Vom alten Ski zur schmucken Dusche

Hagen. (nic) Unglaublich, was sich alles aus einer ausgedienten Waschmaschine herausholen und verarbeiten lässt. Da wird die Trommel kurzerhand zum Garderobenständer, aus dem Sichtfenster wird eine dekorative handliche Salatschüssel, aus dem Korpus ein Schrank. Klaus Kaiser heißt der Meister dieser „Umfunktion“ von schrottreifen Alltagsgegenständen.

Von der Skibindung zum Hund, von der Waschmaschine zum Garderobenständer, vom Ski zur Gartendusche: Der Hagener Klaus Kaiser wandelt ausgediente Alltagsmaterialien in Kunstobjekte um. Die Arbeiten aus seinem Projekt „Um-Funktion“ sind derzeit in der Heinitzstraße 65 ausgestellt. (Foto: Nicole Stember)

Dabei kombiniert der Hagener die unterschiedlichsten Materialien und Gegenstände. So zaubert er aus einem alten Ski eine voll funktionsfähige Gartendusche, ein Handtuchheizkörper verwandelt sich in einen Bürotisch, aus einer ausrangierten Bassgitarre aus den 50er Jahren entsteht eine moderne Lampe mit Dimmer. „Die Gitarre gehörte meinem Vater“, erklärt Klaus Kaiser. Überhaupt hat fast jedes Teil, das verbaut wurde, eine eigene Geschichte zu erzählen. So ist der Fuß der „Gitarrenlampe“ ein Pflasterstein aus Hohenlimburg, der weichen musste, als die neue Brücke über die Lenne gebaut wurde. „Den habe ich aber legal mitgenommen“, schmunzelt der 47-Jährige.

Man muss schon genauer hingucken, um zu erkennen, was der gelernte Heizungsbauer und Architekt alles miteinander verbindet. So gibt ein mit Beton ausgefüllter und mit Muscheln verzierter Zinkeimer der Ski-Gartendusche den nötigen Halt, ein altes Wasserrohr dient als Zuleitung. „Es muss nicht immer alles benutzbar sein“, verrät Klaus Kaiser.

Dekorativ

Manche Objekte sind schlicht dekorativ. So auch das Modell „Stefan braucht einen Ast“. Aus einem Treibholzstück ist eine außergewöhnliche Holzskulptur geworden. Auch hier gibt es wieder eine Geschichte zu erzählen. „Mein Neffe suchte bei einem gemeinsamen Spaziergang beim letzten Hochwasser an Lenne und Ruhr nach einen Stock“, erinnert sich der Hagener. Schließlich fanden sie dieses Treibholz. Drei Monate lang trocknete Klaus Kaiser das gute Stück, bevor er es verarbeiten konnte. „Manche Ideen entwickeln sich sofort, andere reifen über Monate oder sogar Jahre“, erklärt der Kunstschaffende. Das Material findet er auf Dachböden, in Kellern, auf dem Sperrmüll, bei Freunden und Bekannten oder in der Natur.

Klaus Kaiser schuf diesen ungewöhnlichen Garderobenständer aus einem bunten Materialmix: der Fuß ist eine Waschtrommel, die Ablage ein Sägeblatt. (Foto: Klaus Kaiser)

Die Idee, das Material so zu verwenden, trägt der gebürtige Hagener seit 30 Jahren in sich. Doch erst vor zwei Jahren entwickelte sich daraus – gesundheitlich bedingt – eine Lebens- und auch Arbeitsphilosophie. Bei Klaus Kaiser wurde Multiple Sklerose diagnostiziert, daraufhin musste er seinen Beruf als Architekt aufgeben und sich eine neue Perspektive schaffen. In 2010 nahm Klaus Kaiser an einem Kunstwettbewerb der „Lebenshilfe“ teil. Dabei galt es, die Zechenhaken der Bergleute zum Kunstobjekt zu wandeln. In seinen „Kumpel“, so der Name der Figur, hat Klaus Kaiser rund 100 Arbeitsstunden investiert. Aus einem bunten Materialmix ist das metallene Männchen entstanden: aus einem Fragment eines Kugelgrills, Nummernschild, Fahrradkette und Sanitärsachen.

Mit Leib und Seele

Im Keller und im Garten seines Hauses wurde eifrig geschweißt, gelötet und geschraubt. Mit Erfolg. Die Jury wählte sein Objekt, das nun vom 12. Dezember bis 2. Januar 2012, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, in der Wanderausstellung „Hak dich ein“ der Lebenshilfe in der großen Bürgerhalle des nordrhein-westfälischen Landtags ausgestellt wird. Seitdem widmet sich der 47-Jährige mit Leib und Seele der „Um-Funktion“.

Da sich mittlerweile viele Arbeiten angesammelt haben und „der Schaffensdrang“ stärker wird, möchte Klaus Kaiser seine Arbeiten einem größeren Publikum präsentieren. Seit Anfang November stellt er einen Teil seiner Arbeiten aus dem Projekt „Um-Funktion“ in einem leerstehenden Ladenlokal in der Heinitzstraße 65 aus. Besichtigungen sind montags von 16 bis 18 Uhr oder auch nach Vereinbarung unter Telefon 0177/ 4682-836 möglich. „Ich freue mich schon auf den Austausch mit kunstinteressierten und kreativen Menschen“, sagt der Hagener.