Hagen. (AnS) Aktueller könnte das Theaterstück kaum sein: „Der Junge mit dem Koffer“, der am 21. Januar im Lutz Hagen Premiere feierte, passt genau in diese Zeit um Flucht und Krieg und Willkommenskultur.

Das Stück, das Regisseurin und Lutz-Leiterin Anja Schöne auf die Bühne bringt, kommt dabei mit wenig aus. Zwei Musiker, vier Schauspieler und ein Bühnenbild mit Holzsteg und Bändchenvorhang, der mal Meer, mal Horizont oder Projektor-Leinwand ist. Trotz oder gerade wegen des Minimalismus‘ verstehen Anja Schöne und Dramaturgin Anne Schröder es, den Ernst der Situation von Flüchtling Naz zu vermitteln.

Wo ist Zuhause?

Was ist Zuhause? Wer bin ich? Wo will ich hin? Schau ich nach vorn oder zurück? Das sind die zentralen Leitfragen des Stücks. Im Mittelpunkt steht der Junge Naz, der von seinen Eltern aus den Kriegswirren mangels Geld allein auf den Weg in eine vermeintlich bessere Welt geschickt wird.

Das einzige Utensil, das ihm bleibt, ist sein Koffer mit einem Stift, der ihn animieren soll, sich ganz traditionell per Postkarte bei seinen Eltern von unterwegs zu melden. Und seine Geschichten vom Seefahrer Sindbad, die er seiner Reisebekanntschaft Krysia auf den vielen Stationen des langen und gefährlichen Weges über Berge und Meer erzählt und damit ein wenig Hoffnung verbreitet, das Ziel zu erreichen.

Friedlich versus bedrohlich

Friedliche Stimmung, wenn zum Beispiel ein bekanntes arabisches Schlaflied die Szenerie unterstützt, wechselt sich mit bedrohlichen, manchmal fast zu lauten Bildern ab.

(Foto: Klaus Lefebvre)
Friedvolle Momente auf einer gefährlichen Flucht: Franziska Schmid als Krysia und Michael Mayer als Naz. (Fotos: Klaus Lefebvre)

Die Phantasie der Zuschauer ab zehn Jahren ist gefragt, denn die Schauspieler wechseln ihre Rollen, Masken an der Wand hängen griffbereit zur anschaulichen Verwandlung von der Hauptrolle ohne Verkleidung zum Schmuggler oder alten Ehepaar.

Das Stück wirbt um Verständnis, stellt die Geschichte vieler Flüchtender erschreckend realitätsnah dar. So steht Naz am Ende mit leeren Händen da und auch der Koffer ist ohne Inhalt. Was ihm aber bleibt, sind seine Geschichten…

Hoffnung und Geschichten

Und so klingt seine letzte Postkarte ein bisschen hoffnungsfroher, aber noch lange nicht so, wie die Urlaubskarten des Publikums, das noch vor der Vorstellung vom Lutz-Team animiert wird, eine solche zu schreiben: „Hier bin ich. Ich habe es auf die andere Seite der Erde geschafft. Es ist nicht so anders. Manche Menschen lachen dich an und meinen es auch so. Wir arbeiten hart. Wir sind nicht im Himmel, wir sind immer noch auf der Erde.“

Vorstellung für Schüler und Familien

Das Stück, das sowohl für Kinder als auch Erwachsene wirklich erlebenswert ist, wird an folgenden Terminen jeweils um 10 Uhr als Schulvorstellung (zu denen auch Nicht-Schüler eingeladen sind) aufgeführt: 1.2.; 2.2.; 5.3.; 6.3; 23.4.; 24.4.; 8. Mai und 9. Mai. Zudem gibt es noch weitere Familienvorstellungen, jeweils um 15 Uhr am 4. Februar, 3. März und 22. April. Karten gibt es an der Theaterkasse oder unter theaterhagen.de.