Was gibt es zu beachten nach einem Verkehrsunfall?

Rechtsanwältin Bettina Birk

Rechtsanwältin Bettina Birk, Herdecke. (Foto: Birk)

Hagen. (Red.) Wie genau verhält man sich richtig nach einem Verkehrsunfall? Darüber informiert Rechtsanwältin Bettina Birk aus Herdecke die Wochenkurier-Leser.
Sollte man bei einem Verkehrsunfall einen Rechtsanwalt konsultieren?

Einem Geschädigten ist bei jedem Verkehrunfall, auch bei solchen, die nicht durch ihn verursacht wurden, immer die sofortige Einschaltung eines Rechtsanwalts nahe zu legen. Dabei können Probleme mit der Abwicklung von beispielweise Schadenspauschale, Schmerzensgeld, Wertminderung, Nutzungsausfall oder Restwert vermieden werden. In der Regel werden mehr Schadensersatzansprüche mit der anwaltlichen Hilfe realisiert als ohne.
Wer trägt die Rechtsanwalts-Kosten?
Die Vergütung des Rechtsanwalts richtet sich nach dem Wert des Streitgegenstands, d.h. der bezifferten Schadenspositionen eines Unfalls. Daraus berechnen sich dann Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungs- bzw. Gerichtskostengesetz. Die Kostentragungspflicht hängt von der Verschuldensfrage des Unfalls ab. Bei unverschuldeten Unfällen hat die gegnerische Partei alle Kosten inklusive der Rechtsanwaltsgebühren zu tragen. Liegt ein Mitverschulden vor, so wird der bearbeitende Rechtsanwalt die nicht abgedeckten Gebühren über Ihre Verkehrsrechtsschutzversicherung abrechnen.
Wie soll ich mich bei einem Verkehrsunfall verhalten?
Anzuraten ist auf jeden Fall die Einschaltung der Polizei. Lassen Sie sich nicht auf Barzahlungen am Unfallort, ohne Dokumentation der Daten und ohne Einschaltung der Polizei ein. Oftmals übersteigt die tatsächliche Beschädigung diese, die augenscheinlich wahrgenommen wird. Im Nachhinein ist die Durchsetzung von Ansprüchen dann mangels Beweisen nahezu unmöglich. Soweit es möglich ist, sollten Sie Beweise am Unfallort sichern. Fotos oder andere Aufnahmen können im Falle eines Prozesses für Sie von Vorteil sein.

Selbst bei einem eindeutigen Unfallgeschehen kann es erfahrungsgemäß oft zu zivilrechtlichen Streitigkeiten führen. Grundsätzlich sollten Sie gegenüber dem Unfallgegner oder der Polizei keine voreiligen mündlichen Zugeständnisse einräumen. Daher sollten Sie sich eine Durchschrift des polizeilichen Unfallberichts geben lassen.

Sollte ich mein beschädigtes Fahrzeug begutachten lassen?
Ein Sachverständigengutachten wird für Sie unumgänglich sein, da der Geschädigte die Beweislast für Art, Umfang und Ausmaß der Schäden trägt. Dies trifft nicht bei Bagatellschäden zu (ca. 700 bis 750 Euro), da reicht oftmals ein Kostenvoranschlag bzw. eine Reparaturrechnung aus. ­Bitte beachten Sie, dass man oft nicht dazu in der Lage ist, das tatsächliche Ausmaß des Schadens zu erkennen, daher sollte ein Sachverständiger hinzugezogen werden.
Welche Ansprüche stehen mir gegenüber dem Unfallverursacher zu?
Sobald die Schuldfrage geklärt ist, stehen Ihnen beispielsweise Ansprüche wie der Ersatz der Fahrzeugsschäden, Mietwagenkosten/ Nutzungsausfallentschädigungen, Gutachterkosten, Rechtsanwaltsgebühren, Heilbehandlungskosten oder Schmerzensgeld zu. Daher sollten Sie nicht auf das Konsultieren eines Rechtsanwalts verzichten.
Wie sieht’s bei Unfällen im Ausland aus?
Bei Verkehrsunfällen im Ausland empfiehlt es sich wegen der erschwerten Situation grundsätzlich einen Rechtsanwalt zu konsultieren, da aufgrund der Sprachbarriere und ausländischen Gesetzeslage oft Schwierigkeiten für einen Laien auftreten könnten, beispielsweise im Schadenersatzrecht. Dieses richtet sich nämlich nach dem Recht des Unfalllandes.
Muss man die Polizei einschalten?
Nicht in allen Ländern ist das Pflicht. Sie befinden sich jedoch auf der sicheren Seite, wenn Sie in einem fremden Land die Polizei hinzuziehen. Hierbei werden der Unfallvorgang und die Schäden polizeilich dokumentiert.
Welche wichtige Dinge sollte ich immer bei mir führen?
In einigen Ländern muss man Warnwesten bei sich führen, andernfalls droht ein Bußgeld. Genauso wichtig ist die „Grüne Karte“; sie dient im internationalen Kraftverkehr als Nachweis, dass Ihr Fahrzeug auch tatsächlich versichert ist. In vielen Ländern ist die Vorlegung der „Grünen Karte“ noch Pflicht und kann mit hohem Bußgeld verhangen werden, wenn diese nicht mitgeführt wird. Andere Länder sehen das Autokennzeichen als Versicherungsnachweis an. Neben der „Grünen Karte“ sollten Sie auch einen „Europäischen Unfallbericht“ dabei haben. Den gibt es in allen EU-Sprachen und er kann gemeinsam mit dem Unfallgegner ausgefüllt werden. Er beinhaltet alle wichtigen Information rund um den Unfall, beispielsweise Name und Anschrift des Unfallgegners oder auch Schaden am Fahrzeug.
Und wenn mehr als nur ein Fahrzeug-Schaden vorliegt?
Falls bei dem Unfall Personen zu Schaden gekommen sind, sollten sie schnellstmöglich nach der polizeilichen Unfallaufnahme einen Arzt aufsuchen. Der soll die Verletzungen dokumentieren, damit man spätere Schadenersatzansprüche gegen den Unfallgegner geltend machen kann.
An wen kann ich mich im Ausland wenden?
Dank der 4. Kraftfahrtzeugshaftpflicht-Richtlinie wird es Ihnen einfacher gemacht, einen Regulierungsbeauftragten der Autoversicherung zu kontaktieren. Hierzu benötigen Sie nur das Kennzeichen des Unfallgegners und melden sich mit diesem beim Zentralruf der Autoversicherer (kostenfreie Rufnummer 08 00 / 2 50 26 00 oder +49 40 / 3 00 33 03 00 aus dem Ausland). Im Schreckmoment des Unfalls wird oftmals vergessen, die eigene Versicherung zu kontaktieren. Des Weiteren sollten Sie, falls Sie Mitglied des ADAC sind, die Notrufnummern im Ausland parat haben. Auch hier ist es dringend zu empfehlen, bei Unsicherheit einen Rechtsanwalt Ihres Vertrauens zu Rate zu ziehen.