Von der Transportkiste zum Klangkörper

Hagen. (nic) Unglaublich, was diese kleine Kiste so alles kann. Musiker aus aller Welt wissen die Cajón, eine aus Peru stammende Kistentrommel, mittlerweile sehr zu schätzen und lassen dafür auch schon einmal ihr herkömmliches Schlagzeug in der Ecke stehen. Die Cajón hat einen trommelähnlichen Klang und wird in der Regel mit den Händen gespielt, während der Musiker auf dem Percussion-Instrument sitzt – ein Instrument und Sitzmöbel in einem.

Klein, aber oho: die Cajón. Die ursprünglich aus Peru stammende "Transportkiste" hat sich zu einem schlagkräftigen Percussioninstrument gewandelt. Peter Meier (l.) betreibt in Hagen die einzige Cajón-Manufaktur in der gesamten Region. Gemeinsam mit Musiker Haan Hartmann (r.) bietet er zudem spezielle Cajón-Workshops zum Erlernen des außergewöhnlichen Instruments an. (Foto: Nicole Stember)

Auch Peter Meier kann sich der Faszination der schlichten Holzkiste nicht entziehen. „Erstmalig gesehen habe ich das Instrument vor einigen Jahren im Fernsehen“, erinnert sich der Hagener. „Ich war so fasziniert davon, dass ich dachte: So ein ’Ding’ möchte ich auch einmal haben.“ Und das, obwohl Peter Meier gar kein Musiker ist. Kurze Zeit später kaufte sich der gelernte Schreiner seine erste Cajón und lernte, darauf zu spielen. Er beschäftigte sich ausgiebig mit der Bau- und Funktionsweise, und schließlich fertigte er eigene Cajóns für Freunde und Bekannte.

Vor anderthalb Jahren keimte die Idee, sich hauptberuflich damit zu beschäftigen. Aber erst das Schicksal gab ihm den entsprechenden „Schubs“. Der gelernte Schreiner und Fensterbauer wurde arbeitslos. Seit Februar 2012 betreibt Peter Meier nun die Cajón-Manufaktur Capeme in der Altenhagener Straße in Hagen – die einzige ihrer Art in der Region.

Einzigartige Manufaktur

In seiner eigenen kleinen Werkstatt stellt er Cajónes in allen Größen und Klangvariationen her. Der Korpus ist in der Regel aus Multiplex-Birke, die Schlagfläche aus Birken- oder Flugzeugsperrholz. Verwendet werden reine Naturmaterialien. Dazu gibt es verschiedene Furniere: aus Olivenbaum, Nussbaum, Buche oder Mahagoni oder fast jeder anderen Holzart. „Jedes Holz hat eine andere Schwingung, daher klingt jedes Cajón anders“, erklärt der Fachmann. In den heutigen Cajónes verwendet man nicht mehr nur Gitarrensaiten. Es gibt auch Variationen mit sogenannten Snare-Teppichen (wie bei der Snare-Trommel eines typischen Schlagzeugs), wodurch ein eher mechanischer, blecherner Sound erzeugt wird. Von der Planung bis zum fertigen Instrument benötigt Peter Meier rund eine Woche. Spezielle Kundenwünsche und ein individuelles Design berücksichtigt der Schreiner gerne. Zudem bietet er spezielle Baukurse an, in denen die Musiker ihre eigene Kistentrommel unter seiner fachkundigen Anleitung fertigen.

Der Ursprung

Angefangen hat alles mit einer Transportkiste. Den peruanischen Sklaven war es während der Kolonialzeit verboten, auf den Plantagen der Großgrundbesitzer ihre traditionellen Trommeln zu benutzen. Aus der Not heraus verwendeten sie kurzerhand Transportkisten für Fisch, Obst und Tee als Trommelersatz. Die Cajón (aus dem Spanischen: Kiste) war geboren. Anfang der 1970er Jahre wurde sie von den Spaniern nach Europa gebracht und löste langsam aber sicher Congas und Bongos zur Begleitung des Flamencos ab. Die Kistentrommel entwickelte sich in den letzten Jahren immer mehr zu einer Alternative zum klassischen Schlagzeug und gewinnt auch im Rock und Pop an Popularität, wo sie heute als vielseitiges Percussioninstrument eingesetzt wird. Zum einen überzeugt die Klangbandbreite, zum anderen der leichte Transport und die kompakte Größe, wodurch die Cajón insbesondere auf kleinen Bühnen und auf engem Raum gut einsetzbar ist.

Trommeln nach Maß

Nicht nur die Fertigung der Holzboxen fasziniert Peter Meier, auch das Spiel. „Rhythmus und Klang reißen einfach mit“, zeigt sich der Hagener begeistert. Gemeinsam mit Musiker Haan Hartmann, der eine eigene Schlagzeugschule und ein Tonstudio betreibt und das Cajón-Spiel auch schon an Schulen angeboten hat, führt Peter Meier Cajón-Workshops in seinen Räumlichkeiten durch. „Ob Mann oder Frau, alt oder jung, das Trommeln auf einer Cajón ist etwas für jedermann“, sind sich die beiden einig. Schon nach kurzer Zeit beherrsche man die Grundschläge. Wer das Cajón einmal in Aktion sehen möchte, sollte sich den heutigen Samstagabend (5. Mai 2012) vormerken. Dann spielt Haan Hartmann auf der kleinen, aber klangkräftigen Holzkiste mit seiner Band Slick’s Kitchen um 20 Uhr in der Gaststätte „Tante Alma“ in Herdecke. Geboten wird ein akustischer Abend von Elvis bis Motörhead.

Weitere Informationen rund um das schlagkräftige Instrument gibt es bei Peter Meier, Telefon 0 23 31 / 4 78 83 81.