Vorsicht, britische Drücker!

Die 71-jährige Renate S. ist erschüttert. Ungebetene britische Arbeiter ramponierten die Teerdecke der Einfahrt zur Garage. Sie gaben vor, sie für 25 Euro erneuern zu wollen. Erst der herbeigerufene Sohn stoppte die illegalen Arbeiten. Die Polizei hingegen kam nicht. (Foto: Anna Linne)

Eilpe. (anna) Es ist ein ruhiger Donnerstagmorgen: die 71-jährige Renate S., die ein Haus in Eilpe an der Straße Zur Höhe besitzt, hat gerade gefrühstückt, als es gegen 10 Uhr stürmisch an der Haustür klingelt. Ein großer, kräftiger Mann lehnt im Türrahmen und erklärt der Dame in gebrochenem Deutsch und mit englischem Akzent, dass er und seine Leute jetzt den Auftrag erledigen und die Garageneinfahrt für 25 Euro fertig stellen werden.

Und während er noch auf Renate S. einredet, hört sie, wie bereits andere Männer auf dem höher gelegenen Garagengelände mit der Spitzhacke zu Werke gehen. „Ich habe keinen Auftrag erteilt“, schreit die Frau den Fremden an, eilt zur Garage hoch und ruft nur: „Stopp, stopp!“

Mit Erschrecken muss sie feststellen, dass ein Teil des Asphalts schon herausgehackt wurde. Schnell rennt sie ins Haus und ruft ihren Sohn, Marc Piros, in Haspe an. „Der kann wenigstens Englisch und sich mit den Männern verständigen“, erklärt sie ihren Hilferuf.

Polizei ohne Interesse?

Der Sohn macht sich sofort auf den Weg, setzt aber, noch von zu Hause aus, schon mal die Polizei von dem „Überfall auf seine Mutter“ in Kenntnis. Doch der Beamte habe gelassen reagiert: „Fahren Sie erst einmal da hin und sagen Sie uns Bescheid, wenn es eskaliert“, soll der Beamte am anderen Ende der Leitung gesagt haben. Ein Verhalten, das Renate S. nicht versteht. Sie war allein mit den vielen Männern, die sie bedrängten, und hatte große Angst. „Wenn die Polizei sofort gekommen wäre, hätte sie die Betrüger auf der Stelle überprüfen können, denn in dieser engen Straße gibt es keinen anderen Ausweg. Sie wären der Polizei unweigerlich ins Netz gegangen“, ärgert sich die Seniorin.

Bei der Stadt Hagen stieß ihr Erlebnis auf größeres Interesse. Dort wollte man den Zoll auf diese wahrscheinlich illegalen Arbeiter aufmerksam machen.

Als der Sohn die steile Straße hinauffährt, entdeckt er einen weißen Sprinter und einen Pickup, beide mit britischen Kennzeichen. Vor der Garage seiner Mutter steht ein Arbeiter mit einer Spitzhacke und Schubkarre. Die Teerdecke ist mittlerweile stark ramponiert und die Schubkarre voll mit Asphaltresten.

Im schönsten Deutsch

Als der Sohn von Renate S. erschien und die illegalen Arbeiten vor der Garage stoppte, kippten die britischen Arbeiten den bereits entfernten Asphalt einfach am Grundstück ab. Jetzt kann die Seniorin sich um die Reparatur kümmern. (Foto: Anna Linne)

„Als ich von dem Arbeiter wissen will, was er da mache, steigt aus dem Pickup ein anderer Mann aus und fragt im schönsten Deutsch ’Hallo, wie geht’s?’“, berichtet Marc Piros. „Wir haben den Auftrag hier zu asphaltieren, die Frau hat Ja gesagt“, erklärt ihm einer der Männer. Als im weiteren Verlauf des Gesprächs der Sohn nach der Sozialversicherungsnummer des Arbeiters fragt, packen die Männer ihre Sachen zusammen, schütten den Asphalt einfach auf die Straße und wollen in ihre Autos steigen. „Wir sollen hier aufhören zu arbeiten“, schreit einer der Männer.

Jetzt mischt sich der Sohn erneut ein und verlangt von den Briten die sofortige Reparatur der Garageneinfahrt. Dazu müssten sie erst einmal Asphalt holen, sollen die Männer geantwortet haben. In einer halben Stunde seien sie wieder vor Ort.

„Mir war schon klar, dass ich die fünf bis sieben Männer, die in den beiden Autos saßen, nie wieder sehen würde“, berichtet Marc Piros, „trotzdem habe ich gewartet. Dann bin ich zur Polizei gefahren und habe den Sachverhalt noch einmal geschildert.“

Anzeige

Einen Tag später erstattet Renate S. eine Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt, schließlich ist ihre Einfahrt derart beschädigt, dass sie nun dringend repariert werden muss. Eine Versicherung kommt für solche Schäden nicht auf.

Am Montagabend wurde vom WDR in der Sendung „Kriminalreport“ vor solchen britischen Bautrupps gewarnt. Dort hieß es, man solle bei Kontakt mit diesen Betrügern sofort die Polizei rufen. Darüber kann die Eilperin nur ergrimmt lachen…