Vorbildlicher Ausbildungsplatz

Hagen. (san, 17.04.10) Während sie an der Kasse steht und den nächsten Kunden bedient, schläft der kleine Collin seelenruhig in seinem Bettchen im Hinterzimmer. Muss sie den Bestand im Warenregal kontrollieren, wird das Baby von der Chefin höchstpersönlich gefüttert…

Sinah Pellerei zieht ihre Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel durch – als junge Mutter eines gerade einmal 13 Wochen alten Kindes. Oder besser: Sie hat die großartige Chance, die Lehre in Vollzeit fortzuführen, weil ihre Chefin und ihre Kollegen es ihr ermöglichen.

„Natürlich schrillten bei mir gleich die Alarmglocken: ganz jung, noch in der Ausbildung und alleinerziehend – das kann doch gar nicht gut gehen,“ erinnert sich Doris Kretschmann, Pächterin der Esso-Tankstelle an der Berliner Straße, an den Tag, an dem sie von der Schwangerschaft erfuhr. Durch die persönliche Vermittlung von SIHK-Berater Anton Krajnik hatte sie die 20-Jährige 2008 unter Vertrag genommen. Weil die junge Frau einen Wechsel ihrer Ausbildungsstelle vorzunehmen hatte, wandte sich Sinah Pellerei an die Handelskammer, um ihre Rechtslage in so einem Fall zu klären.

Vorbildlich

Anton Krajnik, eigentlich in erster Linie als Berater für Betriebe zuständig, die ausbilden wollen, nahm sich ihrer an und stieß bei Doris Kretschmann auf offene Ohren. „Vier weitere Mitarbeiter machen zur Zeit ihre Ausbildung hier,“ lobt der Berater die überdurchschnittliche Quote in dem Hasper Betrieb.

Zwar gibt es für Auszubildende rechtlich die Möglichkeit einer Teilzeitstelle, damit die jungen Mütter nicht den ganzen Tag auf eine Betreuung angewiesen sind, doch decken sich die Lern-Zeiten nicht immer mit der festgelegten Alltagsstruktur. Das weiß auch Chefin Kretschmann. Zusammen mit ihren weiteren Angestellten macht sie nun etwas möglich, was Krajnik als absolute Neuerung bezeichnet: Sinah Pellerei kann in Vollzeit ihre Ausbildung zu Ende bringen und muss sich zudem keine Sorgen um die Babybetreuung machen.

„Oft pfiffiger“

Sie ist immer in Collins Nähe und kann sich auch auf die Kollegen verlassen, wenn die Windel im unpassenden Moment voll ist. Und so, wie der Kleine strahlt und quietscht, scheint er die Aufmerksamkeit der „großen Familie“ sehr zu genießen. Doris Kretschmann, die selbst noch keine Enkel hat, freut sich Ersatzomi „Dodo“ zu sein, und auch die anderen meinen, das Kümmern sei doch „kein Thema.“

Leider gebe es immer noch viel zu wenige Unternehmen und Betriebe, bei denen die Kinderbetreuung ihrer Angestellten in irgendeiner Weise berücksichtigt wird, bedauert Anton Krajnik. Und viel zu oft bleiben die jungen Mütter auf der Strecke, weil die Arbeitgeber durch Kinder immer einen eingeschränkten Arbeitseinsatz wittern. „Dabei sind die Mütter gerade diejenigen, die tagtäglich ihr Organisationstalent unter Beweis stellen und oftmals pfiffiger sind.“

Deshalb setzt sich der Berater der heimischen IHK auch mit großem Engagement für seine „schwierigen Fälle“ ein. Und – die Vermittlungsrate von 90 Prozent bestätigt ihm, dass der persönliche Kontakt die potentiellen Auszubildenden besser präsentiert als Zeugnis und Bewerbungsschreiben.

Großes Glück

Sinah Pellerei weiß um ihr außerordentliches Glück: In ein paar Monaten ist sie Kauffrau im Einzelhandel, ohne dass ihr kleiner Sohn unter einer zeitgestressten Mama leiden musste. Zudem haben alle Beteiligten die Erfahrung gemacht, dass schwierige Situationen nicht zwangsläufig zu einem problematischen Arbeiten führen, wenn alle an einem Strang ziehen. “Oma Dodo“ jedenfalls mag noch gar nicht daran denken, das Kind irgendwann nicht mehr zu schaukeln…

Arbeitgeber mit sozialem Engagement, die sich ebenfalls „schwieriger Fälle“ annehmen möchten, aber auch junge Menschen, die alleine bei ihrer Lehrstellensuche nicht weiterkommen, finden beim SIHK-Berater für kaufmännische Berufe Anton Krajnik unter der Rufnummer 02331/ 390-268 offene Ohren.