Von der Volme an den Yangtzee

Hagen. (san) Mit offiziellem Empfang von Bürgermeister Zhong Zhi Sheng sowie kulturpolitischen Abgesandten der Provinz Jiangxi ist eine Gruppe heimischer Musiker um Cembalist Helmut Schröder und der Ausnahme-Pianistin Huijing Han Anfang des Jahres in Jiujiang begrüßt und umworben worden. Der Hagener Besuch galt dem dortigen Jiujiang University Art Institute (28.000 Studierende) und währte zehn Tage in der für chinesische Verhältnisse nicht allzu großen Stadt (vier Millionen Einwohner). Das Treffen könnte der Beginn eines Musik-, wenn nicht Kulturaustauschs auf breiterer Ebene werden. „Doch dazu müsste die Hagener Politik unterstützend mitspielen“, hoffen die Beteiligten.

Tausende begeistert

Initiiert haben diese Begegnung in 15.000 Kilometer Ferne am Yangtzee-Fluss neben Helmut Schröder, der bis zum 31. Januar 2015 die Max-Reger-Musikschule leitete, die hier lebende Pianistin Han sowie ihr Ehemann Kejia Xiung, Solotenor am Hagener Theater. Sie haben die Kontakte zum Direktor der chinesischen Universität aufgenommen und können bis heute kaum glauben, auf welch’ großen Händen sie dort getragen wurden. Mit neun weiteren Pianisten, Flötisten und Sängern aus der Volmestadt, Dortmund und Berlin, gaben sie auf dem Campus ein Konzert vor über tausend begeisterten Besuchern. Das Ereignis fand große Beachtung in den dortigen Medien. Auch gaben die deutschen Musiker pausenlos Unterricht an ihren Instrumenten.

„Die Begeisterung und Lernfreude der angehenden chinesischen Musiker ist schier unglaublich“, beschreibt Schröder das Zusammentreffen. „Deutschland ist für sie immer noch das Land der größten Musiker wie Brahms oder Beethoven“, weiß Huijing Han aus eigener Anschauung. Sie stammt aus Shanghai und kam 2000 nach Berlin, um das Piano zu studieren. Auch die Tochter von Bürgermeister Zhong Zhi Sheng studiert Musik und wartet bereits auf die Zusage, sich bald an einer deutschen Universität vervollkommnen zu dürfen.

Austausch fortsetzen

So begeistert waren die Offiziellen im südchinesischen Jiujiang, dass man den deutschen Musikern sogleich Gastprofessuren verlieh. Und man möchte mehr: der Austausch auf hohem musikalischen Niveau soll ein beständiger werden. Während sich Helmut Schröder, Kejia Xiung und die Kollegen noch Gedanken machen, wie man einen Gegenbesuch der Chinesen an der Volme organisieren kann – nicht einen einzigen Cent haben die Deutschen für Flug und Hotel bezahlen müssen -, hat Dekan Weiyong Wu schon die nächste Einladung für die Sommerferien ausgesprochen.

Natürlich wollen die chinesischen Musiker nur zu gerne nach Hagen im Sinne eines Ausbildungsaustauschs kommen. „Das ist doch eine großartige Chance für die Volmestadt, sich auf musikkulturellem Gebiet zu präsentieren“, sieht der bisherige Musikschulchef einen gemachten Anfang. Als beinahe Ruheständler – Musiker bleibt er zeitlebens – hätte er zudem Kapazitäten für ein solche Ehrenamt. So möchte Schröder den Austausch gerne weiter begleiten.

Bei einem Abstecher auf der Reise in die Nachbar- und Chinas Porzellan-Hauptstadt Jingdezhen, dachte man gar schon eine Kunst-Ausstellung in Hagen an. Den Kulturaustausch zu erweitern, bleibt aber wohl Wunschdenken, muss doch erst einmal ein Gegenbesuch verwirklicht werden. „Ohne Spenden aus heimischen Unternehmen wird es wohl nicht gehen,“ ist sich die Hagener Musiker-Delegation einig, die nur zu gut die klamme Hagener Haushaltskasse kennt. Aber durch die Finanzlage wollen die Musiker von der Volme die begeisterungsfähigen und talentierten asiatischen Mitstreiter und die Chancen, die ein solcher Kontinente übergreifender Austausch bietet, nicht vergrault wissen.