Vulkanausbruch und Pool-Party

Hagen. (AnS) Paulina Fritz hat Mut bewiesen: Die 18-jährige Hagenerin ging für ein halbes Jahr nach Lateinamerika, um dort zu leben und als Lehrkraft zu arbeiten. Der Wochenkurier berichtete mehrfach über die junge Frau. In ihrem heutigen Bericht erzählt sie über ihr Schulprojekt, eine Basketball-AG und ihren Geburtstag mit Pool und Pinata.

„Im Januar hat endlich wieder mein Projekt in der „Schule der Hoffnung“ begonnen. Bis Ende März arbeite ich zusammen mit der Lehrerin María und unterstütze sie im Unterricht mit den Vorschülern. Diese sind in zwei Klassen eingeteilt und haben je einen Tag Spanischunterricht und einen Tag Englischunterricht. Meine erste Aufgabe lautete: ’Lerne die Namen von den 50 Kindern’. Das wäre vielleicht noch einfacher, wenn nicht ausnahmslos alle zwei bis drei Vornamen hätten  Nach zwei Wochen konnten alle bereits ihre Namen selber schreiben. In der ersten Woche hieß es noch weinende Kinder trösten, mittlerweile wird hauptsächlich gemalt, gebastelt, gesungen und getanzt.

Hausaufgaben müssen sein

Etwa einmal in der Woche ist es dann meine Aufgabe, Hausaufgaben in die 50 Schulhefte zu übertragen. Die Hausaufgaben sind immer Wiederholungen des Neugelernten und bestehen daraus, das jeweils Gefragte mit Transparentpapier zu bekleben oder kreativ zu gestalten.

Kuscheleinheiten müssen sein. (Foto: privat)
Kuscheleinheiten müssen sein. (Foto: privat)

Zwischen den sechsjährigen Jungen und Mädchen gibt es sehr große Unterschiede, einige passen gut auf und arbeiten mit, andere machen durchgehend Blödsinn und verstehen nicht, was man von ihnen will. Ebenso ist es mit deren Familien: Manche unterstützen ihre Kinder, indem sie ihnen bei den Hausaufgaben helfen, andere übernehmen direkt das Erledigen der Hausaufgaben und wieder andere können selber nicht lesen oder informieren sich nicht über den Schultag der Kinder.

Viel Zeit wird täglich dafür benötigt, den Kindern Schimpfwörter auszureden und Hygiene näher zu bringen (Toilettenpapier benutzen, Nase putzen, Hände waschen ). Nach dem Sportunterricht geht es unter die Dusche, was bei vielen zu Hause kein Teil des Alltags ist. Und einige bekommen hier ihre einzigen Mahlzeiten am Tag.

Ich habe hier jede Menge Spaß, die Vormittage mit den Kindern bereichern mich in vielerlei Hinsicht, und die vielen Kuscheleinheiten und Gespräche mit den Kindern werde ich sehr vermissen, wenn es wieder nach Hause geht.

Geburtstag am Pool

Mein Geburtstag war in diesem Jahr ganz besonders für mich. Einen Tag zuvor fuhr ich mit sieben Freunden aus Deutschland, Belgien, Norwegen und Guatemala an den Strand in einen Ort namens Puerto San José. Die Familie eines guatemaltekischen Freunds hat dort ein Haus, wo wir die Nacht verbringen durften.

Ein Besuch im Exotikmuseum in der Nähe von Antigua: Paulina Fritz durfte verschiedene Schlangen auf den Arm nehmen. (Foto: privat)
Ein Besuch im Exotikmuseum in der Nähe von Antigua: Paulina Fritz durfte verschiedene Schlangen auf den Arm nehmen. (Foto: privat)

Das riesige Haus bot nicht nur genügend Schlafmöglichkeiten für uns alle, sondern auch einen großen Pool, Whirlpool und schönen Außenbereich mit Poker- und Tischtennistisch. Nach einem fröhlichen Abend sind wir um Punkt Mitternacht in den Pool gesprungen und anschließend bekam ich mein ganz besonderes Geschenk: Eine Pinata! Diese durfte ich also mit verbundenen Augen zerschlagen und hatte anschließend zwei volle Tüten mit Süßigkeiten. Am nächsten Morgen ging es übermüdet in die Schule, wo ich ein süßes Geburtstagsständchen von den Kindern bekommen und mich anschließend mit Süßigkeiten bedankt habe.

Nachdem ich den Nachmittag mit Skypegesprächen nach Deutschland verbracht habe, genoss ich den Abend im Kreis meiner Gastfamilie. Mia, meine kleine Gastschwester, hat einen Luftballon mit unseren Namen an meine Tür gehängt und eine Karte auf mein Bett gelegt.

Meine Gastmama berichtete mir, dass die Familie zusammen mit den beiden anderen Freiwilligen Pizza zum Abendessen organisiert hätte, extra für mich. Ich für meinen Teil hatte einen Kuchen besorgt und während ich dabei war, diesen anzuschneiden, wurde mir ein weiteres spanisches Geburtstagslied gesungen. Das war einer meiner schönsten Geburtstage bisher und definitiv der Wärmste und Speziellste.

Vulkanausbruch

Der Vulkan Fuego ist ausgebrochen, ganz Antigua war von dunklen Wolken umgeben und es regnete Vulkanasche. Man konnte nur noch mit Gesichtsmasken durch die Straßen laufen und einige Menschen mussten evakuiert werden, Schlimmeres ist zum Glück nicht passiert.

Die Asche ist jedoch noch heute, eine Woche später ein Problem, vor allem deshalb, weil es zurzeit sehr windig ist. Der Februar ist hier in etwa wie unser April: Sonne, Wolken, Regen, Wärme und Kälte wechseln sich ab und können dem Körper schon mal zu schaffen machen.

Basketball

Diese Woche habe ich auch mit einer Basketball-AG begonnen, die von nun an jeden Donnerstag stattfindet. Zehn Kinder von Klasse 4 bis 6 sind dabei und haben sehr viel Spaß! Leider gibt es auf dem Schulgelände keine guten Körbe, die Bälle sind ziemlich platt und die Kinder haben keine richtigen Sportklamotten, aber hier passt man sich eben den Gegebenheiten an und macht das Beste aus den Möglichkeiten. Ich habe ihnen die Grundlagen des Dribbeln und Passens beigebracht. Am Ende des ersten Tages haben mich alle umarmt und mir gesagt, dass sie den nächsten Donnerstag kaum erwarten können – was gibt es Schöneres zu hören?!“