Von Haus aus auf schlau

„Hagener Slang zum Nachschlagen“: Die erste Auflage ist bereits komplett vergriffen. Oliver Nickels Lesung am 14. September bietet somit auch die Möglichkeit einer kleinen Einstimmung auf die für November geplante zweite Auflage. (Foto: Holtmann)

Hagen. (EE/ME) „Teilchen kaufen“ ist eine Hagener Tätigkeit. Ebenso wie Stielaugen machen“ oder aber einen Ball teicheln“ zu lassen. Der Hagener Slang lässt sich von Ortsfremden mitunter nur schwer verstehen und sorgt somit oftmals für Verwirrung. Sehr zur Freude von Dr. Oliver Nickel. Er hat sich – wie der wk schon mehrfach berichtete – mit dem Thema eingehend beschäftigt.

In Kürze liest der gebürtige Hagener im Rahmen der VHS/Stadtbücherei-Lesereihe „Hagen <w>örtlich“ aus seinem Buch Hagener Redensarten: Von Haus aus auf schlau – Hagener Slang zum Nachschlagen“.

Dr. Oliver Nickel, heute in Nürnberg lebend, hat die Sprache der Volmestädter genau unter die Lupe genommen, das Rezept für den Hagener Slang sei eine recht bunte Mischung: Man nehme eine Portion Ruhrgebietsdeutsch, angereichert mit Resten des westfälischen Platt sowie eine Prise Rotwelsch und Jiddisch. So liebe es der Hagener, genau wie alle Bewohner des Ruhrpotts, an allen Enden und Ecken zu sparen“ und lange Vokale und auch Endungen abzukürzen. Ein „er“ wird beispielsweise so zum „a“ verkürzt. Allerdings sei die Aussprache in der Volmestadt weitaus weicher als im Pott. So wird ein „g“ mitten im Wort durch ein „ch“ ersetzt. Weiterhin schmückt sich ein Tätigkeitswort nicht selten mit einem davorstehenden am“. In einem Auto mit Hagener Kennzeichen könnte ein nerviger Beifahrer also folgendes zu hören bekommen: „Watte domma! Ich bin doch grad am fahren, willße heut nich mehr ankomm in Gevelsberch?“

In Oliver Nickels Buch finden sich über 600 Wörter, welche als „typisch Hagenerisch“ eingestuft werden. Und dennoch handelt es sich nicht um ein wissenschaftlich orientiertes Werk, sondern in erster Linie um Unterhaltung. „Zwischen Gossensprache und kultureller Hochsprache“, so vielseitig ist die Spanne der Wörter, in denen sich der Autor bewegt. Beim Sammeln des Hagener Wortschatzes halfen alte Freunde genau wie Prominente, etwa die Musiker Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg sowie Ex-Basketballer Martin Schimke.

Erst in der Ferne…

Die Besonderheit der Hagener Redensart habe der Autor, welcher hauptberuflich Geschäftsführer einer Werbefirma ist, in der Ferne verstanden. Nach seinem Abitur am Albrecht-Dürer-Gymnasium 1963, zog es Nickel erst nach Karlsruhe, später nach Saarbrücken und schließlich nach Nürnberg. Erst außerhalb der Volmestadt merkte er, wie einige Wörter reichlich Erstaunen bei seinem, nicht aus Hagen stammendem Gegenüber auslösen konnten. Die Idee für eine unterhaltsame Wort- und Redensart-Sammlung war geboren.

Einstimmung

Die erste Auflage ist bereits komplett vergriffen. Die Lesung bietet somit auch die Möglichkeit einer kleinen Einstimmung auf die für November geplante zweite Auflage. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 14. September, um 19 Uhr in der Stadtbücherei Hagen, Springe 1, statt. Der Eintrittspreis beträgt 3 Euro.