Viel Regen und ein Wetterprophet

Hagen. (ME) Was stand bei den Hagenern vor 100 Jahren – also am Vorabend des Ersten Weltkriegs – im Mittelpunkt des Interesses? Wir setzen unsere Serie „Hagen 1914“ mit einem Blick in den Juni fort.

Es berichtet wieder Prof. Dr. Gerhard E. Sollbach:

Im Juni 1914 spielte in der Stadt Hagen im Alltagsleben und vor allem auf dem Unterhaltungssektor die am 16. des Vormonats auf der Springe eröffnete „Jubiläums-Gewerbeausstellung“ eine beherrschende Rolle.

Plötzlich Sonne

Allerdings drohte das unbeständige Wetter im Juni den Ausstellungsmachern zeitweilig das Geschäft zu verderben. Es regnete immer wieder tagelang und es herrschten manchmal Temperaturen, die eher an März oder Februar erinnerten. Auch die von den Hagenern geplanten Ausflüge an den beiden Pfingstfeiertagen (31. Mai und 1. Juni) waren davon betroffen. Am Samstag vor Pfingsten goss es ununterbrochen, so dass die meisten geplanten Pfingstausflüge aufgegeben wurden und sich die Wirte auf ein verregnetes Pfingstgeschäft einrichteten.

Aber ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Wider Erwarten brachte der Pfingstsonntag nämlich eine gewisse Wetterbesserung. Der Regen hörte auf, gelegentlich ließ sich sogar die Sonne blicken. Da man mit dieser Wetteränderung nicht gerechnet hatte, blieb der Reiseverkehr am Hauptbahnhof gering und auch die Zahl derjenigen, die einen Ausflug ins nahe Sauerland riskierten, hielt sich in engen Grenzen.

Massenandrang

Das etwas bessere, wenn auch unsichere Wetter verlockte die Hagener weniger zu Ausflügen in die Ferne, sondern mehr zu Spaziergängen in der Stadt. Davon profitierten auch die heimischen Gaststätten. Doch am Pfingstmontag war es mit der Wetterbesserung schon wieder vorbei. Bereits am Morgen regnete es in Bindfäden vom Himmel und dabei blieb es auch den ganzen Tag.

Um aber dennoch einmal nach draußen zu kommen, entschlossen sich viele Hagener zu einem Besuch der Gewerbeausstellung, wo man in den Ausstellungshallen vor Regen geschützt wandeln konnte. Folglich erlebte die Ausstellung an diesem Tag einen enormen Besucheransturm und in den Hallen drängten sich den ganzen Tag über die Menschenmassen. Rund 20.000 Einzel-Eintrittskarten wurden im Laufe des Tages verkauft; dazu kamen die nicht gezählten Besucher mit Dauerkarten. Allerdings waren nicht alle Besucher aus Hagen. Die Ausstellung erfreute sich nämlich auch eines regen Zuspruchs aus den Nachbarstädten.

Wetterprophet

Zwei Monate zuvor war in Hagen ein neuer Wetterprophet aufgetreten. Dieser hatte nach seiner eigenen Aussage „neue Wege“ in der Wettervorhersage gefunden. Für die zweite Aprilhälfte und den Anfang Mai waren von ihm Kälte und Gewitter prophezeit worden. Damit lag der Wetterprophet aber ganz daneben. Tatsächlich herrschte in diesen Wochen nämlich schönes und warmes Frühlingswetter.

Mitte Mai kündigte er neben „großen Bewegungen über und unter der Erde“ an, dass es, bevor der Monat Juni um sei, noch einige Nächte Frost gäbe, wodurch vieles erfrieren werde. Damit behielt er tatsächlich Recht. Auch die vorhergesagten „großen Bewegungen über und unter der Erde“ trafen ein. In der ersten Maihälfte kam es nämlich zu einem schweren Ausbruch des Ätna und zu einem Erdbeben auf Sizilien. Am 1. Juni hatte der Wetterprophet mitgeteilt, dass bis zum 4. Juni Regenwetter herrschen werde, womit er wieder völlig richtig lag.

Forsetzung folgt.

→ Alle bisher erschienenen Teile der Serie.

Noch ein Hinweis:

Im Kunstquartier Hagen (Osthaus-Museum) wird aktuell die Ausstellung „Weltenbrand – Hagen 1914“ gezeigt. Das Gezeigte stammt fast ausschließlich aus dem Eigenbesitz der Hagener Museen und Archive. Die Exponate erzählen vom Krieg 1914 bis 1918, aber auch von der Zeit davor und danach. Die Präsentation ermöglicht einen spannenden Rundgang durch die Kulturgeschichte der Stadt und ihrer Bürger.

Es werden auch Führungen angeboten – so am kommenden Sonntag, 22. Juni 2014 um 11:15 Uhr im Osthaus-Museum am Museumsplatz 1 (Navi: Hochstraße 73). Eine Anmeldung ist nicht notwendig.