veranlassung habe, hinsichtlich ihres derzeitigen Stadtparks derartige Überlegungen anzustellen.

Kalter Mai

Der „Wonnemonat Mai“ machte 1914 den Hagenern bis fast in die zweite Monatshälfte hinein witterungsmäßig wenig Freude. Es war kühl und regnerisch. In den ersten beiden Wochen stieg das Thermometer tagsüber nicht über 10 Grad. In der mondhellen Nacht vom 1. auf den 2. Mai gab es sogar Frost von minus zwei Grad. Es schien, als ob die Eisheiligen früher eingetroffen waren.

Der 1. Mai war damals noch kein gesetzlicher Feiertag – das wurde er erst 19 Jahre später. Allerdings bestand die Möglichkeit in Hagen, am Abend dieses Tages z.B. zu einem großen musikalischen Strauß-Millöcker-Abend in das neue Grand-Café „Weidenhof“ in der Mittelstraße zu gehen. Oder man konnte ebenfalls in der Mittelstraße die Lesehalle in der an diesem Tag neu eröffneten Geschäftsstelle des „Westfälischen Tageblatts“ aufsuchen. Hier standen die Adressbücher von Hagen-Stadt und Hagen-Land zur Einsicht bereit. Außerdem waren dort die neuesten Bilder vom Tage zu sehen sowie telegrafische Mitteilungen mit aktuellen Nachrichten.

Am Donnerstag, 14. Mai, abends ab 8:30 Uhr, veranstaltete der Männer-Gesang-Verein „Eichenkranz“ im Saal der Eppenhauser Gaststätte „Friedrichslust“ ein Konzert. (Abb.: Zeitungsanzeige, Sammlung: Stadtarchiv)
Am Donnerstag, 14. Mai, abends ab 8:30 Uhr, veranstaltete der Männer-Gesang-Verein „Eichenkranz“ im Saal der Eppenhauser Gaststätte „Friedrichslust“ ein Konzert. (Abb.: Zeitungsanzeige, Sammlung: Stadtarchiv)

Viel Musik

An – anspruchsvoller – Musikunterhaltung wurde im Mai (und nicht nur dann) in Hagen Einiges geboten. Ebenfalls im Grand-Café „Weidenhof“ fand am Dienstag, 5. Mai, abends ab 9 Uhr ein Künstlerkonzert statt. Am nächsten Tag gab es in dem Café einen Musik-Wunschabend. Am Donnerstag, 14. Mai, abends ab 8:30 Uhr, veranstaltete der Männer-Gesang-Verein „Eichenkranz“ im Saal der Eppenhauser Gaststätte „Friedrichslust“ ein Konzert.

Mitwirkende waren außer dem gesamten Städtischen Orchester der Opernsänger August Adrian vom Stadttheater in Trier und die Pianistin Frau Martin Friedland-Sinn am Konzertflügel (Konzertflügel „von Roth & Junius, Hoflieferant, Hagen i, W.“, wie in einer Zeitungsanzeige ausdrücklich erwähnt wird).

Im Café Victoria konnte man am Freitag, 8. Mai, bei Kaffee und Kuchen einem Sinfonie-Konzert mit verstärktem Orchester lauschen. Unter dem Motto „Im grünen Maien“ fand am Samstag, 16. und Sonntag, 17. Mai, im Parkhaus ein Frühlingsfest mit Vokal- und Instrumentaldarbietungen statt. Dafür hatte man unter anderem je einen Hofopernsänger aus Kassel und Hannover sowie einen Opernsänger aus München verpflichtet. Am Samstag war abends ab 8:30 Uhr Familien-Abend. Der Eintritt kostete 1 Mark. Zu den Soupers wurden als Getränke Bowle mit frischen Kräutern und Früchten sowie „auserlesene Weine erster Häuser“ angeboten. Am Sonntag begann das Frühlingsfest mit einem Frühkonzert um 11 Uhr bei freiem Eintritt. Abends fand dann ab 8 Uhr bei „feenhafter Beleuchtung“, wie es in der Zeitungsanzeige heißt, ein „Extra-Abend-Konzert“ statt. Der Eintritt hierfür betrug 50 Pfennige.

Forsetzung folgt.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.

Ausstellung

Ein wichtiger Hinweis noch auf eine am Sonntag, 18. Mai 2014, eröffnete, überaus sehenswerte Ausstellung: „Weltenbrand – Hagen 1914“ heißt sie und wird gezeigt im Osthaus-Museum an der Hochstraße (Museumsplatz). Hier geht’s um die Weltkriegs-Geschehnisse in Hagen. Die Ausstellung ist bis zum 10. August 2014 zu sehen.