Hagen. Rotglühend schiebt sich die Bramme aus dem Ofen. Beim Kühlvorgang schießt das Wasser zischend über den knapp 1000 Grad Celsius heißen Stahlblock. Dampf steigt auf. Maren Cordes nickt beeindruckt: „Dieser Prozess ist gigantisch. Hier werden alle Sinne angesprochen.“

Die 41-jährige Studentin gehört zu einer Besuchergruppe der Fernuniversität in Hagen, die die Produktion des Duisburger Stahlkonzerns Thyssenkrupp am Standort in Hohenlimburg besichtigen. Das Werk walzt Stahl für spezielle Anforderungen unter anderem in der Automobilindustrie.

Die Unternehmensbesichtigung ist Teil des Programms für die Studierenden der Fernuniversität, die im Wintersemester 2018/19 ein Deutschlandstipendium erhalten. Bei einem Besuch in Hagen gingen sie auf Tuchfühlung mit der Geschichte und Wirtschaft der Stadt. Außerdem lernten sie die Förderer der Stipendien kennen.

Stipendium und Sponsoring

„Das Deutschlandstipendium ist eine hohe Auszeichnung für mich, es bestätigt mich“, fasst Maren Cordes zusammen, die als Pädagogische Fachkraft an einer Grundschule arbeitet und Bildungswissenschaften studiert. „Von der monatlichen Unterstützung gönne ich mir Fachliteratur und belege in diesem Semester zwei Module statt eins.“ 300 Euro, die sich Bund und Unternehmen oder Privatpersonen teilen, schaffen Freiräume für die Stipendiatinnen und Stipendiaten.

Als Hauptsponsorin tritt seit 2012 die Gesellschaft der Freunde (GdF) der Fernuniversität auf. Darüber hinaus engagieren sich Unternehmen und Privatpersonen aus der Region. „Im Vordergrund unseres Engagements als Förderer des Deutschlandstipendiums stehen die Unterstützung talentierter Studierender sowie die Möglichkeit des persönlichen Kontaktes, auch im Sinne der Nachwuchssicherung unseres Unternehmens. Darüber hinaus bietet uns die Kooperation mit der Fernuniversität in Hagen die Gelegenheit, regional Verantwortung als ,guter Nachbar‘ zu übernehmen und einen Beitrag zum Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu leisten“, so Markus Zobel, Leiter Human Resources Management bei Thyssenkrupp Hohenlimburg.

Stadtrundfahrt

Während ihres Aufenthaltes gingen die Stipendiaten auch auf Tuchfühlung mit Hagen: Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff zeigte ihnen auf einer Rundfahrt Ecken des alten und neuen Hagens. „Hagen ist eine Stadt, die bunt ist“, ordnete Eckhoff das soziale Profil ein, bevor er zu einem Parforceritt durch die Geschichte der Stadt ansetzte und insbesondere aktuelle Bezüge zum Bauhaus-Jahr knüpfte. Auf Wirken des Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus arbeitete der Architekt und spätere Gründer der Bauhaus-Bewegung Walter Gropius in Hagen. „Von hier wurde stark in die Zukunft gedacht“, so der Kunsthistoriker – eine guter Ausgangspunkt für einen Hochschulstandort.