Volkssternwarte trauert um Günter Röttler

Hagen. Nach kurzer schwerer Krankheit ist der „Hagener Wetterpapst“ Günter Röttler im Alter von 86 Jahren gestorben. Er konnte auf 60 Jahre aktive Astronomie und Meteorologie an der Hagener Sternwarte zurückblicken.

Bei der Beobachtung einer Sonnenfinsternis am 3. Oktober 1959. Von links: Horst Groß, Erbauer des Teleskops, Günter Röttler und Albert Schäfer, Gründer der Hagener Stern­warte. (Foto: Archiv der VSW Hagen)
Bei der Beobachtung einer Sonnenfinsternis am 3. Oktober 1959. Von links: Horst Groß, Erbauer des Teleskops, Günter Röttler und Albert Schäfer, Gründer der Hagener Stern­warte. (Foto: Archiv der VSW Hagen)

Dutzende von Reportagen über Himmels- und Wetterkunde, aber auch zu geologischen und  ornithologischen Themen hat er verfasst. Über Jahrzehnte hinweg wurden seine naturwissenschaftlichen Beiträge regelmäßig im Wochenkurier, im Hagener Heimatkalender und in den Hohenlimburger Heimatblättern, aber auch in Fachzeitschriften wie „Sterne und Weltraum“ veröffentlicht.

Seine Texte waren stets gründlich recherchiert und gut lesbar formuliert – ein literarisches Lesevergnügen. Dabei war Günter Röttler, wissenschaftlich gesehen, Amateur und, literarisch gesehen, Autodidakt.

Bewegte Kindheit

In Wehringhausen aufgewachsen und zur Volksschule gegangen, hat er eine Kinderlandverschickung nach Bayern erlebt und die Evakuierung nach Pommern überlebt.

Als bei einem Luftangriff auf Hagen im Dezember 1944 sein Vater starb, musste er als Ältester seine vier jüngeren Geschwister mit Lebensmitteln von „Hamsterfahrten“ versorgen. Nach nur siebeneinhalb Jahren Volksschule machte er seine Lehre als Maler, Lackierer und Verglaser und war 49 Jahre lang in dem Beruf tätig, davon 39 Jahre bei der Hagener Firma Paul Trabandt.

Spätberufener

Für Naturwissenschaften interessierte er sich erst als 25-Jähriger durch die Bekanntschaft mit dem damals sehr beliebten Hagener Pädagogen und Heimatforscher Albert Schäfer, der 1955 die Sternwarte gründete. Günter Röttler war von Anfang an mit Enthusiasmus dabei, als neben dem Eugen-Richter-Turm ein Observatorium in Eigenregie des Vereins errichtet wurde. Hier hat er seine handwerklichen Fähigkeiten und seine Berufserfahrung eingesetzt – bis ins hohe Alter und immer ehrenamtlich.

Von seinem Mentor Albert Schäfer hatte er wohl pädagogische Fähigkeiten übernommen. Dies bewies er bei unzähligen Führungen in der Sternwarte für Hagener Bürger und Gäste, aber auch bei seinen Vorträgen nur Erwachsenen und Jugendlichen, wie z.B. 15 Jahre lang für die Astronomie-Schüler-AG der Heinrich-Heine-Realschule Boelerheide.

Astronomische  Schwerpunkte

Seine astronomischen Forschungsschwerpunkte waren das Sternbild Orion sowie Jupiter, der größte Planet. Seit 1961 war er außerdem Mitglied eines internationalen Expertenteams zur Erforschung des sogenannten Halo-Effekts bei Sonne und Mond (Halo-Ringe entstehen durch Lichtspiegelung in Eiskristallen von Schleierwolken).

50 Jahre lang hat er präzise über 20.000 Wetterdaten handschriftlich aufgezeichnet, die er in den letzten Jahren zuhause am PC in Excel-Tabellen übertragen hat, damit sie später vielen Hagener Generationen erhalten bleiben.

Günter Röttler hatte aber nicht nur den Weltraum und das Wetter im Blick. 40 Jahre lang führte er im Winter ehrenamtlich Vogelführungen am Hengsteysee durch. Bis kurz vor seinem Tode schrieb er noch mit Begeisterung vogelkundliche Beiträge für den „CINCLUS“, die Vereinszeitschrift des Vogelschutzbundes Herdecke und Hagen.

Privat hinterlässt er nach 59-Jähriger Ehe seine Frau Lilo und eine erwachsene Tochter.

Großer Wunsch

Einen großen Wunsch äußerte er im letzten Jahr – er regte eine Info-Tafel für das weltweit erste begehbare Planetenmodell im Hagener Stadtzentrum, z.B. vor dem Rathhausturm, für alle Bürger und Besucher der Volmestadt an. Die Mitglieder der Hagener Sternwarte bemühen sich, ihm diesen Wunsch posthum zu erfüllen: Als Verneigung vor seiner Lebensleistung.

(Dieser Beitrag stammt  von Uli Weishaupt, Realschullehrer i.R. und Mitglied der Hagener Sternwarte.)