Viele Fragen zum „Autofahren im Alter“

Hagen. (ME/pr|nrw) Möglichst lange „automobil“ bleiben – das wünschen sich die meisten Senioren, steht das eigene Auto doch für Unabhängigkeit und ein selbstbestimmtes Leben. Mit zunehmendem Alter können sich jedoch Einschränkungen bemerkbar machen, unter denen die Fahrfitness leidet. Das Unfallrisiko steigt. Wie man im Alter sicher mit dem Auto unterwegs ist, darüber informierten Experten jetzt am wochenkurier-Lesertelefon. Offenkundig brannte das Thema vielen Menschen auf den Nägeln – wurde doch eine Fülle an Fragen gestellt.

Die Expertinnen am Lesertelefon waren: Sandra Demuth, Referatsleiterin beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn; Dr. med. Martina Albrecht, Oberregierungsrätin, Referat Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin, in der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), Bergisch Gladbach; Tatjana Contzen; Pädagogische Leiterin der Verkehrs-Kolleg GmbH, Leverkusen.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

Mit welchen Einschränkungen muss ich im Alter beim Autofahren rechnen?

Sandra Demuth: Vor allem sind es Sehfähigkeit, Hör- und Reaktionsvermögen sowie die Beweglichkeit, die mit dem Alter abnehmen. Hinzu kommen möglicherweise Medikamente, die die Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Das Problem: Selbst bemerkt man die schleichenden Veränderungen kaum. Deshalb sollte man sich zum einen selbstkritisch überprüfen und zum anderen regelmäßig einen Gesundheitscheck machen lassen und das Thema Fahrtüchtigkeit bei dieser Gelegenheit ansprechen.

Wer sagt mir, ob ich noch sicher Auto fahren kann?

Dr. Martina Albrecht: Erster Ansprechpartner sollte Ihr Hausarzt sein. Er weiß, ob bei Ihnen Krankheiten vorliegen oder Sie Medikamente einnehmen, die das sichere Fahren beeinträchtigen können. Da im Alter oftmals das Sehvermögen nachlässt, ist ein regelmäßiger Besuch beim Augenarzt besonders wichtig. Viele Sehstörungen bemerken Sie unter Umständen gar nicht, obwohl Sie die Fahrsicherheit erheblich einschränken.

Warum sind solche Untersuchungen nicht verpflichtend?

Sandra Demuth: Einerseits setzt der Gesetzgeber auf die Eigenverantwortung der Menschen, anderseits werden Untersuchungen in festgelegten Intervallen den Veränderungen nicht gerecht, die im Alter auftreten können. In Ländern, in denen solche Untersuchungen verpflichtend sind, konnte kein positiver Effekt auf die Verkehrssicherheit festgestellt werden.

Kann ich testen lassen, wie fit ich beim Fahren bin – und was wird getestet?

Tatjana Contzen: Der ADAC beispielsweise bietet so genannte Fahrfitnesschecks an, die von speziell geschulten Trainern durchgeführt werden. Sie fahren mit dem eigenen Fahrzeug in Begleitung durch den Stadtverkehr, anschließend gibt der Trainer Tipps, wie Sie Ihr Fahrverhalten verbessern können. Immer mehr Fahrschulen bieten mittlerweile ebenfalls solche Trainings an. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Reaktionsfähigkeit und -geschwindigkeit, der sicheren Fahrzeugbedienung, der Verkehrsbeobachtung und vorausschauenden Fahrweise.

Was passiert, wenn festgestellt wird, dass ich nicht mehr fahrtauglich bin? Wird der Führerschein dann eingezogen?

Dr. Martina Albrecht: Der Führerschein wird nur eingezogen, wenn die Fahrerlaubnisbehörde entscheidet, dass Sie nicht mehr fahren dürfen. Grundlage für eine solche Entscheidung ist eine von der Behörde angeordnete Untersuchung, zum Beispiel nachdem Sie einen Unfall verursacht haben. Das Ergebnis einer Untersuchung beim Hausarzt ist vertraulich und wird der Behörde nicht mitgeteilt. Sie sollten aber selbstverständlich Ihrer Eigenverantwortung gerecht werden und nicht mehr Auto fahren, wenn Ihnen aufgrund einer solchen Untersuchung davon abgeraten wird. Häufig ist das Ergebnis auch weniger einschneidend: Dann genügt es, zum Beispiel auf Nachtfahrten zu verzichten oder sich eine neue Brille verordnen zu lassen.

Ab welchem Alter ist eine solche Untersuchung sinnvoll?

Sandra Demuth: Fahrtüchtigkeit ist keine Frage des Alters sondern der Gesundheit – eine konkrete Altersangabe macht daher wenig Sinn. Als Richtwerte können für einen Sehtest 40 Jahre gelten, für die Überprüfung von Hör- und Reaktionsvermögen sowie der Aufmerksamkeit sind es 60 Jahre. Unabhängig vom Lebensalter sollten Sie das Thema ansprechen, wenn Sie unter einer chronischen oder wiederkehrenden Erkrankung leiden. Generell gilt: Wer zum Arzt geht, bevor gravierende Beeinträchtigungen entstehen, hat bessere Chancen, gegenzusteuern.

Fortsetzung folgt.