Vom Krimi bis zur Ruhr-Musik

Hagen. (ric/ Red.) Viel los ist in der kommenden Zeit im Theater Hagen. Kein Wunder, feiert die Bühne doch in der kommenden Spielzeit ihr 100-jähriges Jubiläum. Zuschauer und Besucher dürfen also auf viele Höhepunkte gespannt sein.

Begonnen wird jedoch erst einmal noch mit der letzten Premiere im Lutz in der aktuellen Saison. „Rico, Oskar und die Tieferschatten“, ein Stück von Andreas Steinhöfel, wird am Samstag, 25. Juni 2011, erstmals aufgeführt.

Rico ist elf Jahre alt und tiefbegabt – glaubt er jedenfalls. Er braucht für alles etwas länger. Manchmal geraten die Dinge in seinem Kopf ein wenig durcheinander. Glücklich ist er, als er Oskar kennenlernt, der sein erster echter Freund wird. Oskar sieht komisch aus: Er trägt aus Angst vor allem Möglichen stets einen Motorradhelm – und er weiß ganz viel, denn er ist hochbegabt. Das Abenteuer beginnt, als ein seltsamer Kindesentführer, der in Berlin sein Unwesen treibt, sich ausgerechnet Oskar schnappt. Ob der neue Mieter in der Wohnung über Rico etwas damit zu tun hat? Denn der führt höchst verdächtige Telefonate…

Dominique Horwitz, einer der großen deutschen Film- und Theater-Schauspieler, tritt am kommenden Samstag mit Brel-Chansons im Großem Haus gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester auf. (Foto: Theater)

Um seinen Freund zu retten, muss Rico wohl oder übel über sich selbst hinauswachsen und mit detektivischem Spürsinn Oskar befreien. Ganz nebenbei klärt er auch noch das Geheimnis der unheimlichen Tieferschatten im Hinterhaus auf. Die Buchvorlage von Andreas Steinhöfel wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Katholischen Kinderbuchpreis und dem Deutschen Jugendbuchpreis 2009.

Brel-Chansons

Ebenfalls am Samstag, 25. Juni 2011, findet ein Crossover-Konzert statt. Um 19.30 Uhr wird Dominique Horwitz, einer der großen deutschen Film- und Theater-Schauspieler, unter dem Motto „Ne me quitte pas“ im Großem Haus gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester die berühmten Brel-Chansons wie „Madeleine“, „Ne me quitte pas“ oder das wohl am häufigsten interpretierte „Amsterdam“ in unterschiedlichsten Arrangements präsentieren.

Sagen vertont

Weiter geht es am 3. Juli 2011, 11 Uhr, mit dem dritten Familienkonzert: „MUSIKaufRUHR – Sieben Sagen“. Basierend auf der Idee von Klaudia König-Bullerjahn und Carla Klimke, Lehrerinnen an der Oberlinschule Hagen, ist das Konzept entstanden: Die Musik, die den Verlauf des Flusses der Ruhr, ähnlich wie bei der Moldau hörbar und erlebbar machen soll, wird von Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise künstlerisch umgesetzt.

Der „Komponist für Hagen“, Wolfram Buchenberg, entwickelte die Idee weiter und hat sieben Sagen aus dem reichen Schatz der Ruhrsagen vertont: „Das Stollengespenst“, „Ermasinds Klagelied“, „Die Fee von Burg Volmarstein“, „Das verwünschte Schloss“, „Die Ruhrnixe“, „Die weißen Jungfrauen“ und „Wodans Luftgeister auf wilder Jagd“. Dabei räumt der Komponist Kindern einen prominenten Part ein, denn sie lassen die Ruhrnixe auf Weingläsern singen und Wodans Luftgeister mit bunten Heulschläuchen johlen. Außerdem werden Schüler die Ruhrsagen in eine lyrische Form bringen und sie mit Bildern, Tanz, Film und Pantomime veranschaulichen. Buchenbergs Musik, die hier ihre Uraufführung erfährt, lässt über die hiesige sagenumwobene Region staunen und wird Klein wie Groß begeistern.

Die Kosten für das Projekt und der Umsetzung mit den Kinder- und Jugendgruppen konnte dank der Zahngoldaktion des Lions-Clubs Hagen-Mark finanziert werden. Dieses besondere Projekt ist ein Geschenk des Lions-Clubs an das Theater und an die Stadt zum 100-jährigen Jubiläum.

Die Hormone spielen verrückt

Und noch ein Höhepunkt wartet auf viele Besucher: In einem Jugendzentrum müssen plötzlich mehrere junge Rockmusiker, klassische Musiker, Hip-Hopper und Balletttänzer zusammen arbeiten. Die Jugendlichen kommen zudem aus ganz unterschiedlichen Milieus. Dann verlieben sich auch noch die Falschen ineinander. Es spielen nicht nur die Hormone verrückt, sondern auch eifersüchtige Ex-Liebhaber. Schafft es der Betreuer und Altrocker Gillan, die Jugendlichen zu einem gemeinsamen Musik- und Tanzprojekt zu vereinen?

Das ist, kurz zusammengefasst, die Geschichte im Jugendmusical „Beats“: Johannes Maria Schatz und Axel Goldbeck produzierten das moderne Musical, das zum 100-jährigen Jubiläum des Hagener Theaters am 14. April 2012 seine Premiere feiert.

Dabei ist die Produktion etwas ganz Besonderes: Sowohl die technische als auch die künstlerische Umsetzung findet ausschließlich an den fünf Berufsschulen Hagens statt. Die Schüler werden hierbei von Profis des Theaters und den jeweiligen Fachlehrern angeleitet. Die Aufgabenfelder sind vielfältig: Story-Writing, Logo- und Grafikdesign, Web-Design, Bild-, Video- und Audio-Dokumentation, Werbung, Sponsoringsuche, Bühnendesign, Maskendesign, Ton- und Lichtdesign, Darsteller auf der Bühne (Schauspiel, Gesang, Tanz)… – das alles und noch viel mehr wollen die Jugendlichen bewältigen.

Unterstützt wird die Produktion bislang vom Lions-Club Hagen-Mark, dem Fritz-Berg-Gedächtnis-Fonds, der Johannisloge Hagen und der Werner-Richard-/Dr.-Carl-Dörken-Stiftung.