Vorsicht, Wespenstich

Hagen. (AnS) Wenn die Pflaumen reif werden, kommen die Wespen – so heißt es im Volksmund. Und wirklich, egal, ob beim Eisschlecken im Freibad oder Grillen auf der Terrasse: Zur Zeit ist man vor den schwarz-gelben Insekten nicht sicher. Kaum riechen sie Essbares, umschwirren sie die Lebensmittel.

Sehr zum Leidwesen der Menschen – und die Stichmeldungen häufen sich. Der Kollegin stach eine Wespe ins Gesicht, die Tochter trug einen Stich an der Hand davon, der Schwiegermutter krabbelte das Insekt ins Dekolleté. Warum erscheinen gerade in diesen heißen Sommertagen die fliegenden Tierchen so aggressiv?

Süße Lebensmittel locken

Die Antwort gibt Ralf Blauscheck von der Biologischen Station Hagen:  „Die derzeitige schwülwarme Wetterlage mit Temperaturen über 25 Grad und Gewitterstimmung lassen die Wespen aggressiver werden als sonst.“ Je kühler es ist, desto ruhiger verhält sich das Insekt.  „Zudem“, erklärt der Experte,  „befinden sich die Wespen in der Endphase ihrer Staatenbildung.“ Die Wespen sind auf Nahrungssuche, lagern Wasser ein und bauen ihr Heim weiter aus: Sie wollen die Qualität ihres Volkes bewahren. Da locken natürlich Kuchen, Limonade und andere süße Lebensmittel. Das trockene und warme Jahr begünstigt die Entwicklung der Insekten, Nester mit bis zu 2000 Tieren und mehr sind zur Zeit keine Seltenheit.

Problematisch wird es, wenn der kunstvolle Bau der Wespen sich in der Nähe der Terrasse oder Wegen befindet. Wespen bauen Nester gern in hohlen Bäumen und an geschützten Hauswänden.  „Oft verbirgt sich hinter der kleinsten Lücke ein riesiges Nest“, weiß Ralf Blauscheck. Die festgelegte Flugbahn der Schwarz-Gelben birgt Konfliktpotential sobald man sie kreuzt. Die Tiere verteidigen sich.

Flugbahn umleiten

Von einer Umsiedlung oder gar Entfernung des Nestes hält der Experte allerdings nichts:  „Wir versuchen die Leute immer zu überzeugen, das Nest dort zu lassen, wo es ist.“ Zumal eine Entfernung durch Imker oder Feuerwehr auch kostenpflichtig ist. Sein Tipp: Die Flugbahn umleiten, beispielsweise durch ein Brett, das in den Abendstunden angebracht werden kann, dann, wenn die Tiere schlafen. Die Sorge, dass die Insekten zu Dauergästen werden, ist unnötig. Sie sterben im Herbst und das Nest wird danach nicht mehr besiedelt.  „Spätestens Mitte September ist der Spuk beendet und dann kann das leere Nest gefahrlos entfernt werden.“

Wer hier übrigens nascht, ist in der Regel eine Deutsche oder „Gemeine Wespe“. Alle anderen Arten, die in Mitteleuropa leben, interessieren sich normalerweise nicht für Lebensmittel und geraten daher dem Menschen nicht ins Gehege. Gegen den hungrigen Besuch hilft nicht viel. Von Ablenkungsmanövern mit zuckerhaltigen Speisen und gar Glasflaschen mit süßem Inhalt hält Experte Blauscheck nichts.  „Manchmal bewirkt ein Köder eher das Gegenteil und lockt noch mehr an. Zudem: Der gedeckte Tisch ist meist interessanter, Pflaumenkuchen für die intelligenten Flügler eben leckerer.  Und dann versuchen sie sich natürlich durchzusetzen.“

Ruhe bewahren

Viele Menschen reagieren panisch, wenn ihnen im Sommer Wespen begegnen. Panik ist jedoch der falsche Weg – besser ist es, Ruhe zu bewahren, um einen Stich zu vermeiden. Aber Respekt vor den Tieren ist durchaus angebracht: Ihr Gift ist ein starker Allergieauslöser und kann im schlimmsten Fall lebensgefährlich sein. Trotzdem: Hektische Bewegungen oder Anpusten machen die fliegenden Störenfriede nur aggressiver.

Nicht barfuß laufen

Im Freibad, im eigenen Garten oder auf einer Wiese ist es schnell passiert: Man ist unachtsam, tritt auf eine Biene oder Wespe und wird gestochen. Tragen Sie also lieber geschlossene Schuhe. Bunte Kleidung zieht Insekten an – tragen Sie besser helle Farbtöne. In eng anliegenden Kleidern verfangen sich Insekten nicht so leicht. Insekten werden von intensiven Düften angezogen. Verzichten Sie deswegen im Sommer lieber auf intensive Parfums, Cremes und Haarsprays.  „Aber auch da steckt man nicht drin. Manche Wespen werden bei bestimmten Düften, aber auch Schweißgeruch sofort aggressiv und stechen zu. Manchmal finden sie den Geruch aber auch interessant und schnuppern ruhig“, so Ralf Blauscheck. Das Verhalten sei nicht immer nachvollziehbar.

Getränke mit Strohhalm trinken

Insbesondere Wespen werden stark von zuckerhaltigen Getränken angezogen und setzen sich gerne in Trinkgläser und unverschlossene Flaschen. Gefährlich wird es, wenn man versehentlich eine Wespe verschluckt und in Mund oder Hals gestochen wird. Deswegen gilt: Trinkgefäße verschließen und immer einen Strohhalm benutzen. Bei Picknick und Grillabenden im Freien besonders vorsichtig sein. Decken Sie Speisen ab und blicken Sie zusätzlich vor jedem Bissen auf Ihr Besteck. Wespen halten sich gerne in der Nähe von Mülleimern auf, da sie dort Nahrung im Überfluss finden. Meiden Sie daher Mülleimer und benutzen Sie bestenfalls keine öffentlichen Mülltonnen. Ihren unterwegs anfallenden Abfall können Sie auch mitnehmen und zu Hause entsorgen.

Reifes Obst ist besonders zuckerhaltig und lockt somit umso mehr Insekten an. Achten Sie darauf, Obstbäume und Beerensträucher rechtzeitig und regelmäßig abzuernten, sonst haben Sie schnell mehr fliegende Besucher als Sie sich wünschen.

Hausmittel

Sollte man doch mal gestochen worden sein, helfen oft Hausmittel, den Schmerz und den Juckreiz zu lindern: Die Stichstelle mit Spucke einreiben und eine Zwiebel- oder Zitronenscheibe auflegen. Ein Kühlpack schafft ebenfalls Linderung. Aufpassen müssen Allergiker. Spürt man nach einem Stich Schwindel und Übelkeit oder auch Herzrasen, sollte sofort ein Arzt verständigt werden. Oft liegt eine Insekten-Allergie vor, die vorbeugender Maßnahmen bedarf.