Wachwechsel auf dem Dach

Der 41-jährige Schornsteinfegermeister Dirk Engelbrecht (r.) übernahm am 1. November den Kehrbezirk 15, der Eilpe, Dahl Priorei und Rummenohl umfasst, von seinem älteren Kollegen Andreas Luschnart, der sich aus Krankheitsgründen nicht mehr als Schornsteinfeger betätigen kann. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (anna) Im Kehrbezirk Hagen 15 steht ein Wechsel ins Haus. Der beliebte und bekannte 52-jährige Bezirksschornsteinfegermeister Andreas Luschnart muss seinen Bezirk aus Krankheitsgründen an seinen Nachfolger Dirk Engelbrecht (41) abgeben. Der neue Bezirksschornsteinfegermeister wird nun bei seinen Kunden in Eilpe, Dahl, Priorei und Rummenohl für saubere Schlote und gut funktionierende Abzüge sorgen.

Damit hatte sich der Dortmunder Kaminkehrer Engelbrecht, der bisher seinen Dienst in Bochum-Wattenscheid versah, gegen die harte Konkurrenz seiner Kollegen durchgesetzt. Denn freiwerdende Kehrbezirke müssen seit der Reform im letzten Jahr europaweit ausgeschrieben werden. Wurden die Bezirke früher einfach im Nachrückverfahren neu besetzt, sehen sich die Gesellen mittlerweile einem Prüfungsausschuss gegenüber, der aus allen Bewerbern den kompetentesten Schornsteinfeger herausfiltert.

Mit Bravour

Und weil der zweifache Familienvater aus Dortmund diese Anhörung mit Bravour gemeistert hat, darf er nun die vielen Kunden des Andreas Luschnart übernehmen. Auch wenn der sehr traurig darüber ist: „Ich habe meine Kunden echt liebgewonnen und wir haben immer gut zusammen gearbeitet“, meint der alte Bezirksschornsteinfegermeister, „aber im Rollstuhl komm ich weder in die Wohnungen, noch auf irgendein Dach.“

„Damit ein sicherer Abzug der Abgase gewährleistet bleibt, werden Schornsteine in meinem Bezirk nun von mir überprüft und gereinigt“, erklärt Engelbrecht. „Insbesondere bei Feuerung mit festen Brennstoffen in offenen Kaminen, Festbrandöfen, Holz-Zentralheizungen entsteht durch unvollständige Verbrennung Ruß, der sich im Schornstein bei Nichtentfernung entzünden und einen Schornsteinbrand bzw. genau genommen einen Rußbrand auslösen kann.“ Vor allem in den Wintermonaten häuften sich die Kaminbrände, weiß Engelbrecht, meist durch nicht sachgemäße Befeuerung. „Oft ist das Holz feucht oder das Feuer zu stark gedrosselt. Es werden auch schon mal Dinge verbrannt, die im Ofen nichts zu suchen haben. Auch eine Verstopfung des Schornsteins (zum Beispiel durch Laub, Vogelnester oder altersbedingte Schäden am Schornstein) kann zu einer Gefahr werden, wenn es dadurch zu einem Abgasrückstau kommt“, weiß der neue Kehrer. „Die meisten wissen nicht, dass sie selbst für die Reinigung des Ofenrohres ihres Kaminofens, das bis in die Wand verläuft, verantwortlich sind.

Neuordnung und Feuerstättenbescheid

Lange Zeit waren in Deutschland die Schornsteinfeger-Strukturen regelrecht festgezimmert. Dann kam die EU und forderte eine Neuordnung. Mit der Änderung des Schornsteinfegergesetzes wird den Hausbesitzern die Wahl seines Schornsteinfegers im Bereich bestimmter Tätigkeiten ermöglicht. Daher ist der Bezirksschornsteinfegermeister verpflichtet worden, für jedes Gebäude mit Feuerungsanlagen bis zum 31. Dezember 2012 einen kostenpflichtigen Feuerstättenbescheid auszufüllen. In diesem Bescheid sind alle kehr- und überprüfungspflichtigen Arbeiten sowie die terminlichen Intervalle der einzelnen Anlagen aufgelistet.

„Eine fest geregelte Feuerstättenschau, welche durchgeführt werden muss, gewährleistet die generelle Betriebs- und Brandsicherheit von Feuerungsanlagen. Die immissionsschutzrechtlichen Messungen stehen ganz im Zeichen des aktiven Umweltschutzes und sind unerlässlich“, weiß Engelbrecht.

Zuständigkeit

Für die hoheitlichen Aufgaben wie die Feuerstättenschau, die Kehrbuchführung und die Bauabnahme bei geänderten oder neu errichteten Feuerstätten bleibt auch nach der Reform des deutschen Schornsteinfegergesetzes der Bezirksschornsteinfeger zuständig.

Da der Verwaltungsaufwand eines Bezirks sehr hoch ist, verbringt Schornsteinfeger Dirk Engelbrecht einen Großteil seiner Arbeitszeit im Büro. Unterstützt von der Ehefrau, hat der ehemals angestellte Schornsteinfeger-Geselle nun selbst einen Angestellten, der ihm im neuen Bezirk zur Seite steht.

Staatliches Recht

Trotz der von der EU eingeforderten Neuordnung wird es also in Deutschland weiter einen Schornsteinfeger geben, der in seinem Bezirk beaufsichtigen darf, ob bei Heizungen und Schloten alles im Reinen ist. Hausbesitzer müssen ihm melden, ob sie ihre Anlagen haben säubern und warten lassen. Selbst reinigen ist nach wie vor verboten, auch künftig muss ein geprüfter Schornsteinfeger ins Haus kommen. Heizungsbauer oder -installateure dürfen den Service nach wie vor nicht anbieten – beziehungsweise nur dann, wenn sie eine Ausübungsberechtigung als Schornsteinfeger erwerben. Auch die Bauabnahme bleibt Privileg des Bezirks-Fegers.

„Reform hin, Reform her, wir kommen so lange, wie unsere Kunden es wünschen“, meint Engelbrecht, der sich auf seine neue Herausforderung in Eilpe, Dahl, Priorei und Rummenohl freut.