Was auf Autofahrer 2016 alles zurollt

Hagen. (Red./ACE) Sind autonomes Fahren und E-Mobilität wirklich reine Zukunftsthemen? Ein Blick ins Autojahr 2016 verrät: Nein, sie sind schon im Alltag angekommen. Was sich sonst im Autojahr 2016 noch ändert, hat der ACE (Auto-Club Europa) zusammengefasst. Hier einige ausgewählte Themenbereiche.

E-Mobilität: Bonus schrumpft

Zum 31. Dezember 2015 ist die seit 2011 geltende Steuerbefreiung über zehn Jahre für Neufahrzeuge mit reinem Elektroantrieb oder Brennstoffzelle ausgelaufen. Seit 1. Januar 2016 profitieren Halter nach Darstellung des ACE nur noch von einem fünf Jahre andauernden Erlass der Kfz-Steuer. Anschließend wird die Kfz-Steuer um 50 Prozent ermäßigt. Sollte es innerhalb des steuerbefreiten Zeitraums einen Halterwechsel geben, wird die Steuerbefreiung dem neuen Halter für den noch verbleibenden Zeitraum gewährt. Fahrzeuge, die zusätzlich über einen Verbrennungsmotor verfügen, also Hybrid-Fahrzeuge und Autos mit Range-Extender, gelten im Sinne des Kraftfahrzeugsteuergesetzes nicht als Elektrofahrzeuge.

Smarte Fahrtenschreiber?

Ab dem 2. März 2016 gilt die neue Fahrtenschreiberverordnung (VO (EU) Nr. 165/2014). Sie ist im Jahr 2014 in Kraft getreten, im März 2015 in Teilen eingeführt worden und gilt im Ganzen ab 2. März 2016. Teil der neuen Fahrtenschreiberverordnung sind auch neue „smarte Kontrollgeräte“, die den Fahrer durch ein optisches und/oder akustisches Signal warnen, wenn sie eine Störung registrieren oder der Fahrer sich der maximal erlaubten ununterbrochenen Lenkzeit von 4,5 Stunden nähert.

Laut Informationen des ACE kann der Einführungstermin der neuen Kontrollgeräte jedoch noch nicht abgeschätzt werden, da die technischen Grundlagen noch erstellt werden müssen. Experten gehen davon aus, dass dies nicht vor März 2019 passieren wird.

Ein Ziel der neuen Verordnung ist es, die Kontrollen durch die neuen, digitalen Fahrtenschreiber effektiver zu gestalten. Dabei soll helfen, dass die neuen Fahrtenschreiber im Betrieb aus der Ferne ausgelesen werden können und über eine Positionsbestimmung (via Sattelitennavigation) verfügen. Darüber hinaus ist die Schulungs- und Unterweisungspflicht durch das Unternehmen genauer definiert.

Motorräder sauberer

Motorräder, die seit 1. Januar 2016 eine Typgenehmigung erhalten, müssen die Abgasvorschriften der Norm Euro 4 erfüllen. Diese Vorschrift betrifft Motorräder der Klasse L3e, das heißt Motorräder mit einem Hubraum über 50 cm³ und/oder einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit über 45 km/h. Ab 2020 gelten die Vorschriften der Abgasnorm Euro 5.

Ab Januar 2016 müssen alle neu entwickelten Motorräder über ABS verfügen. Die Vorschrift bezieht sich auf Maschinen mit Hubraum über 125 cm³. Alte Motorräder müssen nicht nachgerüstet werden. Ab 2017 gilt die ABS-Pflicht für alle Motorräder, die neu zugelassen werden.

Fußgänger erkennen

Die Sicherheitsorganisation Euro NCAP nimmt ab dem kommenden Jahr auch die Fußgängererkennung in das Bewertungsschema auf. Wer die volle Punktzahl erreichen möchte, muss dann auch nachweisen, dass das Auto einen Zusammenstoß mit Fußgängern bei einer Ausgangsgeschwindigkeit von bis zu 40 km/h verhindert. Bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h müssen die Verletzungen der Fußgänger spürbar gemindert werden.

Neue Kfz-Klassen

Zum 1. Januar sind bei den deutschen Kfz-Versicherern die neu berechneten Regional- und Typklassen in Kraft getreten. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft mitteilt, werden in den Regionalklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung rund 15 Prozent der Autofahrer heraufgestuft. 20 Prozent der Fahrzeughalter hingegen profitieren von günstigeren Tarifen.

Die individuelle Prämie richtet sich nach dem Unfall- und Schadensrisiko, dem Wohnort und Fahrzeugmodell. Am teuersten ist die Haftpflichtversicherung in Berlin. Dort ist der Index erneut um 4,72 Prozentpunkte auf jetzt 130,44 gestiegen. Zum Vergleich: Im brandenburgischen Prignitz liegt der Regionalindex bei 68,89 Prozent. Der Index bezieht sich auf den Bundesdurchschnitt mit dem Wert 100. Bei den Kaskoversicherungen bleibt fast alles beim Alten.

Mehr Geld für Nahverkehr

Der Bund hat zum 1. Januar 2016 die sogenannten „Regionalisierungsmittel“ von bisher 7,3 auf 8 Milliarden Euro erhöht. Mit den aufgestockten Mitteln soll der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) – insbesondere der Schienennahverkehr – umfassender finanziert werden.

Belgien: Maut

Ab dem 1. April 2016 gilt in Belgien eine Mautpflicht für Lkw über 3,5 Tonnen. Mehr Infos zu den mautpflichtigen Strecken in Flandern, Wallonien und Brüssel sowie zu den Tarifen finden sich auf der Website von Viapass.

In Planung: Neues Carsharing-Gesetz

Das geplante Carsharing-Gesetz könnte noch im Jahr 2016 kommen. Es soll definieren, was unter dem Begriff „Carsharing-Fahrzeug“ zu verstehen ist und wie diese Fahrzeuge gekennzeichnet werden. Außerdem wird es den „geteilten“ Fahrzeugen ähnliche Privilegien einräumen, wie Kommunen sie auch schon Elektroautos billigen können. Dazu zählt beispielsweise, dass Städte und Gemeinden sie von Parkgebühren befreien oder spezielle Carsharing-Parkflächen ausweisen können.

Rot zur Tanke

Für das Jahr 2016 ist eine Änderung der Fahrzeug-Zulassungsverordnung geplant. Die Änderung soll es Händlern ermöglichen, mit noch nicht zugelassen Fahrzeugen und roten „Händler-Kennzeichen“ kurze Fahrten zu unternehmen, um die Autos beispielsweise zu tanken oder zu reinigen. Diese Fahrten sind bisher nicht erlaubt.

Diesel-Partikelfilter

Laut eigenen Aussagen will das Bundesumweltamt die Nachrüstung von Dieselpartikelfiltern weiter finanziell unterstützen. Die Förderung mit insgesamt 30 Millionen Euro sollte ursprünglich zum 31. Dezember 2015 ablaufen.

Da jedoch nur 6,39 Millionen Euro abgerufen wurden, soll das Fördergeld in den Haushalt 2016 übertragen werden. Förderberechtigt sind Diesel-Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 1. Januar 2007. Der Bund gibt pro Fahrzeug 260 Euro, die Kosten für die Umrüstung betragen etwa 650 Euro.