Viele, viele Fahrräder

Hagen. (th) Jugendliche richten gebrauchte und defekte Fahrräder für Flüchtlinge wieder neu her – Das ist die Idee hinter dem neuen Projekt der Familien- und Jugendhilfe Caruna. Um diesen Gedanken aber auch in die Tat umsetzen zu können, brauchte das Team der geplanten Werkstatt zunächst einmal Fahrräder. Nachdem verteilte Flyer nicht die gewünschte Wirkung erzielten, startete Initiatorin Birthe Stabenow, Diplom-Pädagogin, Trauma- und Familientherapeutin bei Caruna, einen Aufruf im Wochenkurier. Die Reaktionen sind überwältigend.

60 Fahrräder befinden sich nun schon im Caruna-Domizil in der Cunosiedlung 4. 200 weitere Drahtesel warten noch darauf, geliefert oder abgeholt zu werden. Und die Spendenwelle bricht nicht ab. Das E-Mail-Postfach ist prall gefüllt und das Telefon hört gar nicht auf zu klingeln. „Wir schaffen es gar nicht mehr, die Anrufe entgegenzunehmen“, berichtet Birthe Stabenow, die sich neben ihren üblichen Aufgaben um das Fahrradprojekt kümmert.
Ohnehin kommen weitere Spender erst einmal auf eine Warteliste von etwa zwei Monaten, erst dann können weitere Fahrräder entgegengenommen werden. Stabenow hofft deswegen auf Verständnis.

Großartige Hilfsbereitschaft

In erster Linie ist sie aber dankbar für die großartige Hilfsbereitschaft, ohne die das Projekt nicht möglich wäre. Viele der Fahrräder sind noch in einem guten Zustand und könnten problemlos auch verkauft werden. Und mit vielen Zweirädern ist so manche Erinnerung verknüpft. So konnte sich Birthe Stabenow nicht nur über die Spenden an sich, sondern auch über einige Geschichten und nette Kontakte freuen.

Freude herrscht auch bei den Jugendlichen, die in der Fahrradwerkstatt zum Einsatz kommen werden. „Es macht einfach nur Spaß“, erzählt Christopher Heinemann. Die Begeisterung ist dem 18-Jährigen deutlich anzumerken. Er arbeitete schon in der Vergangenheit mit einem Fahrrad-Experten aus Dortmund zusammen, der die Jugendlichen anleiten wird. Deshalb soll er selbst jetzt mehr Verantwortung übernehmen dürfen.

Auch ein Sprayer hat sich schon gefunden, der die noch etwas triste Wand der Werkstatt mit einem Graffito verzieren wird. Diese Aufgabe übernimmt der 15-jährige Sami von der Hauptschule Remberg unterstützt von Lehrer Marc Katzer, der den Kontakt hergestellt hat. Die Werkstatt hat die Arbeit derweil bereits aufgenommen, das erste Fahrrad ist schon fertig. „Erstmal muss sich das Team finden und richtig in Tritt kommen“, weiß Birthe Stabenow, „dann kann hoffentlich auch die riesige Menge an Fahrrädern bewältigt und bald an Flüchtlinge übergeben werden.“ Die erste Fuhre werden die Kinder aus der Flüchtlingsklasse der Grundschule Kuhlerkamp und ihre Familien erhalten.