Vision für die Rehstraße

Hagen. (ME) Früher befanden sich im Eckbereich Reh-/Wehringhauser Straße die Gebäude der Stadtwerke und östlich davon die des Schlachthofes. Den Schlachthof gibt es längst nicht mehr. Ein privater Investor hat das Gelände vor Jahren gekauft, ohne bisher grundlegend bekannt gegeben zu haben, wie er sich die Zukunft vorstellt. Auch die Stadtwerke existieren nicht mehr – sie wurden zunächst von der Mark-E geschluckt und sind heute bekanntlich ein Bestandteil der Enervie-Gruppe („Mutter“ von Mark-E).

Die Enervie-Gruppe wiederum zieht sich – wie vom wochenkurier bereits mehrfach vermeldet – bald aus Wehringhausen zurück. Sie will ihre Standorte bis 2014 auf der „Haßleyer Insel“ zentralisieren. In der Folge wird ein Großteil der bislang insgesamt neun Standorte des Unternehmens allein in Hagen für eine Nachfolgenutzung frei. Dabei bereitet insbesondere der bisherige Standort in Wehringhausen reichlich Kopfschmerzen – erstens wegen seiner Größe und zweitens wegen seiner ungünstigen Insel-Lage zwischen diversen Eisenbahnstrecken.

„Masterplan“

Enervie-Chef Ivo Grünhagen hat - unterstützt von Politik und Stadtverwaltung - vom Stadtplanungsbüro „Arte plan“ eine „Vision“ für das Gelände an der Rehstraße entwickeln lassen, „Masterplan“ genannt. (Foto: Enervie)

Jedoch wollen sich Enervie und Tochter Mark-E nicht sang- und klanglos von der Rehstraße verabschieden. Stattdessen hat die Enervie – unterstützt von Politik und Stadtverwaltung – durch das Dortmunder Stadtplanungsbüro „Arte plan“ eine „Vision“ für das Gelände entwickeln lassen, „Masterplan“ genannt. Die von „Arte plan“ am Dienstag vorgestellte Projektskizze ist bewusst zweiteilig verfasst – zum einen hat man sich Gedanken gemacht, wie es an der Rehstraße auf dem reinen Enervie-Gelände weitergehen soll. Und zum anderen wurde der Faden weitergesponnen, indem diverse Nachbar-Areale, darunter auch der Schlachthof, in die Überlegungen einbezogen worden sind.

„Im Zuge unserer Standortbündelung in Haßley fühlen wir uns gegenüber der Stadt verpflichtet, eine Neunutzung für die bisher in unserem Besitz befindlichen Flächen in Wehringhausen sicherzustellen“, begründet Enervie-Vorstandssprecher Ivo Grünhagen die Erstellung des Masterplans. Und er ergänzt: „Unser Ziel ist es, in enger Abstimmung mit Politik und Stadtverwaltung eine sinnvolle Gesamtnutzung des Standortes an der Rehstraße zum Wohle der Stadt Hagen zu erreichen.“

Gut gewählt

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Schließlich wird in Kürze mit dem restlichen Ausbau der unteren Rehstraße begonnen, wobei in diesem Zusammenhang endlich auch die Eisenbahn-Überführung erweitert wird. Auf dem früheren Koch & Mann-Gelände auf der östlichen, also gen Haspe gelegenen Rehstraßenseite haben in den letzten Tagen die Bagger ganze Arbeit geleistet und einen erheblichen Teil der alten Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Überdies liegt für die maroden Mietshausbauten auf der gegenüberliegenden Seite bei der Stadt Hagen mittlerweile ein Abbruchantrag vor, der unlängst auch der Bezirksvertretung Haspe unterbreitet worden ist.

Nun also leitet auch die Enervie die weitere Neunutzung ihres Geländes in die Wege. „Unsere Bemühungen“, freut sich Ivo Grünhagen, „tragen bereits erste Früchte.“ Die Ansiedlung einer Tankstelle sowie einer Autowaschanlage sind weitgehend in „trockenen Tüchern“, hinzu kommt, dass ein Teil der bisherigen Enervie-Fläche demnächst an die Stadt Hagen übergeben wird. Sie benötigt dieses Areal, um der Firma Hawker-Batterien (früher Varta) Ersatzparkplätze anbieten zu können, weil die Stadt wiederum Hawker-Grundstücke für die Bahnhofshinterfahrung nutzen will.

Autohaus?

Außerdem könnte künftig ein neues Autohaus auf dem Gelände heimisch werden, ferner die ein oder andere Werkstatt und vielleicht auch eine Lagerei („Self Storage“). Erschlossen werden beide Seiten der Rehstraße – so sagt’s der Masterplan – durch neue Stichstraßen, die, sofern bei den östlichen und westlichen Nachbarn entsprechendes Interesse vorhanden sein sollte, leicht in beide Richtungen ausgebaut werden können.

„Der Schlachthof gehört uns bekanntermaßen nicht,“ betont Ivo Grünhagen, „dennoch haben wir ihn aus gutem Grund in unsere Überlegungen einbezogen.“ Der derzeitige Eigentümer sei nun an der Reihe, zu bekunden, welche Zukunft er sich für sein Grundstück vorstellt. Stadtbaurat Thomas Grothe und Enervie-Chef Ivo Grünhagen wollen mit ihm möglichst bald erste Gespräche führen, damit zeitnah Klarheit herrscht.