Waldorfschule Hagen wird bald 30

Hagen. (ME) Private Schulen erfreuen sich aktuell in Deutschland einer großen Nachfrage. Auch in Hagen gibt es mehrere derartige Einrichtungen: zum Beispiel die neue Hagen-Schule an der Lützowstraße oder – gleichsam als Platzhirsch – die Waldorfschule (Rudolf-Steiner-Schule) in Haspe an der Enneper Straße. Letztere besteht seit fast genau 30 Jahren.

Das Gebäude der früheren katholischen Mühlenwert-Schule an der Enneper Straße. Heute ist hierin die Hasper Waldorfschule zu finden - mit ihrer Unterstufe. Sie besteht seit knapp 30 Jahren. In den nächsten Wochen und Monaten - beginnend bereits am 8./9. Juni - wird dieser runde Geburtstag gefeiert. (Foto: Claudia Eckhoff)
Das Gebäude der früheren katholischen Mühlenwert-Schule an der Enneper Straße. Heute ist hierin die Hasper Waldorfschule zu finden – mit ihrer Unterstufe. Sie besteht seit knapp 30 Jahren. In den nächsten Wochen und Monaten – beginnend bereits am 8./9. Juni – wird dieser runde Geburtstag gefeiert. (Foto: Claudia Eckhoff)

In diesen Tagen wird eine erste Veranstaltung über die Bühne gehen, mit der die „runde Geburtstagsfeier“ eingeläutet wird. Es geht hierbei um zwei Info-Veranstaltungen am Freitag, 7. Juni, und am Samstag, 8. Juni. Während am Freitag der Hasper Waldorf-Schulmitgründer Dr. Wolfgang Saßmannshausen ab 20 Uhr über den „Kern nachhaltiger Bildung“ spricht, folgen am Samstag ab 9 Uhr Vorführungen einzelner Schulklassen, „offene Klassenzimmer“, eine Kunst- und Handwerksausstellung sowie ein Mitmachangebot der beiden Hagener Waldorf-Kindergärten (Delstern und Quambusch). Die Veranstaltung endet um etwa 13 Uhr.

In zwei Gebäuden

Untergebracht ist die Hasper Waldorfschule in zwei Gebäuden:

  •  Südlich (von Haspe aus gesehen also links der Enneper Straße) in der ehemaligen, an dieser Stelle seit 1870 existierenden evangelischen „Stennert-Volksschule“; sie trug lange Zeit – zunächst bis 1968 und dann ein zweites Mal in den 1980er Jahren (als Hauptschule) – den Namen „Harkort-Schule,
  • und nördlich der Enneper Straße in der früheren „katholischen Schule Im Mühlenwerth“, anfangs am Wortende mit „h“ geschrieben.

Mit Schmiede

Die 1984 endgültig gestartete Waldorfschule übernahm beide Gebäude. Heute ist in der 100 Jahre alten, aber natürlich umgestalteten Mühlenwertschule die Unterstufe (bis zur 7. Klasse) untergebracht, in der einstigen Stennert-/Harkortschule residiert die Oberstufe (8. bis 13. Klasse). Ferner gibt es auf dem Schulgelände einen Veranstaltungsraum (Aula), eine Turnhalle, Räumlichkeiten für die OGS (Offene Ganztagsschule) sowie – in einem hölzernen Pavillon direkt an der Enneper Straße – eine Schmiede.

Dass es eine Schmiede gibt, ist kein Zufall. Denn der Unterricht an einer Waldorfschule ist nicht einseitig auf Wissensvermittlung ausgerichtet. Waldorfschulen wollen verstandesmäßige, kreative, künstlerische, praktische und soziale Fähigkeiten bei den Kindern und Jugendlichen gleichmäßig entwickeln. Vom ersten Schuljahr an lernen Waldorfschüler zwei Fremdsprachen (in Haspe sind dies Deutsch und Russisch). Jungen und Mädchen stricken, nähen und schneidern gemeinsam in der Handarbeit und sägen, hämmern und feilen gemeinsam im Werkunterricht.

13 Klassen

Die Waldorfschule ist eine einzügige Schule mit 13 Klassen und etwa 385 Kindern. Die Waldorfpädagogik fußt auf den geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen Rudolf Steiners. Die privat – meist von Vereinen – betriebenen Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen, unabhängig von Religion, Hautfarbe oder Einkommen der Eltern.

Nach ausführlichen Informations-Elternabenden findet für jedes Kind ein Aufnahmegespräch an der Schule statt, denn ein Teil der Schulkosten muss von den Eltern getragen werden. In der Regel legen die Schüler am Ende der 11. Klasse die zentrale Prüfung ab und erreichen damit den Realschulabschluss. Die allgemeine Hochschulreife – also das staatliche Abitur – wird am Ende der 13. Klasse nach Bestehen der ebenfalls zentralen Prüfung erlangt. Von der ersten bis zur zwölften Klasse bleiben die Schüler in einer festen Klassengemeinschaft zusammen. Niemand bleibt sitzen, in den unteren Klassen gibt es auch keine Zensuren.