Völkermord an Armeniern

Hagen. (ME) Papst Franziskus hat unlängst von einem Völkermord gesprochen. Die CDU im deutschen Bundestag auch. Ebenso die SPD. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hingegen betrieb im Hinblick auf die vor hundert Jahren begangenen Massaker an der armenischen Bevölkerung im damaligen Osmanischen Reich zuletzt eher eine mutlose Wortklauberei. Er wollte wohl den türkischen Staatspräsidenten Erdogan nicht gegen Deutschland aufbringen. Zumal man nicht vergessen darf, dass das Deutsche Reich seinerzeit – im Ersten Weltkrieg – mit den Osmanen verbündet war.

Die Aufarbeitung der Ermordung hunderttausender Armenier 1915/16 im Osmanischen Reich ist nach wie vor alles andere als einfach. Jetzt versucht ein Vortrag im Hagener Kunstquartier, das brisante Thema eingehender zu beleuchten. Hierüber spricht am Mittwoch, 29. April, Prof. Dr. Mihran Dabag, Direktor des Instituts für Genozidforschung (Genozid ist ein griechisch-lateinisches Wort und bedeutet Völkermord) an der Ruhr-Universität Bochum. Aus Platzgründen ist eine Kartenreservierung bzw. ein Kartenvoreinkauf an der Kasse des Kunstquartiers sinnvoll.

Von regierungsoffizieller Seite wurden die Deportationen der Armenier damals als kriegsnotwendige Vorkehrungen deklariert. Eingebunden waren die Maßnahmen jedoch in eine ideologisch bestimmte, nationalpolitische Vision, die auf eine Homogenisierung der Bevölkerung des Osmanischen Reichs zielte. Anders ausgedrückt: Die Politik der Vernichtung gegenüber den Armeniern ging einher mit dem Versuch, den Osmanischen Vielvölkerstaat in einen „modernen“ türkischen Nationalstaat zu verwandeln. Der Weltkrieg selbst bot hierbei eine günstige Gelegenheit, diese Vision radikal zu verwirklichen.


Im Schatten des Weltkriegs.

Der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich

Vortrag von Prof. Dr. Mihran Dabag

Mittwoch, 29. April 2015, 19:00 Uhr

Kunstquartier Hagen
Museumsplatz 1
58095 Hagen

Eintritt: 5,00 Euro
Platzreservierung: Tel. 0 23 31 / 2 07-31 38

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